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30 Jahre Kampf ums Hafenlohrtal

Es war 1976, als Mitglieder des Bund Naturschutz erstmals von den Plänen eines Trinkwasserspeichers im Hafenlohrtal hörten. Die Begründungen für das Projekt: Der Wasserverbrauch der Bevölkerung würde stetig steigen, die Quellen im Spessart seien hygienisch bedenklich.

Die BN-Aktivisten waren empört. Sofort formierte sich Widerstand. Dr. Fritz Lechner von der Kreisgruppe Main-Spessart des Bund Naturschutz gründete eine erste „Ökogruppe Hafenlohrtal“, die den Kampf gegen den Staudamm aufnahm. Ein Speichersee hätte nur ein Herumkurieren an Symptomen bedeutet; vor allem wäre der See ein Ausdruck des politischen Kurses hin zu zentralem Fernwasser gewesen.

Zwei Jahre später wurde die „Aktionsgemeinschaft Hafenlohrtal“ (AGH) ins Leben gerufen. Den BN-Mitgliedern war klar, dass sie das ökologische Wahnsinnsprojekt nur durch eine starke Bürgerbewegung würden abbiegen können. Stark war die AGH tatsächlich von Anfang an. 200 Menschen kamen zur Gründungsversammlung, die Sebastian Schönauer, heute stellvertretender BN-Vorsitzender in Bayern, am 23. Juni 1978 einberief. Knapp 150 Bürgerinnen und Bürger traten am Gründungsabend der AGH bei.

Einen gab es, erinnert sich Schönauer, der die Gründung verhindern wollte: „Der heutige Staatsminister Eberhard Sinner.“ Der plädierte für einen parlamentarischen Kampf gegen den Trinkwasserspeicher. Schönauer: „Aber uns war klar, dass wir das Projekt nur mit der Kraft der Bürgerbewegung wegbekommen können.“

Bevölkerung steht hinter Aktionsgemeinschaft

Endgültig abgeblasen ist das Stauseeprojekt noch nicht, allerdings wird der Bau eines Speichers immer unwahrscheinlicher. Denn weit über die AGH hinaus setzen sich Menschen dafür ein, dass das Hafenlohrtal in seiner Ursprünglichkeit bewahrt bleibt. Zu verdanken ist dies den BN-Aktivisten im Spessart, die es schafften, die Sympathie der Bevölkerung für ihren Kampf zu gewinnen.

So trat Sebastian Schönauer bereits wenige Tage nach der AGH-Gründung in der BR-Sendung „Jetzt red’ i“ auf. Seine leidenschaftlich vorgetragene Botschaft lautete: Das Hafenlohrtal muss als einmalige Natur- und Kulturlandschaft erhalten, die Trinkwasserversorgung vor Ort gesichert werden. Über 2.000 Besucher zählte wenige Monate nach dieser Sendung das 1. Hafenlohrtalfest.

Auch Politiker lassen Speicherseepläne abblitzen

Seit 1978 ließen auch viele politische Gremien den Freistaat mit seinen Speicherplänen abblitzen. So lehnte der Aschaffenburger Kreistag den Speicherbau 1980 ab, die Regionalkonferenz der Region 1 schloss sich dem Votum an. Was zur Folge hatte, dass die Regierung von Unterfranken die Stauseeplanung für den Kreis Aschaffenburg aufgab.

Ein großer Teilerfolg, der Mut zum Weiterkämpfen machte, war außerdem, dass die Fläche von der Landkreisgrenze bis zum Ahlmichdamm aus der Planung genommen wurde. 1987 lehnte auch der Kreistag Main-Spessart das Projekt ab. 1992 sprachen sich acht Biologie-Professoren der Würzburger Uni gegen den Stausee aus. Schließlich schlugen sich auch die Chefs der Würzburger Stadtwerke auf die Seite der Naturschützer.

Der Staatsregierung zum Trotz: Hafenlohrtal bleibt

Der Bau eines Hafenlohrtalspeichers ist unwahrscheinlich geworden, doch noch immer blockt die Staatsregierung sämtliche Forderungen nach einer endgültigen Streichung der unseligen Pläne ab. Mit deutlichen Worten prangerte Schönauer dies beim 30. Hafenlohrtalfest 2007 an. Er appellierte: „Lasst uns hier vor Ort das Hafenlohrtal als eine der letzten Oasen unserer Kultur- und Naturlandschaft erhalten und lasst uns nach 30 Jahren bester Naturschutzarbeit für unsere Heimat das Hafenlohrtal als Sinnbild einer vernünftigen Umkehr in unserem Verbrauchsverhalten erklären!“