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Ein Paradies für seltene Tiere und Pflanzen

Im Interview: Alexander Helber, zweiter Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Donau-Ries und Leiter des Ankaufsprojekts Mertinger Ried / Lauterbacher Ruten.

Projektleiter Alexander Helber kümmert sich um Grundstücksankäufe und Biotoppflege.

Seit rund zehn Jahren engagieren Sie sich  für das bayernweit größte Flächenankaufsprojekt des BN, was treibt Sie an?

Helber: Mich motiviert die schöne, offene Landschaft des Donaurieds, die viel Ruhe ausstrahlt und sehr wenig von Straßen durchschnitten ist. Unsere Schutzbemühungen gelten den zahlreichen bedrohten Vogelarten, die für dieses Niedermoor wertgebend sind.

Botanisch interessieren mich neben den Orchideenarten auch die seltenen Stromtalarten wie beispielsweise der Kantenlauch. Motivierend sind auch die guten Gespräche mit Leuten vor Ort, so zum Beispiel mit den Grundstückseigentümern, die uns auf vielfältige Weise unterstützen.


Welches waren die größten Erfolge?

In den 1970er- und 1980er-Jahren konnte der BN mit Hilfe der Bevölkerung die Ries-Autobahn, ein AKW in Pfaffenhofen, die Magnetschwebebahn und einen Flugplatz für Düsenjäger verhindern. Außerdem haben wir die Ausweisung von Schutzgebieten erreicht. Ein Beispiel ist das Landschaftsschutzgebiet Donau-Auen, das heute auch Natura 2000-Gebiet ist.


Mussten Sie in der Vergangenheit auch Rückschläge hinnehmen?

Bis jetzt halten sich die Rückschläge in Grenzen. Allerdings konnten wir  manches überflüssige Bau- oder Gewerbegebiet nicht verhindern. In letzter Zeit machen uns der Wiesenumbruch und der Verlust kleinbäuerlicher Landwirtschaft zu Gunsten weiterer Intensivierungen große Sorgen.


Was steht als nächstes an?

Das Projekt im Donauried wird unsere Kreisgruppe weiter fordern: Der Grundstücksankauf und die Planungen für eine optimale Vernetzung der Flächen sind noch nicht abgeschlossen, die Maßnahmen zur Renaturierung haben erst begonnen. Jürgen Scupin, Rudolf Schubert und viele andere Ehrenamtliche sind hier unermüdlich im Einsatz. Außerdem möchten wir durch die Gründung einer Stiftung die Pflege der Grundstücke nachhaltig sichern.


Welche seltenen Tier- und Pflanzenarten kann man heute im Gebiet rund um die Mertinger Höll finden?

Schwerpunkte im ornithologischen Bereich sind Brachvogel, Braunkehlchen, Wachtelkönig,  Blaukehlchen, Kiebitz und viele Durchzügler wie Kampfläufer oder Rotschenkel, die das Donauried als Rastgebiet nutzen. Schmetterlinge wie der Ameisenwiesenbläuling oder Nachtfalter wie der Beerentraubenkopfkapselspanner sind Raritäten und stehen entweder unter europäischem Schutz oder in der Liste der bedrohten Arten. Wir tragen damit eine hohe Verantwortung: Viele Pflanzenarten kommen nur in großen Stromtälern wie dem Main- oder dem Donautal vor oder sind auf Moorstandorte angewiesen. Das gilt zum Beispiel für Graben-Veilchen, Hohes oder Niedriges Veilchen, Mariengras, Wollgras, verschiedene Orchideen, Lungenenzian oder die Sibrische Schwertlilie.


Für welche Projekte engagiert sich die BN-Kreisgruppe Donau-Ries außerdem?

Neben dem Artenschutz und der Pflege von Naturschutzflächen engagieren wir uns mit unseren zehn Ortsgruppen im Lechtalprojekt, im Streuwiesenprojekt im Donautal zwischen Höchstädt und Donauwörth und in der Heideallianz zum Schutz der Riesheiden am Kraterrand des Nördlinger Rieses. Daneben gibt es auch andere Themen: Stellungnahmen zu verschiedenen Baumaßnahmen im Landkreis, Erhalt extensiven Grünlands im Landkreis, energiepolitische Fragen und vieles mehr.


Was wünschen Sie sich und allen Mitstreitern für die Zukunft?

Wir wünschen uns weiterhin viel Erfolg, viel Energie und Gesundheit, diese Vorhaben zielgerichtet umzusetzen, und weiterhin die Unterstützung von Mitgliedern und Bevölkerung.