MenuBUND Naturschutz in Bayern e. V.

Einmal durch die Hölle gehen: Wandern im Höllbachtal

Auch wenn der einzigartige Sommerlinden-Erlen-Auwald allmählich von Fichten und Buchen verdrängt wird und Steinkrebs, Bachneunauge und Perlmuschel verschwunden sind, ist das obere Höllbachtal immer noch eine eindrucksvolle Wanderung. Ein wildromantischer Rundweg erschließt das Naturschutzgebiet.

Wanderweg in die Hölle (Foto: Winfried Berner)

Was die so genannte "kleine" Wasserkraft anrichtet, lässt sich auf dieser Wanderung studieren. Auch wenn die Kreisgruppe Regensburg unter ihrem langjährigen Vorsitzenden Dr. Peter Streck mit unzähligen Eingaben, Protesten und Prozessen das Schlimmste verhindern hat, ist das wildromantische Naturschutzgebiet Höllbachtal nur noch ein Schatten seiner selbst. Während in einem Wanderführer aus dem Jahr 1892 von einem "sinnbetörenden Getöse" der "unterirdischen Wasserfälle" und einem "Gebrülle" die Rede war, "das bei nächtlicher Stille meilenweit zu hören ist", kann man sich heute in der Hölle unterhalten, ohne die Stimme zu erheben. Denn den Großteil des Wassers zweigen die Höllbachkraftwerke der Familie Heider ab und führen es über Druckstollen der Stromerzeugung zu. 2800 Megawattstunden Strom erzeugen sie dort jährlich – das klingt nach viel, aber es sind lediglich 0,003 Prozent des gesamten in Bayern erzeugten Stroms. 

Doch auch wenn der einzigartige Sommerlinden-Erlen-Auwald allmählich von Fichten und Buchen verdrängt wird und Steinkrebs, Bachneunauge und Perlmuschel verschwunden sind, ist das obere Höllbachtal immer noch eine eindrucksvolle Wanderung und ein beliebtes Ausflugsziel der Regensburger. Vor allem an Wochenenden und in den Ferien ist dort buchstäblich ein Höllenbetrieb. Und das "Restwasser", das dem Höllbach nach einem von der Kreisgruppe Regensburg durchgefochtenen Schiedsspruch rechtmäßig zusteht, ist mit 180 Litern pro Sekunde wieder deutlich mehr als jene 55 bzw. 110 Liter, die das Landratsamt ihm zugestehen wollte.

Wer wenigstens einen Nachklang jenes Getöses erleben will, sollte diese Rundwanderung am Ende einer längeren Regenperiode machen. Wir gehen sie, um uns den Höhepunkt für den Schluss aufzusparen, im Uhrzeigersinn: Vom Wanderparkplatz folgen wir einer schmalen Teerstraße Richtung Dosmühle. Auf der Höhe einiger Häuser biegen wir nach links in einen Feldweg, der gleich abfallend nach rechts schwenkt und uns in ein liebliches Wiesental führt, in dem bereits einige gewaltige Felsen einen Vorgeschmack auf die Hölle geben. Unten kommt uns schon der Höllbach entgegen, dem wir von hier etwa zehn Kilometer durch sein eng eingeschnittenes Tal bis nach Wiesent an der Donau folgen könnten. 

Kurz vor der Dosmühle erreicht unser Pfad die Straße wieder, doch noch davor biegen wir nach ein paar Metern über eine Brücke nach rechts in einen Waldweg, der ein kurzes Stück den hier recht friedlichen Höllbach begleitet. Über eine langgestreckte Talwiese dringen wir weiter ins Tal vor, das allmählich wilder wird und uns schließlich in das wilde Blocksteinmeer der "Hölle" führt, durch das der Höllbach mit wenigstens 180 Liter Wasser pro Sekunde gurgeln darf.

Zwischen riesigen, moosüberwachsenen Steinblöcken schlängelt sich der Weg hindurch, und das ab und zu durchschimmernde Wasser lässt leise rauschend erahnen, wie die Hölle auf unsere Vorfahren gewirkt haben muss. Über den Felsblöcken und dem Wasser tragen noch etliche Sommerlinden zu dem dichten Blätterdach bei, das die Hölle auch im Hochsommer zu einem angenehm kühlen Platz macht.

  • Ausgangspunkt: Postfelden im nordöstlichen Landkreis Regensburg, Wanderparkplatz am südlichen Ortsrand
  • Länge und Gehzeit: ca. 4,5 km, etwa 80 Minuten (beliebige Verlängerung talabwärts möglich)
  • Höhenunterschied: ca. 100 Meter
  • Wegcharakter: Markierte, teilweise felsige Steige, Feld- und Waldwege, etwas Teerstraße
  • Einkehr: Entlang des Weges keine (Postfelden, Brennberg, Aumbach)