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Gefahr erkannt – Gefahr gebannt

Jahrhundertelang  lieferte der Reichswald Holz für die wachsende Metropole Nürnberg und musste Jahr für Jahr Flächen für neue Bauvorhaben opfern. Heute ist der Kahlschlag zwar noch nicht vollständig gestoppt, doch große Teile des Reichswalds sind aufgrund der Initiative des Bund Naturschutz als Bannwald geschützt. 

Einmal im Jahr treffen sich die Waldschützer zum Feiern und zum Erfahrungsaustausch auf dem Schmausenbuck - seit 1972.

Ohne den Reichswald wäre Nürnberg im Mittelalter der Aufstieg zu einer florierenden Metropole nicht gelungen. Das Waldgebiet diente als riesiges Rohstoffreservoir, mit seinem Holz wurden Häuser gebaut und Herdstellen befeuert, das Vieh weidete zwischen den Bäumen, Nadeln und Laub dienten als Einstreu für die Ställe. Doch unerschöpflich war die Rohstoffquelle eben nicht. Bereits im 14. Jahrhundert zeigte der Wald deutliche Spuren von Übernutzung. Weite Flächen waren gerodet, die Böden ausgelaugt, der Mischwald aus Buchen, Eichen, Birken und Kiefern hatte keine Chance auf natürliche Verjüngung. 

Die Erfindung der Forstwirtschaft

Der Nürnberger Patrizier und Montanunternehmer Peter Stromer rettete den Reichswald – wenn auch aus purem Eigennutz. Er brauchte Holz für sein Gewerbe und wollte nicht tatenlos zusehen, wie sein Lieferant immer weiter schrumpfte. Nach zahlreichen Versuchen zur Saatgutgewinnung und Aufforstung ließ er ab 1368 Kiefern aussähen. Damit erfand Stromer die moderne Forstwirtschaft und legte gleichzeitig den Grundstein für die Monokulturen, die bis heute das Bild des Reichswalds prägen. An vielen Ecken und Enden konnte sich der Reichswald zunächst erholen, aber im 19. Jahrhundert setzten der Monokultur vermehrt Schädlinge zu. 1894 fiel rund ein Drittel aller Bäume den Raupen des Kiefernspanners zum Opfer. Gleichzeitig mussten im 19. und 20. Jahrhundert weite Waldflächen dem wachsenden Ballungsraum weichen. Zu Beginn der 70er-Jahre wurden jährlich etwa 300 Hektar — das entspricht 420 Fußballfeldern — für Straßen, Gewerbegebiete und Wohnhäuser gerodet.

Rettung mit Programm

Der Reichswald 1830, 1955 und 2000: Die großflächigen Waldverluste fanden im 19. und 20. Jahrhundert statt. Heute dominieren Zerschneidung und eine Unzahl kleinräumiger Eingriffe. (Animiertes GIF)

In dieser Zeit wuchs aber auch der Widerstand: Viele Nürnberger und vor allem die Waldschützer vom Bund Naturschutz wollten ihren Reichswald nicht aufgeben: Einer von ihnen war der frisch examinierte Forstwirt Hubert Weiger. Kaum dem Zivildienst beim Bund Naturschutz entwachsen, setzte er sich für das Reichswald-Programm ein. Kernforderungen des 1972 vom Bund Naturschutz veröffentlichten Waldrettungsplans waren strengster Schutz und ein naturnahe Waldwirtschaft. Im Jahr darauf lud der Bund Naturschutz mit anderen Initiativen zum ersten Reichswaldfest am Schmausenbuck. Mit der Feier wollte man damals wie heute auf das Schicksal des Reichswalds aufmerksam machen, gegen Abholzungen protestieren und Naturschutz-Erfolge feiern.

Trotzdem dauerte es noch bis Ende der 70er-Jahre, bis das erste große Ziel erreicht war: 1979 wurde der Reichswald als erster Bannwald Bayerns ausgewiesen. So martialisch Bannwald klingt, so begrenzt ist übrigens der Schutzstatus. Im Vordergrund stehen nicht Arten- und Biotopschutz sondern die ökologische Ausgleichsfunktion im Ballungsraum. Wer Bannwald rodet, muss  flächengleich an anderer Stelle aufforsten. Dennoch ging seither der Aderlass im Reichswald zurück und Tausende von Hektar konnten gerettet werden. Darüber hinaus hatte das Werben für eine naturnahe Waldwirtschaft Erfolg. Die Forstverwaltungen schafften im Reichswald den Kahlschlag ab, säten Laubhölzer und begannen so den Umbau in einen standortgerechten und ökologisch stabileren Mischwald.

Neue Bedrohungen

Auch heute noch muss der Reichswald Jahr für Jahr gegen zahleiche Bauvorhaben verteidigt werden. Verhindert werden konnte beispielsweise ein Autobahnkreuz am Tiergarten, ebenso wie das Großkraftwerk Franken III bei Erlangen oder die Ostspange zum Flughafen Nürnberg. Doch der Naturschutz musste auch so manche Niederlage verbuchen: Zwischen 2005 und 2011 wurden zahlreiche Bauprojekte durchgesetzt und rund 22 Hektar Bannwald gerodet  –  viele weitere Vorhaben sind in Planung. Für die Waldschützer heißt es daher wachsam bleiben: Wo droht das nächste Bauprojekt? Lässt es sich abwenden oder lassen sich die Folgen mildern? Ein Großteil der Bevölkerung steht dabei auf Seiten des Naturschutzes. Das belegen Umfragen in Lokalzeitungen und die häufigen Unterschriftenaktionen.

Gegen die von der Staatsregierung  geplante und von Finanzminister Markus Söder massiv geforderte Nordspange der Autobahn A 3 zum Nürnberger Flughafen, die rund 40 Hektar Wald verschlingen würde, unterschrieben in kurzer Zeit 14.000 Bürger. Auch hier muss sich der Bund Naturschutz mit seinen Aktiven in den Orts- und Kreisgruppen wieder mit viel Engagement schützend vor den Nürnberger Reichwald stellen.