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Rhön: Kulturlandschaft durch Weidenutzung

Grüne Hügel soweit das Auge reicht: Über 1500 Quadratkilometer und drei Bundesländer erstreckt sich die Rhön, die man wegen der weiten Ausblicke auch als „Land der offenen Fernen“ rühmt. Heute hilft das gerettete Rhönschaf, die Landschaft so zu erhalten, wie sie ist.

Am Schnittpunkt zwischen Bayern, Hessen und Thüringen erstreckt sich die Kulturlandschaft der Rhön. Markante Punkte des Mittelgebirges sind die in Hessen liegende Wasserkuppe, mit 950 Metern die höchste Erhebung, und auf der unterfränkischen Seite der Kreuzberg, der den Beinamen „Heiliger Berg der Franken“ trägt. Im Herzen der Rhön liegen das Naturschutzgebiet Lange Rhön und das bundesländerübergreifende UNESCO-Biosphärenreservat Rhön. Wie Aufzeichnungen des Klosters Fulda belegen, waren auch die Hochlagen der Rhön bis ins Frühmittelalter bewaldet. Durch Besiedlung und Rodungen entstand ab 800 n. Chr. nach und nach das heutige Landschaftsbild mit weiten, offenen Wiesen- und Weideflächen in den Hochlagen, Feldern und weniger als 30 Prozent Waldanteil.

Schafhaltung als Teil der Selbstversorgung

Der Boden auf Buntsandstein, Muschelkalk, Keuper und Vulkaniten ist nicht besonders ertragreich und auch das raue Klima mit langen Wintern und kurzen Sommern trug dazu bei, dass die landwirtschaftlichen Betriebe klein und die Bauern in der Rhön überwiegend arm blieben. Deshalb spielte die Viehwirtschaft von Anfang an eine größere Rolle als der Getreideanbau. In seinem „Wanderbüchlein durch die Rhön“ von 1854 schätzte Autor Balthasar Spiess, es gebe dort rund 200.000 Rinder, 500.000 Schafe und 150.000 Schweine. Besonders die Schafhaltung war in Zeiten der auf Selbstversorgung ausgerichteten bäuerlichen Betriebe wichtig. Die Tiere lieferten Fleisch und Wolle und verhinderten das Verbuschen der Weideflächen. Seit wann das Rhönschaf gehalten wird, ist nicht genau bekannt, überliefert ist aber, dass es schon im 16. Jahrhundert vorkam. In einer landwirtschaftlichen Statistik aus dem Jahr 1844 wird das Rhönschaf genau beschrieben: „Es ist gelbweiß mit einem schwarzen Kopf ohne Hörner, trägt eine grobe, wenig gekräuselte, wenig elastische Wolle, ist von großem Körperbau, starkknochig und von großer Mastfähigkeit.“

Rettung in letzter Minute

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ging die Schafhaltung in Deutschland mehr und mehr zurück. Gründe hierfür waren unter anderem die Intensivierung der Landwirtschaft und die Verwendung von Kunstdünger, die Ausweitung der Rinderhaltung, Wollimporte aus Übersee und die Erfindung der Kunstfaser. In den 1960er-Jahren wurden deshalb in der Rhön die letzten Gemeindeschäfereien aufgegeben, bis in die 1970er-Jahre war der Bestand an Rhönschafen in Deutschland auf wenige hundert Exemplare geschrumpft. Das endgültige Aussterben wurde lediglich durch einige Landwirte verhindert, die Restbestände hielten. Keiner davon war jedoch in der Rhön ansässig, der eigentlichen Heimat dieser Rasse. 1975 wurde das Rhönschaf in Bayern zur „gefährdeten Haustierrasse“ erklärt. 1991 erhielt es von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen den Titel „Gefährdete Nutztierrasse des Jahres“. Ab 1985 trug das Rhönschafprojekt von BUND Naturschutz in Bayern (BN) und Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erste Früchte. Es hat bis heute dazu beigetragen, das Rhönschaf zu retten und in seiner angestammten Heimat wieder auszubreiten.

Das Rhönschaf wiederentdeckt

Heute tummeln sich wieder einige Tausend Exemplare des schwarz-weißen Vierbeiners in der Rhön. Doch was ist nun das Besondere an diesen Tieren? Landwirtschaftsmeister Josef Kolb, der die Herde auf den vom BUND gekauften Gassenwiesen betreut, beschreibt die Rhönschafe als genügsam, robust und widerstandfähig, aber auch als eigenwillig. Sie sind unkompliziert beim Lammen und gute Futterverwerter. Das heißt, sie kommen ohne Zukauffutter mit dem aus, was in der Rhön wächst. Dank ihrer harten Klauen können sie auch gut auf steinigem Untergrund laufen und sind insgesamt sehr gut an das raue Klima angepasst. Im Gegensatz zu anderen Schafrassen, die durch zielgerichtete Züchtung größere Fleischmengen erbringen, ist das Rhönschaf mehr für „Klasse statt Masse“ bekannt. Feinschmecker schätzen den leicht wildbretartigen Geschmack der Lämmer, die bei der Schlachtung rund sechs bis acht Monate alt sind. Dank umfangreicher Marketingaktivitäten und einem gestiegenen Qualitätsbewusstsein vieler Konsumenten werden Fleisch und andere Rhönschafprodukte heute wieder recht erfolgreich verkauft.

Landschaftspfleger auf vier Beinen

Ebenso wie zahlreiche andere Kulturlandschaften sind auch die offenen Hochlagen der Rhön durch jahrhundertelange Beweidung mit Schafen erhalten worden. Heute leistet die Schafbeweidung wieder einen wichtigen Beitrag zur Sicherung von Lebensräumen, die auf naturschonende Bewirtschaftung angewiesen sind. Deshalb setzen sich BN und BUND seit langem für die Schafe als vierbeinige Landschaftspfleger ein. Die fachgerechte Beweidung und Mahd der Gassenwiesen sichert vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten optimale Bedingungen. So gedeihen hier fast 400 verschiedene und zum Teil seltene Blütenpflanzen wie Silberdistel, Trollblume, Dotterblume, Schlangenknöterich, Blauer Eisenhut oder Akelei. Zudem beobachtet man in der Rhön Vogelarten wie Schwarzstorch, Rotmilan, Habicht, Birkhuhn, Bekassine, Wachtelkönig oder Neuntöter.