MenuBUND Naturschutz in Bayern e. V.

Geschichte von 1970 bis 1980

1970

Der BN organisiert im Auftrag der Staatsregierung im Deutschen Museum in München die zentrale Großkundgebung für das Europäische Naturschutzjahr (ENJ) in Bayern und erzielt damit große öffentliche Aufmerksamkeit.

Als bayerischer Beitrag zum ENJ öffnet am 7. Oktober der vom BN maßgeblich initiierte Nationalpark Bayerischer Wald, der erste in Deutschland, seine Pforten.

Ferner richtet der Freistaat mit dem Bayerischen Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen das europaweit erste ausschließlich diesem Politikbereich gewidmete Ministerium ein. Zu den wichtigsten Projekten des ersten Umweltministers Max Streibl zählen die Neufassung des Bayerischen Naturschutzgesetzes 1973 sowie das Landesentwicklungsprogramm 1976, deren Ausgestaltung der BN durch eigene Entwürfe und Vorschläge zu beeinflussen sucht.

1971

Der BN startet in Verbindung mit der „Aktionsgemeinschaft Saubere Landschaft“ erstmals in Deutschland den Einsatz von Kriegsdienstverweigerern im Naturschutz.

Der junge Diplomforstwirt Hubert Weiger kommt als erster Zivildienstleistender zum BN und wird noch im gleichen Jahr zum BN-Beauftragten für Nordbayern ernannt. In dieser Funktion konnte er den Verband vor allem in Nordbayern umfassend aufbauen.

1972

Der BN warnt erstmals vor den Folgen der Luftverschmutzung für die Wälder in Bayern. Die Bayerische Naturschutzakademie wird gegründet, die der Freistaat 1974 per Gesetz übernimmt. Ebenfalls zum ersten Mal befragt der BN Wahlkandidaten zu Natur- und Umweltfragen. Mit dem Kauf von Sperrgrundstücken entwickelt der BN seine eigene legale Form des zivilen Ungehorsams, eingesetzt zum Beispiel gegen die Errichtung eines Wasserkraftwerks an der Ilz, den Bau des Großflughafens München im Erdinger Moos oder den Rangierbahnhof im Nürnberger Reichswald.

Auf Einladung Hubert Weinzierls formiert sich in Heiligenstadt die „Gruppe Ökologie“, ein Zusammenschluss führender Wissenschaftler, Naturschützer und Publizisten. Als kritisches Sammelbecken und Diskussionsforum der Naturschutzeliten trägt die „Gruppe Ökologie“ mit ihrem Sprecher Prof. Dr. Konrad Lorenz und ihrem Geschäftsführer Hubert Weinzierl zur programmatischen Entwicklung des Naturschutzes bei, zum Beispiel durch das „Ökologisches Manifest“ 1972, verliert in den späten 1970er Jahren aber gegenüber stärker aktionsorientierten Vereinigungen an Bedeutung.

In einer „historischen Grundsatzentscheidung“ (Hubert Weiger) entscheidet die Vereinsleitung, die für das Vereinsleben nötigen Haushaltsmittel nicht mehr über die finanzielle Förderung des Staates, sondern möglichst vollständig über Mitgliederbeiträge und Spenden zu decken. Es gelingt, auf diese Weise eine höhere Unabhängigkeit gegenüber Politik und Verwaltung zu erreichen.

1973

Der BN bestellt Dr. Hubert Weiger zum hauptamtlichen Beauftragten für Nordbayern und eröffnet in Stein bei Nürnberg eine Dependance (seit 1976 in Nürnberg). Bis in die 1970er Jahre hinein war der BN in Nord- und Ostbayern eher schwach vertreten gewesen. Die Region Nürnberg-Fürth-Erlangen wird zu einem neuen Aktionsschwerpunkt des BN, zum Beispiel mit dem Engagement für den Reichswald.

1975

Am 20. Juli macht die deutsche Umweltbewegung einen wichtigen Schritt: Unter maßgeblicher Beteiligung des BN wird im unterfränkischen Marktheidenfeld der „Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland“ (BUND) gegründet (bis 1977 „Bund Natur- und Umweltschutz Deutschland), der sich zum führenden Naturschutzverein der Bundesrepublik entwickelt. Der BN ist nicht nur einer der mitgliederstärksten Landesverbände, sondern hat zudem lange Zeit den Vorstandsposten inne: Hubert Weinzierl 1983-1998, Hubert Weiger seit 2007.

1976

Die JBN wird als selbständiger Jugendverband des BN für die Altersgruppe der zehn- bis 25jährigen ins Leben gerufen. Bereits 1973 war mit Hans-Jochen Kretschmer erstmals ein Jugendreferent berufen worden. Mit einer Mischung aus praktischen Aktivitäten und gesellschaftspolitischem Engagement etabliert sich die JBN als Freizeitoption und politische Plattform für am Natur- und Umweltschutz interessierte junge Menschen. Zu seinem 30jährigen Jubiläum im Jahre 2003 umfasst die JBN mehr als 300 Jugendgruppen mit mehr als 25.000 Mitgliedern.

1977

Erstmals setzt der BN Volksbegehren zur Umsetzung umweltpolitischer Ziele ein. Sowohl das Volksbegehren „Rechtsschutz für Natur und Gesellschaft“, mit der man ein Verbandsklagerecht erreichen will, als auch das Senats-Volksbegehren, das eine Berücksichtigung von Sport-, Behinderten- und Naturschutzorganisationen im Bayerischen Senat erstreiten soll, scheitern jedoch.

1978

Der BN gründet ein Bildungswerk, um die Erwachsenenbildung zu intensivieren. Bis 1985 wird es vom BN-Energiereferenten Dr. Ludwig Trautmann-Popp zusätzlich geleitet. Von 1986 bis 2007 übernimmt die Leitung Beate Seitz-Weinzierl geleitet, mit  inhaltlichem Schwerpunkt im Bereich Umweltethik. Neue Konzepte der Umweltbildung und alternativer Lebensführung werden erarbeitet. Sitz des Bildungswerkes wird Schloss Wiesenfelden im Vorderen Bayerischen Wald. Aus finanziellen und organisatorischen Gründen erfolgt 2008 eine Neukonzeption mit Sitz in der Landesgeschäftsstelle in Regensburg.

1979

In Hof verabschiedet der BN das erste umfassende Grundsatzprogramm für alle Bereiche des Natur- und Umweltschutzes. Der Atomenergie erteilt er darin eine klare Absage. Die Beurteilung der Atomkraft erfährt damit innerhalb eines Jahrzehnts eine fundamentale Umwertung: Der BN revidiert seine Einstellung von unbedingter Zustimmung vor 1972 über ein bedingtes Ja von 1972 bis 1975 in ein bedingtes Nein von 1975 bis 1979 und schließlich zur generellen Ablehnung ab 1979. Maßgeblich ist dabei die Beschäftigung mit den bayerischen Standorten, vor allem Grafenrheinfeld, die Bauplatzbesetzung von Wyhl 1975 sowie die partielle Kernschmelze von Harrisburg 1979.

Die Delegiertenversammlung in Hof spricht sich auch gegen den Ausbau des Rhein-Main-Donau-Kanals aus. Die Kanalbauarbeiten zwischen Nürnberg und Kelheim, vor allem die Zerstörung des Altmühltals, sowie die weitere Kanalisierung zwischen Straubing und Deggendorf rufen seit Mitte der 1970er Jahre immer stärkere Kritik hervor. Bundesdeutsche und österreichische Naturschutzverbände sammeln unter Federführung des BN 1982 fast eine Million Unterschriften gegen den Weiterbau – eine der größten Umweltpetitionen in Deutschland überhaupt. Dennoch einigt sich die neue schwarz-gelbe Bundesregierung Ende 1982 mit dem Land Bayern auf die Fertigstellung des Projekts. Trotz fortgesetzter Proteste und Gerichtsklagen wird 1992 das letzte Teilstück des Rhein-Main-Donau-Kanals eröffnet. Seitdem engagiert sich der BN für den Erhalt des letzten frei fließenden Donauabschnitts innerhalb Deutschlands zwischen Straubing und Vilshofen: Zum Beispiel findet 1992 der erste internationale Donaukongress statt,  1994 bewirkt eine Petition mit 100.000 Unterschriften eine Untersuchung flussbaulicher Alternativen zum Donauausbau.