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Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf (WAA): Stoppt den WAAhnsinn!

Acht Jahre war der Name Wackersdorf Synonym für die erbitterte Auseinandersetzung um die atomare Wiederaufarbeitung. Mit ihrem klaren Nein zur Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) stellten sich der BUND Naturschutz, die Schwandorfer Bürgerinitiative und viele andere in den 80er-Jahren gegen den Staat und die Energiekonzerne. Die WAA hätte nicht nur die Umwelt und die Gesundheit der Menschen gefährdet, sie bedrohte auch die Demokratie.

Der kleine Ort Wackersdorf in der Oberpfalz schaffte es in den 80er-Jahren fast täglich in die Nachrichten. Regierung und Energiekonzerne hatten die 4.000-Einwohner-Gemeinde im Landkreis Schwandorf als Standort für die atomare Wiederaufarbeitung bestimmt. Im Taxöldener Forst, wenige Kilometer außerhalb des Ortes, sollte aus verbrauchten Kernbrennstäben Uran und Plutonium gewonnen werden. Das Thema WAA spaltete die Menschen bald über Parteigrenzen hinweg. Während Franz-Josef Strauß Aufschwung und sichere Arbeitsplätze versprach, warnte der BUND Naturschutz eindringlich vor den Gefahren und forderte den Ausstieg aus der Atomenergie. Es folgte fast ein Jahrzehnt des Widerstands, der sich unter dem Slogan „Stoppt den WAAhnsinn“ bald bundesweit und über die Grenzen hinweg formierte. 

Gemeinsam mit der Bürgerinitiative Schwandorf gegen die WAA, vielen verbündeten Gruppen und Einzelpersonen setzte sich der BUND Naturschutz gegen die Wiederaufarbeitung ein und stellte sich dabei offensiv gegen den Staat. Mit Aktionen und Veranstaltungen konnten Landesverband, Kreis- und Ortsgruppen viele Menschen überzeugen. So demonstrierten Mitte der 80er-Jahre bis zu 100.000 Menschen am Bauzaun gegen die WAA. Nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl erreichten die Proteste 1986 einen weiteren Höhepunkt. Dennoch dauerte es noch drei Jahre, bis 1989 die erlösende Nachricht kam: Das teuerste Industrieprojekt in der Geschichte der Bundesrepublik war gescheitert. Wackersdorf blieb vor den Gefahren der Atomtechnologie verschont.