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Von der Hölle zum Naturschutzgebiet

Der Name „Mertinger Höll“ erinnert noch heute an die schwere Arbeit der Bauern in der sumpfigen Ebene. Geplagt von Hitze, feuchtem Untergrund und unzähligen Schnaken bauten sie bis in die 1960er-Jahre Torf ab oder mähten die Streuwiesen. Heute steht das Kerngebiet im Mertinger Ried unter Naturschutz  –  doch bis dahin war es ein langer Weg.

Ein wichtiges Ziel ist erreicht: 1984 wird die Mertinger Höll zum Naturschutzgebiet.

Über Jahrhunderte mühten sich die Bauern, dem sumpfigen Gelände zwischen Donauwörth und Dillingen Ertrag abzuringen. Die häufig überschwemmten Wiesen zwischen Donau, Schmutter und Zusam dienten lange als Streu- und Futterwiesen und dem Torfabbau. Im 20. Jahrhundert wurden, nach der künstlichen Senkung des Grundwasserspiegels, einige Teile des Rieds sogar als Acker genutzt, doch das genügte so manchem Planer nicht: In Zeiten der Wachstumseuphorie entstanden zahlreiche Ideen, was mit der weiten, wenig besiedelten Ebene geschehen könnte: So hatte man einen Jagdgeschwaderübungsplatz und einen Segelflugplatz im Visier, doch beides konnte durch Proteste verhindert werden.

Schütz‘ dies Land vor Unverstand

Kaum waren diese Pläne vom Tisch, war das Donauried Anfang der 70er-Jahre als Standort für eine Magnetschwebebahn-Teststrecke im Gespräch. Mit dem erbitterten Widerstand von Bund Naturschutz,  Anwohnern und der von den Landwirten gegründeten „Schutzgemeinschaft Donauried“ hatten die Macher allerdings nicht gerechnet. Nach einigen Jahren mit Protestaktionen, Verfahren und  Diskussionen gab die Regierung das Vorhaben 1977 wieder auf.

Doch ein Jahr später, 1978, musste die gleiche Abwehrfront wieder aktiv werden: Bei Pfaffenhofen war der Bau eines Atomkraftwerks geplant. Nach Jahren des Widerstands – und nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl – wurden die Pläne auf Eis gelegt und 1990 endgültig aufgegeben. Heute erinnert ein Wegkreuz bei Pfaffenhofen an das Großvorhaben. Die Inschrift auf dem im Volksmund auch „Atomkreuz“ genannten Mahnmal stammt vom Lauterbacher Heimatdichter Alois Sailer und lautet: „Herr, schenk Du Fried’ dem Donauried, und schütz’ dies Land vor Unverstand."

Flächenankauf und Pflege

Pflegeeinsatz der Kreisgruppe im Jahr 2004
Pflegeeinsatz der Kreisgruppe im Jahr 2004

Am Ende siegte der Verstand über den Unverstand, und immer mehr Menschen erkannten die Bedeutung des Mertinger Rieds: Das Niedermoor ist Zufluchtsort für seltene Tier- und Pflanzenarten, dient als Wasserspeicher und leistet durch das Speichern von CO2  einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Ab 1962 pachtete der Tierschutzverein Augsburg die Mertinger Höll und wurde 1982 vom Landkreis Donau-Ries abgelöst. Die Ausweisung der Mertinger Höll als Naturschutzgebiet erfolgte 1984. Das gesamte Mertinger Ried wurde 2001 bis 2004 als Schutzgebiet für den europaweiten Biotopverbund „Natura 2000“ gemeldet.

Doch bereits in den 70er-Jahren hatte der Bund Naturschutz im Ried die ersten Flächen als Sperrgrundstücke gegen die Magnetbahn-Teststrecke und AKW angekauft. Dies war die Keimzelle für das bayernweit größte Flächenankaufsprojekt des Bundes Naturschutz. Mit Unterstützung des Bayerischen Naturschutzfonds und der Heinz-Sielmann-Stiftung konnten im Laufe der Jahre und Jahrzehnte weitere Flächen erworben werden. Mittlerweile besitzen Bund Naturschutz und Landkreis Donau-Ries rund 170 Hektar, weitere Flächen wurden von den Eigentümern gepachtet und so für den Naturschutz gesichert. In den kommenden Jahren sollen noch mindestens 50 Hektar hinzukommen.  Grundstücksankäufe, Recherchen und oft langwierige Verhandlungen mit Besitzern und Behörden betreut Projektleiter Alexander Helber gemeinsam mit Jürgen Scupin. Doch mit Kauf oder Pacht allein ist es nicht getan: Die Kreisgruppe Donau-Ries mit ihren Vorsitzenden Rudolf Schubert und Alexander Helber pflegt das Biotop in Zusammenarbeit mit über zwanzig Landwirten.