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Ehrung für einen Visionär

Sein Name steht für einen achtsamen, würdevollen Umgang mit unseren Nutztieren. Karl Ludwig Schweisfurth, Begründer der Herrmannsdorfer Landwerkstätten, wurde am 30. November 2014 in Glonn mit dem Bayerischen Naturschutzpreis des BUND Naturschutz ausgezeichnet.

Im Bild: Stellvertretende BN-Vorsitzende Doris Tropper, Preisträger Karl Ludwig Schweisfurth, BN-Vorsitzender Hubert Weiger, stellvertretender BN-Vorsitzender Sebastian Schönauer (Foto: BN/Toni Mader)

Der Lebensweg Karl Ludwig Schweisfurths ist geprägt von einer Kehrtwende: Einst war der heute 84-Jährige Besitzer des fleischverarbeitenden Industrieunternehmens Herta, heute ist er Biobauer aus Überzeugung. 1986 gründete Schweisfurth die Herrmannsdorfer Landwerkstätten und baute einen ökologischen Betrieb auf  mit Landwirtschaft, Metzgerei, Bäckerei, Käserei, Brauerei, Hofmarkt und Wirtshaus. Sein Ziel war eine neue Agrar-und Ernährungskultur und Achtsamkeit im Umgang mit Tieren.

Mit der Verleihung des Naturschutzpreises, der höchsten Auszeichnung des Verbandes, würdigt der BUND Naturschutz Schweisfurths große Verdienste für die Fortentwicklung des ökologischen Landbaus, für eine artgerechte Tierhaltung, die Erhaltung ganzheitlicher Lebensmittelqualität und die Förderung einer tragfähigen Agrarkultur.

„Sie bekommen den Naturschutzpreis auch gerade deshalb, weil wir in Ihnen jemanden ehren, der begonnen hatte, die industrielle Produktion von Lebensmitteln und damit sich selbst in Frage zu stellen, und der mit dem Ausscheiden aus seinem Unternehmen die Grundlage für seine heutige ökologische Lebensmittelherstellung gelegt hat“, erklärte der BN-Landesvorsitzende Hubert Weiger. „Sie sind damit nicht nur ein erfolgreicher Pionier des ökologischen Landbaus geworden, sondern auch der ökologischen, handwerklichen und regionalen Kreislaufwirtschaft, die wir als die zukunftsfähigste Form unseres Wirtschaftens ansehen“, so Weiger. Karl Ludwig Schweisfurths Ansatz gehe weit über den ökologischen Landbau hinaus, betonte der BN-Vorsitzende: „Es ist ein Ansatz, der anknüpft an handwerkliche Traditionen, der in einer Kreislaufwirtschaft integriert und der einen solidarischen Umgang nicht nur mit den Tieren, sondern auch mit dem Menschen zugrunde legt.“

Karl Ludwig Schweisfurth hob in seiner Festansprache hervor, dass es kein Naturgesetz sei, wie Lebensmittel heute zumeist erzeugt würden. „Das kann man auch anders machen. Wir haben schließlich in den letzten 50 Jahren das System, so wie es ist, in Gang gesetzt. Und wir können es auch wieder ändern“, so Schweisfurth. „Man kann Lebensmittel auch achtsam und kultiviert herstellen. Das ist unser tiefes Anliegen hier. Wir möchten, dass unser ökologischer Fußabdruck, den wir bei der Nutzung der Natur für unsere Lebensmittel hinterlassen, leichtfüßig ist.“ Ökoromatik sei das nicht, sondern das heute Denkbare und Machbare. „Fleisch muss wieder kostbar und wertvoll werden. Lieber halb so viel, dafür dreimal so gut“, erklärte Karl Ludwig Schweisfurth.

Die Ehrung fand in Gut Herrmannsdorf im Landkreis Ebersberg statt. Im Rahmen der Verleihung war die Installation „WIR, das Tier“ des Künstlers HA Schult zu sehen. Der Bayerische Naturschutzpreis ist die höchste Auszeichnung des BUND Naturschutz. Der BN verleiht den Preis seit über 30 Jahren an hoch verdiente Persönlichkeiten für ihr herausragendes Wirken im Natur- und Umweltschutz. Bisherige Preisträger waren unter anderem die indische Globalisierungskritikerin Vandana Shiva oder Emmanuel Jungclaussen, Altabt des Benediktinerklosters Niederalteich.