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Bei Riedteufel und Himmelsziege

Hier trifft man Brachvogel, Laubfrosch, Riedteufel und viele andere seltene Tier- und Pflanzenarten: Durch das bayernweit größte Flächenankaufsprojekt ist es dem Bund Naturschutz  und vielen Helfern gelungen, im Mertinger Ried einen einzigartigen Lebensraum zu bewahren.

Ein Schwarm von Kiebitzen rastet im Mertinger Ried. (Foto: Willner)

Landschaften wie das Mertinger Ried sind im 21. Jahrhundert selten geworden. Die meisten Niedermoor- und Anmoor-Flächen Europas wurden entwässert, um landwirtschaftliche Nutzfläche zu gewinnen, oder sie fielen Bauprojekten zum Opfer. Mittlerweile hat man aber die ökologische Bedeutung der wenigen noch verbliebenen Moore erkannt. Als die „Nieren der Landschaft“ speichern sie große Mengen Wasser und filtern es. Gleichzeitig sind Pflanzen und Boden hier in der Lage, Kohlenstoff zu binden. Damit leisten Moore – im Gegensatz zu intensiv bewirtschafteten Ackerflächen –  einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Durch den Einsatz vieler Helfer wurde im Projektgebiet Mertinger Ried / Lauterbacher Ruten die offene Riedlandschaft erhalten und optimiert. Heute sind die feuchten Flächen wieder Lebensraum für zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten wie Moorveilchen, Riedteufel, Ameisenbläuling oder Laubfrosch.

Eldorado für seltene Arten

Das Moorveilchen gedeiht europaweit nur noch an wenigen Standorten.
Das Moorveilchen gedeiht europaweit nur noch an wenigen Standorten.

Unzählige Vogelarten nutzen die weiten Wiesenflächen des Mertinger Rieds und der Lauterbacher Ruten als Brut-, Rast- oder Überwinterungsgebiet. Für seltene Wiesenbrüter wie Großen Brachvogel oder Kiebitz werden jedes Jahr neue Flachmulden oder Seigen angelegt. Altgrasstreifen in den Wiesen helfen den acht bis zehn Brutpaaren des Braunkehlchens, einer Art, die in Deutschland als gefährdet gilt. Andere Arten wie Regenpfeifer oder Kranich rasten im Mertinger Ried, während ihres Frühjahrs- und Herbstzuges. Als Durchzugsgäste beobachtet man außerdem Kiebitzschwärme, zahlreiche Watvogelarten oder einzelne Kranichtrupps. Die Kornweihe und die Sumpfohreule nutzen das Gebiet als Winterquartier.

An den Wasserstellen finden sich Laubfrösche und viele weitere Amphibien, Libellenarten und Insekten. Eine Besonderheiten sind Schmetterlinge, wie die Färberscharteneule, die auf der Roten Liste geführt wird, oder der Dunkle Wiesenkopf-Ameisenbläuling, der europaweit vom Aussterben bedroht ist, dessen Bestand im Ried aber noch als gut bewertet wird. Andere Tierarten hatten allerdings weniger Glück: Für Birkwild, Moorfrosch oder die Vierzähnige Windelschnecke kam die Hilfe zu spät, sie sind dort im Laufe des 20. Jahrhunderts ausgestorben.

Auf den Nass- und Streuwiesen findet man außerdem eine große Zahl seltener und gefährdeter Pflanzenarten: Im Jahr 2004 wurden bei einer botanischen Untersuchung des Mertinger Rieds  21 Arten der Roten Liste entdeckt, darunter zehn für große Talräume typische, heute selten gewordene Stromtalarten, die nur noch in den großen Flusstälern wie im Main- oder Donautal zu finden sind. Beispiele sind das das vom Aussterben bedrohte „Graben-Veilchen“ oder das stark bedrohte „Duftende Mariengras“.