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Windkraftanlagen

Position Windkraftnutzung

  1. Der Bund Naturschutz begrüßt die Nutzung der Windkraft als dezentrale, regenerative Energiequelle. Der vom BN unterstützte Ausbau der Windkraft ersetzt allerdings nicht das vorrangige Erfordernis der drastischen Stromeinsparung.
  2. Das Windpotenzial in Deutschland ist um ein Vielfaches größer als das in einer auf Stromeinsparung basierenden Energiestrategie nötige Ausbauziel. Dabei ist bei sachgerechter Planung ohne Probleme die Auswahl von Standorten möglich, die sowohl genügend Wind aufweisen, als auch Eingriffe in Natur und Landschaft minimieren.
  3. Die Standorte für Windkraftanlagen müssen nach den Anforderungen des Natur-, Umwelt- und Landschaftsschutzes ausgewählt und genehmigt werden. Hierbei fordert der Bund Naturschutz die Beachtung der im Anhang aufgeführten Auswahlkriterien. Über die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes entscheiden Kriterien wie die besondere regionale Qualität des Landschaftsraumes, die in einer Sichtbarkeitsanalyse zu prüfen sind.
  4. Mit den Instrumenten der Landes- und Regionalplanung sowie der kommunalen Flächennutzungsplanung müssen bayernweit geeignete Standorte für Vorrang- und Ausschlussgebiete festgelegt werden, in denen Windkraftwerke nach Einzelfallprüfung genehmigungsfähig sind. Die artenschutzrechtliche Problematik, insbesondere die Frage nach Zugrouten von Vögeln oder Lebensräumen von Fledermäusen muss bereits im Vorfeld gründlich untersucht werden. Für Windkraftanlagenstandorte in geschlossenen Waldgebieten sind besonders hohe Naturschutzanforderungen zu stellen, so dass in der Regel nur naturferne Wirtschaftswälder als Standorte geprüft werden sollen.
  5. Vor der Installation neuer Windkraftanlagen in einer Gemeinde muss zunächst immer die Möglichkeit des Ersatzes durch leistungstärkere Anlagen („Repowering“ bereits bestehender Windkraftwerke) im Gemeindegebiet geprüft werden.

Begründung

Die Windkraft steht in Bayern - anders als in anderen Bundesländern - erst am Anfang ihrer Nutzung. Erschwert wurde sie bisher durch die fehlende planerische Zielkonzeption der Staatsregierung wie auch durch Konflikte, wenn es um die Beeinträchtigung von Natur und Landschaft durch Windkraftanlagen ging. Solche Konflikte sind zu vermeiden, wenn die Standortvorauswahl frühzeitig und nach transparenten und nachvollziehbaren ökologischen Kriterien geschieht. Für eine umweltverträgliche Energieversorgung bedeutet diese Standortauswahl keine Einschränkung der Windkraftnutzung.

Windkraft nach Plan ökologisch sinnvoll

Unter den noch auszubauenden regenerativen Energien nimmt die Windkraft eine Vorreiterrolle ein, da sie - im Gegensatz zu Solarkraft und nachwachsenden Rohstoffen - schon heute den Bereich der Wirtschaftlichkeit erreicht. Das bedeutet, dass Investitionen in die Windkraft zu den wirkungsvollsten bei der Reduzierung des CO2-Ausstoßes zählen. Sie werden wirtschaftlich nur noch von der Stromspartechnik und der dezentralen Kraftwärmekopplung übertroffen. Mit der fortschreitenden Entwicklung von Speichertechniken (z.B. Druckluftspeicher) können auch Windkraftwerke grundlastfähig werden.

Wenn die Möglichkeiten der Stromeinsparung und der Energieeffizienz ausgeschöpft werden, wird der Stromverbrauch spürbar sinken. Wind-, Wasser- und Solarkraft sowie Geothermie und naturverträglich erzeugte Biomasse werden dann die Stromversorgung abdecken.

Landschafts- und Artenschutz beachten

Als Freibrief für einen ungeregelten Bau von Windkraftwerken darf deren positive ökologische Einschätzung jedoch nicht gewertet werden.

Windkraftwerke am falschen Ort oder in falscher Dimensionierung können Umweltbelastungen darstellen.

Nicht selten weht der beste Wind gerade in den schönsten und bislang noch unberührten Höhenlagen unserer Mittelgebirge. Entscheidende Kriterien bei der Standortvorauswahl sind daher die Anforderungen des Natur- und Artenschutzes und die Schonung des Landschaftsbildes. Außerdem sollten die besondere Qualität des Landschaftsraumes aus regionaler Sicht und die bestehende Beeinträchtigung des Standortes durch technische Infrastruktur (Vorbelastung) oder großflächige Ruhezonen bewertet werden.

Es hat sich zudem gezeigt, dass Windkraftwerke an manchen Standorten zu einer hohen Mortalität bei Vögeln und Fledermäusen führen können. Durch sorgfältige faunistische Erhebungen im Zuge der Standortwahl bzw. durch entsprechende Auflagen hinsichtlich des Betriebs der Anlage (Auflagen zur Betriebseinschränkung oder Abschaltung bei begleitendem "monitoring" in sensiblen Zeiten und an sensiblen Standorten) muss die Beeinträchtigung dieser Tiergruppen minimiert werden.

Insbesondere Windkraftwerke im Wald können aus Gründen des Artenschutzes (Vogel- und Fledermausschutz) besonders problematisch sein. Naturnahe Wälder scheiden als Standort daher fast stets aus.

Möglichkeiten für Windkraftanlagen in Bayern

Der hier angesprochene Konflikt könnte wesentlich durch eine stringente Landes-, Regional- und Flächennutzungsplanung entschärft werden, da in Deutschland genügend Wind weht, um alle Ansprüche zu befriedigen (vgl. Anhang 2). Eine Nutzung aller Standorte mit hoher Windgeschwindigkeit ist weder nötig noch erstrebenswert. Eine Nutzung des gesamten Windkraftpotenzials in Deutschland würde den tatsächlichen Stromverbrauch weit übersteigen.

Wie in der anliegenden Abschätzung ausgeführt, wird nicht einmal jeder 10. windhöffige Standort im Rahmen einer ökologisch ausgewogenen Energieversorgung gebraucht. Eine fachlich abgesicherte und transparente Standortauswahl ist daher entscheidende Grundlage für einer Natur- und Umwelt verträgliche Windenergienutzung. Werden rechtzeitig Vorrang- und Tabuzonen ausgewiesen, so kann die Windkraftnutzung voranschreiten, ohne mit dem Landschaftsschutz in Konflikt zu geraten. Eine Sichtbarkeitsanalyse muss in einem Raster von 200 x 200 Meter im 10-km-Umkreis belegen, von wie vielen Punkten die WKA zu sehen ist.

Eine Abwägung von Nutzen und Schaden ist auch im Rahmen einer umfassenden Umweltverträglichkeitsprüfung schwierig, weil der messbare Nutzen bei der Luftreinhaltung der sich z.B. als Waldfläche darstellen lässt, die von Schadgasen verschont bleibt, oder der Bindung vergleichbarer CO2-Mengen dient, einem ästhetischen und daher nicht messbaren Schaden am Landschaftsbild gegenübergestellt werden muss.

Anhang 1

Auswahlkriterien

 

1. Tabuzonen die von Windkraftanlagen freizuhalten sind

  • Nationalparke
  • Naturschutzgebiete
  • Flächenhafte Naturdenkmale
  • Kern- und Pflegezonen von Biosphärenreservaten
  • Besonders geschützte Biotope (§ 20c BNatSchG bzw. ab 01.03.2010: § 30 Abs. 1 Nr. 1-6)
  • Ornithologisch oder für bestimmte Fledermaus-Arten besonders bedeutsame Gebiete (RAMSAR- und SPA-Gebiete, IBA-Gebiete, FFH-Gebiete nach Schutzzweck)
  • Flugkorridore von Zugvögeln
  • Wiesenbrütergebiete bzw. Brutstätten gefährdeter Arten, jeweils mit Abstandsflächen
  • Lebensstätten besonders geschützter Pflanzenarten (z.B. Trockenrasengesellschaften, Orchideenwiesen)
  • Ausreichender Abstand von mind. 800 m zur nächsten Wohnbebauung (Lärmkriterium, Schattenwurf) sowie 150 Meter plus Rotorradius zu Waldrändern

2. Prüfzonen mit besonderen Anforderungen an eine Verträglichkeitsprüfung im Einzelfall

  • Landschaftsschutzgebiete je nach Schutzzweck
  • Waldgebiete
  • Nahrungshabitate von Großvögeln
  • Gebiete mit markanten landschaftsprägenden Strukturen

3. Eingriffsregelung

  • Der Eingriff durch ein Windkraftwerk ist nicht ausgleichbar, weshalb Ersatzmaßnahmen notwendig sind.

Anhang 2

Abschätzung zur Zahl der benötigten Standorte

Windhöffige Gebiete bedecken nach Auswertung vorliegender Studien (z. B. ökologisch optimierter Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energien, BMU 2004) mindestens 10% der Landesfläche, überdurchschnittlich in Norddeutschland. Potenzielle Bebauungsdichte für Anlagen von 3000 kW Leistung: 5 Anlagen auf einen km2. Daraus ergibt sich eine potenzielle Standortzahl von 180.000 WKA an Land.

Mit einer mittleren Leistung von 3000 kW entspräche dies einer Gesamtleistung von 540.000 MW. Das ist mehr als das 10-fache dessen, was nach der Energie-Position des Bundes Naturschutz an Windkraft benötigt wird. In diesem Konzept erzeugen Wind- und Wasserkraft mehr als ein Drittel des deutschen Jahresstromverbrauchs. Es ist daher möglich, nach der o. g. Kriterienliste genügend Standorte auszuwählen, die mit dem Natur- und Landschaftsschutz verträglich sind.

Eine vergleichbare Abschätzung für Bayern ist nicht möglich, da im Gegensatz zur Bundesebene bislang keine geeigneten Daten veröffentlicht wurden. Der Bund Naturschutz fordert von der bayerischen Staatsregierung eine entsprechende planerische Analyse. Überträgt man die Ergebnisse einer Auswahlanalyse des Bundesumweltministeriums für Baden-Württemberg („Ökologisch optimierter Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energien in Deutschland“) auf Bayern, so bleibt nach den o.g. sehr strikten Vorauswahlkriterien eine "Fläche" samt Umgriff von 280 km2, was nur 4 Promille der bayerischen Landesfläche entspricht.

1500 Standorte dürften daher bei Nutzung der Instrumente der Landes,- Regional- und Flächennutzungsplanung möglich sein. Im Jahr 2009 sind weniger als 400 Windkraftanlagen in Bayern in Betrieb. Bayern liegt bei der Windkraftnutzung weit hinter anderen Binnenländern wie Sachsen, Hessen oder Sachsen-Anhalt, unabhängig davon ob man sich auf die Fläche oder die Einwohnerzahl bezieht.

Weitere Positionen

 

 

 

 

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