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Natur zwischen den Tiefen des Königssees und luftigen Höhen

Markante Berge wie der zackige, legendäre Watzmann, steile Felsabbrüche, wilde Wälder wie rund um den Obersee, klare Gebirgsseen, traditionelle Almen und ein beeindruckender Reichtum an Pflanzen- und Tierarten kennzeichnen den Nationalpark Berchtesgadener Land. Mit einer Größe von 20.800 Hektar bildet er den südöstlichsten Zipfel Deutschlands.  

Steinböcke vor dem Watzmann (Foto: Nationalparkverwaltung Berchtesgaden)

Erdgeschichtlich ist die an Österreichs Bundesland Salzburg angrenzende Landschaft bereits über 200 Millionen Jahre alt. Damals bedeckte das Ur-Mittelmeer Thetis das Land, und es herrschte ein tropisches Klima. Gegen Ende der Trias vor etwa 180 Millionen Jahren hatte sich das Meer weitgehend zurückgezogen. Als Erinnerung hinterließ es uns unzählige Fossilien von Korallen, Muscheln oder Schnecken. Gegen Ende des Erdmittelalters vor etwa 70 Millionen Jahren wölbten sich dann die Ablagerungsschichten auf und es entstanden die heutigen Berge. Die Verwitterung brachte im Kalkgestein verschiedene Karstformen wie zum Beispiel Rinnen („Karren“) hervor, die heute unter anderem im Steinernen Meer zu sehen sind. Auch Bombentrichtern ähnliche Dolinen und Höhlensysteme mit unterirdischen Flussläufen entstanden. 

Blaueis und Wimbachgries als Relikte der Eiszeit

Über knapp eine Million Jahre formten verschiedene Eiszeiten die heutige Berchtesgadener Bergwelt. Von den vor etwa 12.000 Jahren abgeschmolzenen Gletschern blieben mit dem Blaueisgletscher am Hochkalter und dem Mini-Gletscher im Watzmannkar nur kärgliche Reste. Die Verwitterung nach der Eiszeit bewirkte, dass etwa 20 Prozent der Fläche des Nationalparks mit Schutt und Geröll bedeckt sind, wie der schon lange dem BN verbundene Nationalparkplaner Dr. Georg Meister in seinem Grundlagenwerk von 1976 „Nationalpark Berchtesgaden – Begegnung mit dem Naturparadies am Königssee“ erklärt. Es bringt diesen Naturraum dem interessierten Besucher mit viel Sachkenntnis und Detailwissen näher und dient auch als Grundlage für diese Beschreibung. Einmalig in den bayerischen Alpen ist der riesige Schuttstrom des „Wimbachgries“ mit bis zu 320 Metern Mächtigkeit, der die Niederschläge quasi verschluckt. Erst an der Staumauer beim dortigen Wasserschutzgebiet tritt dann der Grundwasserstrom zutage. Bei Starkregen kann man erleben, dass das „Gries“ auf unheimliche Weise zu wandern beginnt. In der Wimbachklamm am nördlichen Eingang zum Gries kann man auf nur 200 Metern Gehstrecke viele Millionen Jahre an Erdgeschichte durchwandern. 

Facettenreiche Lebensgemeinschaften

In allen Höhenlagen haben sich eigene Tier- und Pflanzengesellschaften gebildet, angefangen von den Tiefen der Seen. Mit dem Obersee gilt der Königssee als kältester See Bayerns und fasst mit einer Fläche von etwa 5,3 Quadratkilometern und einer mittleren Tiefe von etwa 95 Metern rund 500 Millionen Kubikmeter. Dort gedeihen unter anderem Grün-, Joch- und Blaualgen, Seesaibling, Barsch, Elritze und Hecht sowie diverse Muscheln und Schnecken. Die Bergmischwälder zeichnet eine dichte Strauchschicht in einmaliger Vielfalt und eine Krautschicht mit Christrose, Türkenbund, Frauenschuh und vielen anderen Blütenpflanzen aus. Zur Fauna zählen seltene Arten wie Auer- und Haselhuhn, Berglaubsäger, Eisvogel, Feuersalamander oder Kreuzotter. Besonderheiten dieser Gegend sind der Grüne Regenwurm und der nur hier vorkommende Alpen-Apollo-Falter. Groß ist die Vielfalt auch in den Nadelwäldern, wo sich der schwarze Alpensalamander, im Volksmund „Bergmandl“, besonders bei Regen wohlfühlt, sowie in den Strauchwäldern mit ihren Latschen, Bergkiefern, Alpenrosen, Zwergsträuchern und Flechten. In den Schneetälchen wachsen echte Experten wie die Soldanelle. Die Matten der „natürlichen Rasen“ in den Höhenzonen sind im Sommer ein buntes Blumenmeer. Leben regt sich sogar im Gletscher, wo sich eine rote Alge angesiedelt hat. Insgesamt gibt es im Nationalpark rund 700 Farn- und Blütenpflanzenarten, 500 Moosarten, 400 Flechtenarten, 80 Brutvogelarten, mindestens 35 Säugetierarten und  an die 2000 Pilzarten. 

Der Watzmann und die Reviere von Steinbock, Gams und Steinadler

Die Watzmann-Ostwand und die Eiskapelle werden vom Bayerischen Landesamt für Umwelt zu den 100 schönsten Geotopen Bayerns gezählt. Am Watzmann-Massiv, wo der Ramsauer Bergführer Johann Grill, der „Kederbacher“, als Erster 1868 den Watzmanngrat und 1881 die Watzmann-Ostwand durchstieg, ist das Revier von Reh-, Rot- und Gamswild, Schneehase, Alpenschneehuhn, Auer- und Birkhuhn und Steinadler. Den 1936 durch Hermann Göring – freilich aus egoistischen Jagdinteressen – angesiedelten Steinbock mit heute etwa 80 Exemplaren trifft man vor allem am Schneibstein und im Hagengebirge an. 1994 bis Ende 2000 setzte sich im Nationalpark-Gebiet ein Steinadler-Projekt unter Leitung von Ulli Brendel für den Schutz der Greifvögel ein. Derzeit geht man von etwa 15 Brutpaaren aus. Mittels einer in der Nähe eines Horstes angebrachten Kamera kann man in der Info-Stelle Klausbachhaus seit kurzem auch Adler beim Brüten beobachten. Das neue Projekt „Luftige Begegnungen“, das mit dem Deutschen Hängegleiterverband für ein entspanntes Miteinander in der Luft sorgt, wurde 2013 von der UN-Dekade „Biologische Vielfalt“ ausgezeichnet. 

Nationalpark soll sich in Region verankern

Als wichtige Zukunftsaufgabe sieht Nationalparkleiter Dr. Michael Vogel die Öffnung eines Nationalparks für die Region, die 2003 beim Welt-Kongress der Nationalparke in Durban die frühere Sicht der Parke als Inseln ablöste. Ein Ziel ist auch, den Wildnis-Anteil, das heißt die Kernzone, in Berchtesgaden von derzeit 66 auf 75 Prozent zu erhöhen. Ständiger Dialog und gemeinsame Landschaftsplanung mit den fünf Gemeinden im Nationalpark und seinem Vorfeld, das Umweltbildungszentrum „Haus der Berge“, geführte Wanderungen und Projekte wie eine neue Hängebrücke über den Klausbach mit seinen wunderbaren schuppenähnlichen Gesteinsformationen im Bachbett bringen Mensch, Region und Nationalpark zusammen.