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Naturraum: Paradies in Blau und Grün

Wie ein blau-grüner Flickenteppich sieht die Gegend um Wackersdorf von oben aus. Unzählige Seen und Teiche betten sich in das Grün der Wälder und Wiesen. Heute suchen Menschen aus nah und fern Erholung im Oberpfälzer Seenland. Im Schatten einer Wiederaufarbeitungsanlage wäre dies undenkbar.

Im Taxöldener Forst erinnert heute nur noch wenig an die Auseinandersetzungen um die WAA. Auf der gerodeten Fläche ist ein Industriepark entstanden. Hier bieten mittelständische und große Unternehmen Arbeitsplätze für rund 3.000 Menschen aus der Region. Das einst als Brennelemente-Eingangslager errichtete Gebäude mit seinen meterdicken Mauern dient BMW als Lagerhalle, eine andere Firma nutzt das ehemalige WAA-Werkstattgebäude. Doch wie sähe die Region heute mit der Wiederaufarbeitungsanlage aus? Die Mitstreiter von einst sind sich einig: Die Gegend wäre Sperrgebiet und Baden, Angeln oder Tourismus wären in der idyllischen Wald- und Seenlandschaft undenkbar.

Die Atomanlage hätte das größte Grundwasser-Reservoir der Oberpfalz verseucht und die Gesundheit der Menschen gefährdet. Radioaktives Jod und Strontium wären in die Nahrungskette gelangt. Erhöhte Krebsraten in der Bevölkerung wie sie auch in den Regionen um La Hague und Sellafield, wo Wiederaufbereitungsanlagen stehen, festgestellt wurden, wären die Folge gewesen. Bereits während der Bauphase verließen unzählige Menschen die Region, im Schatten der WAA wären Wackersdorf und das Umland vermutlich verödet. Der Zuzug von Menschen, florierender Tourismus, neue Betriebe und eine hohe Lebensqualität: All das, was heute als „Wunder von Wackersdorf“ gilt, wäre undenkbar. Tatsächlich hat sich die Region um Wackersdorf schon mehrmals neu erfunden. Besucher aus der Vergangenheit würden sich heute verwundert die Augen reiben. 

Von der Industrieregion zum Naturparadies

Über Jahrhunderte war die Region um Wackersdorf vom Abbau der Bodenschätze geprägt. Hier, in der Bodenwöhrer Senke, die sich auf 55 Kilometern Länge von Cham bis Schwarzenfeld erstreckt, fand man Erz und schließlich auch Braunkohle. Ab 1906 fräste der industrielle Tagebau riesige Krater in die Landschaft. Über Jahrzehnte färbte der Kohlestaub Böden und Fassaden schwarz. Auch das alte Bauerndorf selbst fiel dem Fortschritt zum Opfer. Alt-Wackersdorf verschwand in einer Grube und wurde 1953 einige Kilometer entfernt neu aufgebaut. Nach dem Aus für die Braunkohle im Jahr 1982 entstand das heutige Landschaftsbild, das Oberpfälzer Seenland. In der Region am Schnittpunkt der beiden Naturparke Oberpfälzer Wald und Oberer Bayerischer Wald konnte sich die Natur einiges von dem zurückerobern, was ihr einst genommen wurde. Die mit Grundwasser gefluteten Tagebaugruben, die umgebenden Wälder und Wiesen sind heute Naturparadies und Naherholungsgebiet zugleich. Die großen Wasserflächen, Steinberger See, Murner See und Brückelsee werden touristisch genutzt. Hier trifft man sich zum Baden, Segeln, Surfen oder Wandern. Dazwischen finden sich kleine Seen und Teiche, wo sich die Natur ungestört entfalten kann. Im Laufe der Jahre haben sich in dem früheren Industriegebiet zahlreiche Pflanzen- und Tierarten, die auf Stillgewässer und Verlandungszonen angewiesen sind, angesiedelt. 

Natur und Tourismus

Heute sind die Naturschätze das Kapital einer florierenden Region. Jahr für Jahr freut sich das Oberpfälzer Seenland über steigende Übernachtungszahlen. Viele Menschen, die hierher kommen, genießen die Ruhe in der Natur, Badespaß oder ausgedehnte Wanderungen. Lehrpfade vermitteln ihnen Wissen über Landschaft, Geologie, Pflanzen, Fische und vieles andere. Vielerorts gelingt es, Besucherströme sinnvoll zu lenken und einen sanften Tourismus zu fördern. Immer wieder braucht die Natur aber auch besonderen Schutz: Aktuell setzt sich die Kreisgruppe Schwandorf dafür ein, das Areal um den Ausee und den Lindensee unter Naturschutz zu stellen. Beide Seen haben sich in den vergangenen Jahren zu Kleinoden mit einer bemerkenswerten Flora und Fauna entwickelt. An den Uferböschungen und in den angrenzenden Wiesen wurden zahlreiche seltene und einige vom Aussterben bedrohte Arten nachgewiesen. Hier haben beispielsweise Flussregenpfeifer, Schellente, Blauflügelige Ödlandschrecke, Moosjungfer, Rohrweihe, Ziegenmelker und Strand-Ampfer ein Refugium gefunden. Ziel der Kreisgruppe ist es, hier eine Bebauung, wildes Campen sowie Befahren mit Autos oder Quads zu verhindern. So kann die vor der Wiederaufarbeitung gerettete Region ihre Schätze dauerhaft erhalten.