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Arche Noah im Regental

Von oben sieht die Regentalaue wie ein blaugrüner Flickenteppich aus. Die Schlossherren von Thierlstein legten hier im 16. Jahrhundert die  Rötelseeweiher sowie den Letten- und Angerweiherkomplex an. Damals diente das Teichgebiet mit rund 90 Hektar Wasser- und Verlandungsfläche der Fischzucht, heute ist es eine der letzten naturnahen Flussauen.

Die Bekassine, Vogel des Jahres 2013, ist in Deutschland vom Aussterben bedroht. In der Regentalaue hat sie ein Rückzugsgebiet gefunden. (Foto: Peter Zach)

Die abwechslungsreiche Landschaft mit extensiv genutzten Teichen, Feuchtwiesen, Flachmooren und Verlandungszonen gilt als eines der artenreichsten Biotope Bayerns. Auf einer Fläche von fast 15 Quadratkilometern zählt man über 1.000 Tierarten. Rund 280 davon werden in Bayern auf der Roten Liste geführt und viele haben hier ihr letztes Rückzugsgebiet.

So entdeckt man seltene Heuschrecken- und Libellenarten oder Schmetterlinge; und auch Laub- und  Moorfrosch, die  nach der europaweiten FFH-Richtlinie streng geschützt sind, kommen vor. Botaniker haben das Rötelseeweihergebiet darüber hinaus als Standort für hoch spezialisierte Pflanzenarten wie das Braune Zyperngras, die Zypergras-Segge, die Wurzelnde Simse, den Gemeinen Wasserschlauch oder den Schlammling identifiziert. Von den rund 600 dokumentierten Arten sind 85 selten oder stark gefährdet.

Einzigartige Vogelwelt

Die Vogelwelt der Regentalaue ist über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Seit 1970 wurden 283 verschiedene Arten nachgewiesen, das sind rund 70 Prozent aller Arten, die in Bayern vorkommen.

Einige davon lassen das Herz von Ornithologen höher schlagen: Jährlich brüten hier 50 bis 60 Paare des Schwarzhalstauchers und fünf bis zehn Schwarzkopfmöwenpaare und damit ein Viertel des gesamten bayerischen Bestands;  außerdem zählt man fünf von bayernweit 40 Paaren der Uferschnepfe. Und auch für Knäkente, Zwergrohrdommel, Tüpfelsumpfhuhn, Großen Brachvogel, Rotschenkel oder Schilfrohrsänger zählt das Regental zu den wichtigsten Brutplätzen in Bayern.

Insgesamt brüten hier 125 Arten, darunter der stark gefährdete Wachtelkönig, die Bekassine (Vogel des Jahres 2013) oder das Blaukehlchen. Darüber hinaus spielt die Regentalaue eine wichtige Rolle als Rastplatz für rund eine Million Zugvögel pro Jahr. Im Frühjahr und Herbst nutzen bis zu 120.000 Stare und 20.000 Rauchschwalben die Gegend als Übernachtungsplatz. Zur gleichen Zeit suchen oft hunderte von nordischen Watvögeln auf den Schlammflächen der Weiher nach Nahrung.

Und auch Silberreiher, Schwarzstorch, Fischadler und Goldregenpfeifer machen Station. Zusätzlich halten sich im Winter bis zu 150 Blässgänse und bis zu 200 Schellenten im Gebiet auf. Damit sind die Regentalaue und die Rötelseeweiher ein Eldorado für seltene Vögel: Insgesamt nutzen rund 75 Prozent der bayerischen Rote-Liste-Arten die Gegend als Brut-, Durchzugs- oder Überwinterungsgebiet.