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Zähes Ringen mit Rückschlägen und Erfolgen

An der Falkensteiner Wand am Königssee prangt ein eingemeißelter, riesiger „Assyrischer Löwe“, und am Watzmann kann man mit Hilfe der Bergbahn von einem „Watzmann-Kind“ zum nächsten fahren: So könnte es ohne das Engagement des BN und weiterer Naturschützer heute in den Berchtesgadener Alpen aussehen.

Falkensteiner Wand mit „Assyrischem Löwen“ (Foto: Ammon. Montage: Schlagintweit)

In Amerika, das im Taumel der Goldgräberstimmung lag, erkämpften einige mutige Männer 1872 den Yellowstone-Nationalpark – Vorbild für viele weitere Nationalparke weltweit. In den Alpen mehrten sich bald die mahnenden Stimmen und forderten, auch hier die Natur vor weiterem Raubbau zu schützen. Dem „Verein zum Schutze und zur Pflege der Alpenpflanzen“ gelang es 1910 mit Unterstützung des Forstamtes Berchtesgaden, 8.300 Hektar rund um den Königssee zum „Pflanzenschonbezirk“ zu erklären. Damit sollte vor allem der Handel mit Alpenpflanzen eingedämmt werden. 1916, während des Ersten Weltkriegs, drohte ein neuer Anschlag auf den Königssee. Norddeutsche Investoren planten, als eine Art Kriegsverherrlichung, in die Falkensteiner Wand am Königssee einen „Assyrischen Löwen“ meißeln zu lassen. Carl Freiherr von Tubeuf, erster Vorsitzender des 1913 gegründeten BUND Naturschutz, wetterte in Denkschriften gegen den Löwen und setzte sich mit Erfolg für ein Naturschutzgebiet ein. Letzteres erweiterte den Schonbezirk 1921 auf 20.400 Hektar. 

Trotz Naturschutzgebiet Bergbahn-Ambitionen

Das Schutzgebiet schreckte Bergbahn-Investoren allerdings nicht vom Griff nach dem Watzmann ab. Federn lassen musste das Gebiet 1952, als der Bayerische Landtag nach einer hitzigen Debatte dem Antrag auf eine Seilbahn an der Jenner-Nordseite stattgab. Die Jenner-Südseite blieb im Schutzgebiet. Gegen Bestrebungen, hier 1975/76 in Richtung Schneibstein einen Skizirkus zu errichten, machten sich die BN-Mitglieder Gerhard Huck und Peter Wörnle stark. Wörnle gehörte damals zum Team des im BN stark engagierten Planungsbeauftragten für den Nationalpark, Dr. Georg Meister. Bereits 1968 wurde in Berchtesgaden die „Watzmannbahn GmbH“ gegründet. Ihr gehörten der regionale Fremdenverkehrsverband, die Gemeinden Berchtesgaden und Ramsau sowie Privatpersonen an. Mit der Streitschrift „Der Kampf um den Watzmann“ warnten der Deutsche Naturschutzring (DNR), der Deutsche Alpenverein (DAV) und dessen Münchner Sektion, der das Watzmannhaus gehört, vor unwiederbringlicher Zerstörung des Landschaftsbildes. 

Geburtsstunde des Nationalparks

Schon 1953 hatte der erste Präsident des Deutschen Naturschutzrings, Dr. Hans Krieg, einen Alpennationalpark um den Königssee gefordert. Einen zweiten Vorstoß wagte der BN-Vorsitzende Hubert Weinzierl mit DNR-Präsident Dr. Wolfgang Engelhardt, Alfred Toepfer vom Verein Naturparke und Graf Lennart Bernadotte vom Deutschen Rat für Landespflege. Im Europäischen Naturschutzjahr 1970 stießen sie beim Bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel und bei Bayerns erstem Umweltminister Max Streibl auf Zustimmung. Nach einem Landtagsbeschluss von 1972 trat am 1. August 1978 die Verordnung für den Nationalpark Berchtesgaden in Kraft. Der BN-Aktive Dr. Georg Meister durfte wegen seiner zu wenig regierungskonformen Haltung „sein Kind“, den Nationalpark, nicht leiten und wurde Chef des Forstamts Bad Reichenhall. Erster Nationalpark-Direktor wurde Dr. Hubert Zierl, dem 2001 Dr. Michael Vogel folgte. Den Bergbahn-Plänen war mit der Nationalpark-Gründung endgültig ein Riegel vorgeschoben.

Gründung der BN-Kreisgruppe

Seit 1971 bestand die BN-Kreisgruppe Laufen um Karl Robel und Richard Godl, aus der sich nach der Gebietsreform 1974 die Kreisgruppe Berchtesgadener Land gründete, mit Gerhard Huck als erstem Vorsitzenden. Wegen Unstimmigkeiten mit dem Landesverband legte Huck sein Amt noch im selben Jahr nieder. Neuer Vorsitzender wurde Wolfgang Illner; von da an gab es häufige Wechsel. Huck und Illner erkämpften, dass die Jenner-Südseite im Schutzgebiet bleibt. Huck dokumentierte 400 wild entsorgte Autowracks. Aus der Biwakschachtel in der Watzmann-Ostwand wurden unter seiner Leitung fünf Säcke mit Müll geholt und vom Seeleinsee 500 Flaschen und Büchsen zwischen den Edelweiß. Später, 2001 bis 2002, setzte Huck durch, dass eine im Oktober 2000 errichtete Wetterstation von der Prachtwiese auf St. Bartholomä verlegt werden musste. Richard Schirmer, 1978 bis 1986 BN-Kreisvorsitzender, kämpfte gegen die Ablagerung von Klärschlamm der Gaststätte St. Barthomomä im Schuttfächer des in den Königssee mündenden Eisbachs. Ende der 80er-Jahre wurde schließlich auf Staatskosten eine Abwasserleitung durch den See gebaut und ans Kanalnetz angeschlossen. Dem nächsten BN-Kreisvorsitzenden Erich Prechtl lagen die Themen „Gesunder Bergmischwald“, „Wiedereinbürgerung des Luchses“ und Ausbau der Umweltbildung im Nationalpark ergänzend zur Forschung am Herzen. So machte er sich für ein Bildungszentrum am Klausbachhaus stark. Er bedauerte, dass ein Luchs-Projekt keine Chance hatte, weil Umweltminister Peter Gauweiler es vorzeitig bekannt gegeben und Bauern und Jäger dagegen aufgebracht habe. 

Haus der Berge und neue Begehrlichkeiten

Im Mai 2013 öffnete schließlich in Berchtesgaden unter Federführung von BN-Mitglied Ulli Brendel von der Nationalparkverwaltung und mit jahrelanger Unterstützung der BN-Kreisgruppe unter Vorsitz von Rita Poser (ab 2007) das Nationalpark-Umweltbildungszentrum „Haus der Berge“. Unter Poser engagierte sich die Orts- und Kreisgruppe 2011 beim Bau der Wasser-, Abwasser- und Stromleitung zur Blaueishütte gegen die Verlängerung des Fahrwegs zur Hütte, die schon 1985 bei der Hauptversammlung des Deutschen Alpenvereins in Memmingen abgewehrt wurde. So konnten die artenreichen Lebensräume unterhalb des Blaueisgletschers vor der Erschließung und Zerschneidung gerettet werden. Aktuell geht Poser mit den BN-Mitgliedern gegen den geplanten Neubau eines fünf Meter über die Felswand ragenden Salettls am Watzmannhaus vor. Und was muss weiter getan werden? Dazu erklärt Rita Poser: „Die denkmalpflegerisch wertvollen Objekte wie die historischen Almkaser mit Schindeldächern, die Felsritzzeichen oder das landschaftsprägende Gebäudeensemble von St. Bartholomä sind möglichst ursprünglich zu erhalten. Genauso wie die Almwirtschaft und die Artenvielfalt der Almwiesen, für die eine Behirtung wünschenswert und als gesellschaftlicher Auftrag finanziell zu unterstützen ist. Die Rückkehr von Wolf, Luchs und Bär - auch für die Wildbestandsregulierung – wäre eine ganz besondere Auszeichnung.“