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Das Köchelverhängnis – Tagebau im Murnauer Moos

Über 70 Jahre lang donnerten mitten im Murnauer Moos die Sprengungen: Das Hartsteinwerk Werdenfels förderte Glaukoquarzit, einen grünlichen, harten Sandstein, der vor allem als Schotter im Schienenbau verwendet wurde.

Restlochsee nach dem Abbau des Moosbergs

Er ist auch das Geheimnis der Köchel. Als „Härtlinge“ trotzten die bis zu 90 Meter hohen Bergrücken vielen Gletschervorstößen – gegen das Dynamit hatten sie keine Chance. Schon 1938 war der kleinere Moosberg geschleift, von ihm zeugt nur noch ein Restlochsee.

Ein weit größerer Steinbruch fraß sich seit 1930 in den Langen Köchel. Innerhalb von siebzig Jahren büßte der Berg etwa ein Drittel seiner Masse ein, insgesamt etwa 24 Millionen Tonnen. Das entspricht einem Würfel mit über 200 Meter Kantenlänge.
Die Belastungen durch den Bergbau waren massiv: Neben dem direkten Landschaftsverbrauch schädigten Schadstoffe, Staub und Lärm die empfindlichen Lebensgemeinschaften in der näheren Umgebung.

Weiter reichende, oft irreversible Folgen hatte die für den Tiefbau nötige Grundwasserabsenkung. Sie verändert Bodenchemie und Mikroklima, was für viele Moorspezialisten unter den Tieren und Pflanzen das Ende bedeutet.

Harter Sandstein aus dem Murnauer Moos

Um ein Haar wäre auch der Lange Köchel komplett abgebaut worden. Doch kurz bevor der Steinbruch von Süden her den Gipfel erreichte, konnten die Naturschützer Ingeborg Haeckel und Max Dingler 1939 die Behörden davon überzeugen, wie wichtig das intakte Panorama nicht zuletzt für den Fremdenverkehr ist.

Gegen den folgenden Regierungserlass protestierte das Hartsteinwerk; es folgte ein Jahrzehnte langes juristisches Tauziehen, vor allem um Abbaurechte am Bärnsteig, der nordwestlichen Flanke. Selbst nach Errichtung des Naturschutzgebietes im Jahr 1980 war dessen Status umstritten.

Erst 1984 wurde der Bärnsteig zusammen mit anderen Randbereichen des Murnauer Mooses endgültig sichergestellt. Auch dagegen klagte das Hartsteinwerk jahrelang – erfolglos. Ein weiterer Abbau an der Südflanke erwies sich als unrentabel: 2000 stellte das Werk die Arbeit ein. Seit 1994 gilt der Lange Köchel aufgrund seltener geologischer Aufschlüsse auch als schützenswertes Geotop.