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Robin Hood für die Natur

"Der fanatische Blick eines intellektuellen Rebellen, der seine Härte auch beim Versuch Höflichkeit zu wahren, nicht verliert, bohrt sich in den Mann auf der anderen Seite des Tisches. Projektgegner Dr. Klaus Arbter, Biologe am Stiftland-Gymnasium Tirschenreuth, ein Typ von jungenhafter, oberpfälzisch-slawischer Mischung, bellt den Oberbaudirektor Ludwig Schmid, Wasserbauingenieur bei der Bezirksregierung Regensburg, scharf an..."

Dr. Klaus Arbter (rechts vorne) bei einer Exkursion in die Waldnaab-Aue.

So beschreibt die Nürnberger Zeitung in ihrer Wochenendeausgabe vom 27. und 28. April 1974 den Mann, dem es vor 30 Jahren gelang, einen von der Bayerischen Staatsregierung geplanten Niedrigwasserspeicher bei Gumpen zu verhindern. Dank Dr. Klaus Arbter gibt es heute das idyllische oberpfälzische Dorf Gumpen noch. Und was nur wenigen bewusst ist: Dank Dr. Klaus Arbter konnte dort 20 Jahre später eine rund 100 Quadratkilometer große, von jeglicher Verkehrserschließung freie, wunderschöne Naturlandschaft zwischen Falkenberg, Wiesau, Mitterteich und Tirschenreuth gerettet werden, die zu den artenreichsten Gebieten Deutschlands zählt.

Mit Leidenschaft und Medienrummel

"Nein zum Gumpen-Stausee": Dieser Satz - einige Dutzend Mal als Überschrift in Bayerischen Tageszeitungen gewählt -  wurde vor 30 Jahren zum engagierten Ziel von Dr. Klaus Arbter. Schon damals war der heute über 70-Jährige einer, der kein Blatt vor den Mund nahm. Was er selbst nicht ahnen konnte: Die Pläne der Bayerischen Staatsregierung zum Bau des Gumpener Stausees und der damit verbundene Widerstand lösten einen Medienrummel aus, der über Jahre hinweg für Zünd- und Gesprächsstoff sorgte. Vor allen Dingen für die örtliche Presse war der Streit dieser Aktivisten mit den Regierungsbeamten ein gefundenes Fressen. Die Journalisten stürzten sich mit beinahe an Begeisterung grenzenden „Fleiß“ auf diese Naturschützer, die sich im "Oberpfalzverein" formiert hatten.

Nach einem intensiven (zuerst leider erfolglos geführtem) internen Schriftverkehr mit Behörden, Ministerien, Instituten, Politikern, Förderern, Befürwortern und Gegnern sahen die Natur- und Heimatschützer hier eine Chance und richteten ihr Augenmerk auf mehr Öffentlichkeitsarbeit. Damit wendete sich das Blatt: Dr. Klaus Arbters fundierte Argumente gegen den Stauseebau erreichten immer mehr Naturliebhaber, die ihm den Rücken stärkten, darunter Karl Berr sowie Edwin Langheinrich, Arbters Lehrerkollege am Stiftland-Gymnasium Tirschenreuth. Das öffentliche Interesse an diesem Thema wurde immer größer - bis am Ende ein Bus mit Journalisten aus ganz Bayern durchs Gumpener Tal gekarrt wurde, wo der "Robin Hood" für die damals noch schutzlos dem Menschen ausgelieferte Natur bei einer Exkursion leidenschaftlich den Beweis lieferte, dass er nichts unversucht lassen wird, um diese herrliche Landschaft zu retten.

34 Jahre Vorsitzender

Sechs Jahre  seiner Freizeit opferte  Klaus Arbter diesem Kampf, der am Ende mit Hilfe von 24 Landwirten - die ihre Forderungen für den Erhalt von Gumpen bis vor die Richter trugen - gewonnen wurde. Für Dr. Klaus Arbter waren es anstrengende, aber auch reiche sechs Jahre, gewidmet der Schöpfung Gottes, durchdrungen vom Kampfgeist, von Freundschaft, von Gegnerschaft und von einer erfolgreichen Zukunft für den damals noch jungen Umweltschutz: Der Kampf um den Stausee befand sich in seiner heißesten Phase, als der Bund Naturschutz – damals unter Leitung von Hubert Weinzierl und vor Ort vertreten vom heutigen Landesvorsitzenden Hubert Weiger - in Tirschenreuth eine Kreisgruppe gründete.

Dr. Klaus Arbter wurde Vorsitzender der Kreisgruppe. Und er blieb 34 Jahre lang dem  Bund Naturschutz ein ebenso engagierter wie fachkompetenter und treuer Kreisgruppen-Vorsitzender, bis er im Jahr 2007 sein Amt an Josef Siller abgab. Doch der jetzt pensionierte „Rebell“ wird niemals  leise. Sein Rat und seine fachliche Hilfe sind nach wir vor in Naturschützerkreisen sehr gefragt, geht es wieder einmal darum, ein Stück Natur vor der Zerstörung zu retten.

Steckbrief

  • Dr. Klaus Arbter wurde 1937 in Römerstadt in Nordmähren (Sudetenland) geboren.
  • 1946 wurde seine Familie aus der Heimat vertrieben und baute sich im unterfränkischen Traustadt/ehemals Landkreis Geroldshofen am Fuße des Berges Zabelstein eine neue Existenz auf. Klaus Arbters Kindheit wurde geprägt von der Liebe zur Natur, die ihm seine Eltern bei langen Spaziergängen durch die Laubwälder sowie die Obst- und Feld-Doppelkulturen in Unterfranken vermittelte.
  • 1950 zog die Familie nach Weiden, wo der Vater eine Zahnarztpraxis eröffnet.
  • 1957 machte Klaus Arbter sein Abitur am Kepler-Gymnasium Weiden (damals Oberrealschule) und studierte danach an der Technischen Universität München Chemie, Biologie und Geografie.
  • 1962 bis 1963 arbeitete er am botanischen Institut bei Professor Kandler und begann 1963 als Gymnasiallehrer in Bayreuth.
  • 1965 wechselte Klaus Arbter ans Stiftland-Gymnasium Tirschenreuth, wo er neben seiner Lehrertätigkeit 1972 seinen Doktor der Geografie machte.
  • Vier Jahre später, 1976, legte er mit der Heirat seiner Christa den Grundstein für eine eigene Familie, bald wurden die Söhne Klaus und Michael geboren.
  • 1973 wurde Dr. Klaus Arbter Vorsitzender des Bund Naturschutz, Kreisgruppe Tirschenreuth. Dieses Amt führte er 34 Jahre lang aus. Unter anderem gehört zu Klaus Arbters engsten und besten Freunden Hubert Weiger, heute BN-Landesvorsitzender. Kennen gelernt haben sich Arbter und Weiger im gemeinsamen Kampf gegen den Gumpener Stausee. Weiger wurde als erster Beauftragter des BN Bayern in den Landkreis Tirschenreuth geschickt, um dort vor Ort im Auftrag des Verbandes den Tirschenreuther Naturschützern bei der Rettung des Gumpener Gebietes zu helfen.