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Der Kampf ums Trinkwasser

Fataler Aberglaube: Versorgt man die Bevölkerung zentral mit Fernwasser aus Stauseen, löst sich das Trinkwasserproblem in Wohlgefallen auf. Gegen dieses verblendete „Kurieren an Symptomen“ tritt die Interessengemeinschaft Kommunale Trinkwasserversorgung (IKT) an. Was die IKT heute über Deutschlan hinaus bewegt, hat viel mit dem Einsatz gegen den Hafenlohrtalspeicher zu tun.

Sebastian Schönauer, der stellvertretende Vorsitzende des Bundes Naturschutz in Bayern (BN) und der Sprecher des Arbeitskreises Wasser im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), wehrt sich gegen den Irrglauben, eine zentrale Fernwasserversorgung löse die Trinkwasserprobleme. Zusammen mit dem damaligen BN-Landesbeauftragten und heutigen BN-Vorsitzenden Hubert Weiger, dem Margetshöchheimer Gemeinderat Peter Etthöfer und dem BN-Mitglied Brigitte Muth von Hinten trat Schönauer 1986 den Kampf ums Wasser an.

Gemeinden wenden sich gegen offiziellen Kurs

Abertausende von Menschen aus nah und fern hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits gegen den Bau des Hafenlohrtalspeichers ausgesprochen. Dennoch machten Wasserwirtschaftler und Politiker weiter Druck - der Stausee im Spessart sei nun einmal notwendig. Diesen Druck durch aktives Gegensteuern in den Kommunen zu mindern, dazu sollte eine neue Selbsthilfegruppe beitragen: Die „Interessengemeinschaft zur Erhaltung der kommunalen Trinkwasserversorgung in Unterfranken“ (IKT). Knapp hundert Kommunalpolitiker und Naturschützer kamen am 18. Januar 1986 zur Gründung. Niemand ahnte damals, dass die Protestinitiative gegen die ausufernden Fernwasserverbände ihre Tätigkeiten bald weit über Deutschland hinaus ausdehnen würde.

Denn viele Gemeindevertreter auch außerhalb Unterfrankens wollten sich nicht länger mit dem offiziellen Kurs hin zu zentralem Fernwasser abfinden. Bereits im August 1986 verwandelte sich die IKT Unterfranken deshalb in die IKT Bayern. Rasch stellten sich erste Erfolge ein: Durch mehrere gewonnene Bürgerentscheide in Bad Königshofen und Maroldsweisach wurde verhindert, dass große Teile des nördlichen Unterfrankens an den Zweckverband Fränkische Wasserversorgung Oberfranken (FWO) angeschlossen wurden. Auch konnte die eigenständige Wasserversorgung im Felsenstädtchen Pottenstein in der Fränkischen Schweiz erhalten werden. Pottenstein sollte an den Zweckverband der Juragruppe angeschlossen werden.

Keine Verantwortung abgeben

Nach über 20-jährigem Kampf der IKT gegen die Fernwasserversorger flauen die Diskussionen um die angeblich unumgängliche Notwendigkeit der Fernwasserversorgung allmählich ab. Die Politiker sind sensibilisierter. Was sich vor allen Dingen in der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie und in der zu erwartenden EU-Grundwasserrichtlinie zeigt. Letztere, hofft die IKT, wird einem der wichtigsten Ziele der Organisation weiter zum Durchbruch verhelfen: Dem flächendeckenden Schutz des Grundwassers. Der Kampf für das Trinkwasser muss ungeachtet dessen weitergehen. Denn, so IKT-Landesvorsitzender Schönauer, es droht die EU-weite Liberalisierung des Wassermarktes. Die zu verhindern, zählt zu den aktuell wichtigsten Aufgaben der IKT.

Gleichzeitig appelliert Schönauer weiterhin an Gemeindevertreter, keinerlei Verantwortung abzugeben - weder die für das Trinkwasser, noch die für das Abwasser. Der Wasser-Aktivist: „Nur wer vor Ort aktiven Grundwasserschutz betreibt, wird die Einsicht haben und darüber hinaus bereit sein, politisch für einen flächendeckenden Grundwasserschutz einzutreten.“ Dazu zählt dringend auch eine weitere Senkung des Wasserkonsums. Denn es ist absurd, dass eine Toilettenspülung in einem deutschen WC so viel Trinkwasser schluckt, wie einem Menschen in einem Entwicklungsland für Trinken, Kochen und Waschen an einem Tag zur Verfügung steht. Ein weiterer Wahnsinn ist für Schönauer, das immense Mengen an Grundwasser für Beregnungslandwirtschaft verschwendet wird.