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Buchempfehlungen zum Lech


Eberhard Pfeuffer: Der Lech

Einer der schönsten Bildbände, der mir in den letzten Jahren in die Hände gekommen ist. Keine "Naja-Aufnahmen", sondern großartige Fotos: Eindrucksvolle Landschaften ebenso wie Nahaufnahmen von Pflanzen und Tieren; sachkundiger und gut lesbarer Text.

Auch wenn bei einem so exzellent bebilderten Buch der erste Reflex natürlich zum Betrachten der Fotos geht, lohnt es sich, auch den Text zu lesen: Der Augsburger Arzt Dr. Eberhard Pfeuffer war Vorsitzender des Naturwissenschaftlichen Vereins Schwaben und gilt als einer der besten Kenner des Lechs. Und er ist nicht nur ein exzellenter Fotograf, sondern besitzt darüber hinaus auch die Gabe, klar und verständlich zu schreiben. Sein Text macht die erdgeschichtliche Entstehung des Lechs ebenso anschaulich wie die Flora und Fauna der Lechregion, die frühe Besiedelung ebenso wie den – leider fast vergeblichen – Kampf gegen die Zerstückelung dieses großen und einstmals wilden Flusses durch Kraftwerke und Staustufen.

Durch diesen Bildband habe ich gelernt, den Lech mit anderen Augen zu sehen. Bisher habe ich ihn für eine "Flussleiche" gehalten, für einen Kadaver, den man nach verlorener Schlacht achtlos und enttäuscht zurücklässt, weil er nichts mehr zu retten ist: Durch insgesamt 30 Kraftwerke und 24 Staustufen ist der mittlere und untere Lech zwischen dem (für energiewirtschaftliche Zwecke künstlich angelegten) Forggensee und seiner Mündung in die Donau bei Rain zerschnitten. Es gibt keinen Fluss in ganz Europa, der derart zerhäckselt und denaturiert worden ist.

Umso mehr hat mich Pfeuffers letztes Kapitel angerührt. Schon in der Überschrift "Was geblieben ist" schwingt die Trauer mit über das, was zerstört wurde, aber eben auch die Erleichterung, dass nicht alles kaputt ist. Zwar lässt der ebenfalls von Eberhard Pfeuffer herausgegebene Bildband "Der ungebändigte Lech – Eine verlorene Landschaft in Bildern" erahnen, welches Weltnaturerbe wir da verloren haben. Aber es nützt weder dem Lech noch uns, wenn wir uns in trotziger Trauer eingraben – sowohl der Natur als auch den Menschen dient es mehr, zu entdecken, "was geblieben ist", und dieses Verbliebene zu schätzen – und zu schützen.

Denn die nächsten Angriffe auf die wenigen verbliebenen freien Fließstrecken rollen schon: Die Energiewende muss als Legitimation für den Versuch herhalten, die letzten möglichen Staustufen am Lech auch noch durchzusetzen. Wer den unteren und mittleren Lech abgeschrieben hat, hat keine Kraft und letztlich auch keinen Grund mehr, sich dieser Zerstörung in den Weg zu stellen. Wer dank der Lektüre dieses Buchs – bei aller Trauer über das Verlorene – den Wert des Verbliebenen erkennt, wird sich dafür einsetzen, wenigstens diesen Rest zu erhalten.

Rezension von Winfried Berner

Eberhard Pfeuffer: Der Lech. Wißner Verlag. 184 Seiten. ISBN: 978-3896397683. 29,80 Euro.


Eberhard Pfeuffer: Der ungebändigte Lech

Eine wunderschöne und zugleich traurige Sammlung von Schwarz-Weiß-Fotographien einer großartigen Wildflusslandschaft, die der Stromerzeugung geopfert wurde: Eine wertvolle Erinnerung daran, dass der Lech einmal ein lebendiger, wilder Alpenfluss war.

Er muss ein großer Kenner und Liebhaber des wilden, ungebändigten Lechs gewesen sein, der promovierte Augsburger Biologe Heinz Fischer (1911 - 1991). Jedenfalls hat er eine umfangreiche Sammlung großformatiger (6 x 6) und großartiger Schwarz-Weiß-Fotographien hinterlassen, die sich heute im Besitz des Naturmuseums Königsbrunn befinden. Offenbar hat er viele dieser sorgfältig datierten und dokumentierten Aufnahmen buchstäblich im letzten Moment gemacht: Im Angesicht der bevorstehenden Zerstörung der jeweiligen Flussabschnitte. Vermutlich wollte er der Nachwelt auf diese Weise wenigstens eine Erinnerung daran erhalten, was sie für immer verloren hat.

Und so ist dieser Bildband, von dem renommierten Lechkenner Dr. Eberhard Pfeuffer überaus sorgfältig und einfühlsam editiert, zugleich eine große Freude und ein großer Schmerz: Eine Freude darüber, obwohl zu spät geboren, noch einmal einige Eindrücke davon zu bekommen, wie dieser große, wilde Alpenfluss vor seiner gewaltsamen Domestizierung ausgesehen hat; ein Schmerz, weil man diese Aufnahmen betrachtet im traurigen Bewusstsein, dass all das unwiederbringlich verloren ist und dass weder die berückende Schönheit dieser Flusslandschaften noch ihre biologische Vielfalt jemals wieder restauriert werden können.

Die Dokumentation der alten Fotografien folgt zunächst dem Flusslauf: Sie beginnt mit dem "Lech in den Alpen" und reicht bis zu "Der Lech und die Wildflussaue vor Augsburg". In diesem Kapitel dokumentiert der Band auch einige Fotografien des alten Lechs kurz vor Augsburg, die Heinz Fischer selbst nur als Kind unverbaut erlebt hat. Diese Aufnahmen datieren um 1915 und stammen von Fischers Vater Anton. Überaus eindrucksvoll sind Heinz Fischers Aufnahmen der berühmten Illasschlucht. Das war einmal ein Naturschutzgebiet, dessen rücksichtslose Zerstörung durch den Kraftwerksbau schon der erste oberste bayerische Naturschützer Prof. Dr. Otto Kraus in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts beklagt hat.

Den Abschluss bilden ein Kapitel "Der Wildfluss" mit geradezu künstlerischen Aufnahmen sowie ein Kapitel über "die Brutvögel auf den Lechkiesbänken", das auf einem gleichnamigen Artikel von Anton Fischer von 1926 aufbaut und mit dem traurigen Zitat endet: "Da Anfang dieses Jahres auch an dieser Stelle mit den Korrektionsarbeiten begonnen wurde, ist den Lechbrütern ihr letztes Asyl genommen, die einst so reiche und einzigartige Lechvogelfauna vernichtet. Einzelne Paare mögen dieses Frühjahr wiederkommen und nochmals Brutversuche wagen, aber die Zeit, in der es eine für die Lechkiesbänke charakteristische Vogelfauna gab, ist vorbei – für immer." (S. 153)

Unausgesprochen ist dieser einzigartige Bildband denn auch eine bittere Anklage gegen den maßlosen Energiehunger unserer Gesellschaft: Um Einkaufszentren und andere Kathedralen dauerzubeleuchten, um Straßencafés zu beheizen und Shopping Center zu klimatisieren, um Erdbeeren und Spargel schon vor der Saison kaufen zu können, zerstören wir Ökosysteme. Mit unseren schönsten Landschaften bezahlen wir den Preis für unsere Unwilligkeit, konsequent auf Energieeffizienz zu achten, den Preis dafür, dass bei uns Energie so billig ist, dass es sich nach wie vor lohnt, jeden Mist zu elektrifizieren. "There is no free lunch", sagen die Amerikaner. Wie dieser Bildband dokumentiert, haben wir leider weite Teile unserer Heimat verfrühstückt.

Rezension von Winfried Berner

Eberhard Pfeuffer: Der ungebändigte Lech. Wißner Verlag. 160 Seiten. ISBN:978-3-89639-820-8. 29,80 Euro.