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EHRUNG FÜR EINEN VORDENKER DES KLIMASCHUTZES

Im Vorfeld des Klimagipfels von Paris hat der BUND Naturschutz (BN) einen Vordenker des Klimaschutzes und einen Streiter für nachhaltige Wirtschaft mit der höchsten Auszeichnung des Verbandes geehrt. Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker erhielt am 26. November 2015 in München den Bayerischen Naturschutzpreis.

Ernst Ulrich von Weizsäcker (Foto: Toni Mader)

Professor Weizsäcker, seit 2012 Kopräsident des Club of Rome, zählt zu den Pionieren nachhaltigen Wirtschaftens. Seit Jahrzehnten leistet er auf diesem Gebiet Überzeugungsarbeit in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Schon lange vor der aktuellen Diskussion um den Klimawandel hat er in seinem Bericht an den Club of Rome Ideen für eine zukunftsfähige und ressourcenschonende Wirtschaft entwickelt. Sein Buch „Faktor fünf. Die Formel für nachhaltiges Wachstum“ hat international Aufsehen erregt. BN-Vorsitzender Hubert Weiger beschrieb Weizsäcker in seiner Laudatio als „Pionier des Wandels“.

„Du hast eine Revolution der Effizienz gefordert“, so Weiger. Erkenntnisse aus Weizsäckers Arbeit seien zum Beispiel, dass Preise die ökologischen Folgen von Waren widerspiegeln müssten. Hubert Weiger erinnerte an das berühmt gewordene Zitat des Geehrten: „Macht Kilowattstunden arbeitslos, nicht Menschen.“

Mit der Verleihung des Bayerischen Naturschutzpreises 2015 an Ernst Ulrich von Weizsäcker würdige der BUND Naturschutz seine wissenschaftlichen und politischen Verdienste für ein nachhaltiges, ressourcenschonendes Wirtschaften, so Weiger,  sowie seine Auseinandersetzung mit den Gefahren der Globalisierung und seine langjährige Arbeit für eine gerechtere Welt. Auch Weigers Stellvertreterin Doris Tropper bedankte sich bei dem Preisträger: „Sie ermöglichen uns, Alternativen zur gängigen Wirtschaftspolitik aufzuzeigen.“

Mit dieser Ehrung ist das Ehepaar Weizsäcker das erste Paar von Naturschutzpreisträgern in der über hundertjährigen Geschichte des BN, denn Christine von Weizsäcker erhielt diese Auszeichnung bereits 2009 für ihr Engagement gegen die Agrogentechnik. 

Ernst Ulrich von Weizsäcker zeigte sich „tief gerührt und geehrt“. Er verwies angesichts des bevorstehenden Klimagipfels auf die ökologische Situation: „Wenn alle sieben Milliarden Menschen einen ökologischen Fußabdruck hätten wie die US-Amerikaner, bräuchten wir fünf Planeten.“ Sein Lösungsvorschlag: aus den vorhandenen Ressourcen mehr als bisher herausholen. Aber das Thema Ressourcenproduktivität stehe in Paris nicht einmal auf der Tagesordnung, bedauerte Weizsäcker.

Die Annahme, arme Länder müssten erst einmal zu Wohlstand kommen, um sich Umweltschutz überhaupt leisten zu können, habe sich als Trugschluss erwiesen, erklärte der Geehrte. An neuen Lebensstilen, die nicht mehr wie bisher von Gier geprägt seien, werde man nicht herumkommen, so Weizsäcker, denn: „Billig kann verdammt teuer werden.“

Der Bayerische Naturschutzpreis ist die höchste Auszeichnung des BUND Naturschutz. Der BN verleiht den Preis seit über 30 Jahren an hoch verdiente Persönlichkeiten für ihr herausragendes Wirken im Natur- und Umweltschutz. Bisherige Preisträger waren unter anderem die indische Globalisierungs-kritikerin Vandana Shiva oder Karl Ludwig Schweisfurth, der Gründer der Herrmannsdofer Landwerkstätten.