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Nutzung des Nationalparks: Ansprüche und Kompromisse

Umstritten waren und sind die Ziele eines Nationalparks zu jeder Zeit. Denn jeder hat mit der Natur anderes vor. Die Jäger wollen jagen, die Säger sägen, die Sportler sporteln, die Wanderer wandern. Naturschützer wollen die Natur möglichst unberührt lassen, müssen aber immer wieder Kompromisse eingehen. 

Über 300 Kilometer Wanderwege erschließen den Nationalpark (Foto: Alice Alteneder/Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald)
Über 300 Kilometer Wanderwege erschließen den Nationalpark (Foto: Alice Alteneder/Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald)

Der Holzeinschlag wird Schritt für Schritt zurückgefahren, in den Kernzonen, den Naturzonen findet er nicht statt, es gibt dort auch keine Borkenkäferbekämpfung mehr. Im 1997 neu hinzugekommenen Falkensteingebiet wird aus anfänglich 160 Hektar Naturzone nach und nach mehr Fläche, wo sich die neuen wilden Wälder frei von menschlicher Steuerung entwickeln können. Pro Jahr sollen ca. 310 Hektar hinzukommen, bis 2027 75 Prozent für den ganzen Park erreicht sind. Derzeit (2015) sind 16.100 Hektar (= 66,5 Prozent) des Nationalparks Naturzone. Dieses schrittweise Vorgehen ist ein solcher Kompromiss.

Wandern und Radfahren

Für die Wanderer gilt ein – bei Anrainern nicht unumstrittenes – Wegegebot zum Schutz besonders scheuer Tiere wie dem Auerhahn. In der Zeit vom 16. November bis 14. Juli dürfen alle markierten Wege begangen werden, von 15. Juli bis 15. November dürfen von wenigen Ausnahmen abgesehen auch sonstige Wege und Steige benutzt werden. Radfahren ist auf ausgewiesenen Radwegen erlaubt.

Jagd

Konflikte mit Jägern begleiteten den Nationalpark auch wegen eines ursprünglich viel zu hohen Rothirschbestands mit gleichzeitig fehlenden großen Beutegreifern wie Wolf und Bär und der daraus folgenden Verbiss-Problematik. Der berühmte Tierfilmer Horst Stern hatte in dem Zusammenhang vielen Deutschen ein wenig die Weihnachtsstimmung verpatzt, als die ARD an Heiligabend 1971 seine „Bemerkungen über den Rothirsch“ sendete. Dessen Fazit: „Man rettet den deutschen Wald ja nicht, indem man ,O Tannenbaum' singt." Durch eine Abschusserhöhung, Fütterungsende, Gatterbewirtschaftung und Liegenlassen des Totholzes nahmen Rotwildbestand, Wildverbiss und Schälschäden allmählich ab. 

Tourismus

Der Tourismus drohte vor allem in den 70er Jahren mit überbordenden, ästhetisch nicht eben ansprechenden Hotelbauten. Derlei Pläne wurden von der Regierung von Niederbayern aber begrenzt. Touristische Infrastrukturmaßnahmen sollten den Nationalpark nicht erdrücken.

Forschung

Der Wald ist auch ein Forschungsgebiet, ein „Riesen-Lernort“ wie Nationalparkchef Franz Leibl sagt: „Wir wissen wenig über das Wesen Wald, viel zu wenig. Beispielsweise über die Böden.“ Herkömmliche Wirtschaftswälder jedenfalls seien langweilig, weil manipulierte Natur.