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Akzeptanz und Widerstand gegenüber dem Nationalpark

In der Diskussion um den Nationalpark Bayerischer Wald, im Widerstand gegen ihn und vor allem um die Nationalparkerweiterung im Jahr 1997 treffen zwei völlig unterschiedliche Naturphilosophien aufeinander. Braucht der Wald den Menschen? Kann man ihn sich selbst überlassen? Ist es nicht „unser“ Wald, den wir gestalten müssen?

Quo vadis, Nationalpark? Um die entstehende Wildnis und die Ausrichtung des Parks gab es jahrzehntelang heftige Diskussionen (Foto: Rainer Simonis/Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald).
Quo vadis, Nationalpark? Um die entstehende Wildnis gab es jahrzehntelang heftige Diskussionen (Foto: Rainer Simonis/Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald).

Die einen verspüren den Auftrag, die Schöpfung zu bewahren, die anderen, sie nach menschlichen Maßstäben zu gestalten. Auf der einen Seite stehen diejenigen, die sich einen dynamischen, wilden Wald wünschen, auf der anderen Seite die Anhänger eines geordneten Försterwalds. Was für die einen Natur ist, die sich selbst überlassen wird, ist für die anderen ein "Saustall": Natur soll dem Schönheitsempfinden des Menschen entsprechen und aufgeräumt sein. 

Der langjährige Chronist der Nationalparksgeschichte, der Künstler Herbert Pöhnl, argumentiert so: "Der Nationalpark muss sich nicht rechtfertigen, nur weil er seine Aufgaben erfüllt und eine Wirklichkeit schafft, die anders ausgerichtet ist als die nutzungs- und schönheitsorientierte." Oder, wie der Journalist Hannes Burger schrieb: "Es gilt heute, die Natur zu verstehen und sie als Wert ohne materiellen Nutzen zu akzeptieren."

Angst vor Veränderung

Vor allem in der Gegend des Erweiterungsgebiets um den Falkenstein hatte sich großer Widerstand geregt. Die größten Diskussionen gab es daher rund um das Jahr 1997. Die Gegner störten sich vor allem an der „Tatenlosigkeit“ der Nationalparkverwaltung dem Borkenkäfer gegenüber und fürchteten das Absterben des gesamten Waldes. Zudem kritisierten sie das eingeschränkte Betretungsrecht der Bürger im Nationalpark und beschrieben Mitarbeiter des Parks als Kolonialbeamte. 

Die Naturschützer seien die "Totengräber des Bayerwalds" – oft der Ausdruck von Angst vor Veränderung. Denn die ungeheure Dynamik und die ungewohnten, teils erschreckenden Waldbilder, die sich im alten Nationalparkgebiet zeigten, lösten Ängste um die Zukunft der Heimat aus. 1995 gab es in Zwiesel eine große Demonstration gegen die Vergrößerung des Nationalparks, bei einem Bürgerentscheid in Frauenau im April 1996 lehnten 74 Prozent die Erweiterung ab. 

Prozessschutz als Generationenfrage

Angst herrschte zwischenzeitlich über einen "sterbenden Wald". Doch der erneuert sich ganz natürlich (Foto: Rainer Simonis/Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald).
Angst herrschte zwischenzeitlich über einen "sterbenden Wald". Doch der erneuert sich ganz natürlich (Foto: Rainer Simonis/Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald).

Wie eine Studie zeigte, handelt es sich aber auch um eine Generationenfrage: Die Jüngeren standen dem Nationalpark offen gegenüber. Der  Widerstand machte sich an einem seit Generationen gewohnten Waldbild fest, das ein statisches war. Ein Wald aber verändert sich kontinuierlich; die jüngere Generationen, die mit dem Nationalpark aufwuchsen und stärker vom Naturschutzgedanken geprägt waren, zeigten für den Prozessschutz im Park deutlich mehr Verständnis. 

In der Debatte pro und contra gründeten sich Vereine der Nationalpark-Gegner und der Nationalpark-Befürworter. Auch viele Politiker positionierten sich auf dieser oder jener Seite. Zu den Befürwortern zählten beispielsweise Alois Glück, Hans Eisenmann, Edmund Stoiber, Karl Bayer, zu den Gegnern Franz Handlos, Alois Kandlbinder und Michael Adam.

Giraffen und Elefanten

Der Widerstand ging gelegentlich auch seltsame bis kriminelle Wege. Immer mal wieder machten in der Vergangenheit Gerüchte die Runde. Unter anderem wird lange kolportiert, auf Berhard Grzimeks Geheiß, der zu den Unterstützern der Nationalparkidee gehörte, sei geplant, Giraffen und Elefanten anzusiedeln. Es gab illegale Baumpflanzaktionen in den Kernzonen des Parks. Und auch Wilderei und Jagdfrevel kommen vor. 

Weil der Raumanspruch beim Luchs bei bis zu 40.000 Hektar liegt, wandert er auch über die Nationalparkgrenzen hinaus. Diese Tiere stoßen vor allem auf Seiten der Jägerschaft nach Medienberichten auf eine eher gereizte Stimmung. Luchse werden als jagende Konkurrenz angesehen. In der Gegend von Lam waren von illegal gewilderten Luchsen im Jahr 2015 provokativ die abgeschnittenen Pfoten ausgelegt worden.

Akzeptanz ist gestiegen

Die Akzeptanz des Nationalparks ist in den vergangenen Jahren gestiegen, die Mehrheit der örtlichen Bevölkerung sieht den Nationalpark mit seiner dynamischen Waldentwicklung heute positiv. Ergebnisse eines sozioökonomischen Monitorings der Universität für Bodenkultur Wien zeigen, dass mehr als 80 Prozent der befragten Einheimischen der Aussage zustimmen, dass der Nationalpark Bayerischer Wald die Lebensqualität in der Region erhöht. Im Nationalpark-Altgebiet liegt die Zustimmung heute bei 88 Prozent, im Erweiterungsgebiet sind es immerhin 62 Prozent.