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Erneuerbare Energien - Ausbau mit ökologischen Leitplanken

Der BUND fordert eine deutliche Anhebung der nationalen Klimaschutzziele, eine raschen Ausstieg aus fossilen Energien und eine deutlich beschleunigte Umstellung auf erneuerbare Energien. Er setzt sich für eine natur- und sozialverträgliche Energieversorgung ein, die bis 2040 nahezu 100 % auf erneuerbare Energien umgestellt sein muss. Sparsame und effiziente Nutzung von Energie ist die Grundlage für eine umwelt- und naturverträgliche, kostengünstige und soziale Versorgung mit erneuerbaren Energien.

Foto: fotalia

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist eine gesellschaftliche und technologische Erfolgsgeschichte. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) von 2001 hat es ermöglicht, aus Ideen wie "Strom aus Wind und Sonne" reale Technologien zu gestalten und neue Perspektiven für den Strommarkt zu entwickeln: Die "Energiewende von unten", eine dezentral strukturierte Stromproduktion jenseits der großen Machtoligopole, eine Stromwirtschaft der Kommunen, Bürgerinnen und Bürger, begann in Bayern wirksam zu werden.

Autorin: Sibille Wehrmann

Der Umstieg auf erneuerbare Energien ist zwingend notwendig!

Es bestehen große Potenziale, sowohl was die Senkung des Strombedarfs durch effiziente Anwendungen und sparsame Nutzung, als auch was die effiziente Erzeugung, Umwandlung und Speicherung von Strom aus erneuerbaren Energien betrifft. Wesentlich ist für den BUND, dass bei künftigen Energienetzplanungen Strom- und Gasnetzplanungen integriert erfolgen und hierbei sowohl die Power-to-Gas-Technik als auch dezentrale Konzepte in einem öffentlich transparenten Verfahren einbezogen werden. Die Energiewende impliziert neue Rollen für die Bürger und Bürgerinnen, die Unternehmen und Kommunen: Es reicht nicht mehr aus, nur Energie zu konsumieren. Vielmehr bedarf es Überlegungen und Aktionen, Energie einzusparen und gegebenenfalls selbst als Produzent in umweltfreundlicher Energie aufzutreten.

Heute geht es vor allem um mehr Energieeffizienz, die Einführung der erneuerbaren Energien und den Ausbau effizienter und klimafreundlicher Flexibilitätsoptionen. Das Zusammenspiel von erneuerbaren Energien mit dem Energiebedarf muss so organisiert werden, dass eine hohe Versorgungssicherheit zu möglichst geringen Kosten erzielt werden kann. Der Strommarkt muss an den erneuerbaren Energien ausgerichtet werden und Flexibilitätsoptionen zum Ausgleich der fluktuierenden erneuerbaren Strommengen integrieren.

Der naturverträglichen Ausbau erneuerbarer Energien und insbesondere die Minderung von Flächeninanspruchnahme sind entscheidend für den langfristigen Erfolg der Energiewende. Wichtiges Kriterium ist, die Biodiversität national und regional zu erhalten und zu verbessern.

Der Ausbau von Erneuerbaren Energien und der Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger müssen Hand in Hand gehen. Zwei wichtige Schritte führen zum Klimaschutz:

Schritt 1: Energie-3-Sprung mit Ausbau der Windenergie

Schritt 2: Herunterfahren der Kohleverstromung und damit weniger Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid

Wind

Auf der Basis von wissenschaftlichen Untersuchungen hat sich, politisch breit unterstützt, der Orientierungswert von durchschnittlich 2 % der Landesfläche als Planungsraum für Windkraft an Land herauskristallisiert. Dadurch können einerseits die Auswirkungen auf Natur und Landschaft minimiert werden, andererseits ist das Potenzial ausreichend, um zusammen mit Energieeffizienz und anderen erneuerbaren Energieträgern den Bedarf zu decken. Die Windenergieanlagen sollten prioritär verbrauchsnah und in den jeweiligen Regionen in den windhöffigsten Gebieten genutzt werden. Gemäß regional unterschiedlicher Gegebenheiten sowohl was die Windhöffigkeit betrifft, als auch den notwendigen Naturschutz angeht, kann die Planungsfläche zur Nutzung der Windenergie zwischen 1 % und 3 % variieren. Hierzu sollte eine bundesweite Raumordnungsplanung erfolgen und mit Planungen der Bundesländer und regionalen Planungsbehörden verbunden werden. Dabei sind Naturschutzvorranggebiete wie Natura2000 Flächen, Naturschutzgebiete und Nationalparke auszunehmen.

Der Ausbau der Offshore-Windenergie sollte nur auf die Leistung der bisher genehmigten Anlagen beschränkt werden. Diese Einschränkung dient dazu, die Eingriffe in die Naturräume des Meeres und des Wattenmeeres ebenso zu begrenzen wie den ansonsten erforderlichen Stromnetzausbau. 

BUND-Position Windenergie
BN-Argumente pro Windkraft in Bayern
BN-Stellungnahme zum Entwurf PV-Freiflächenanlagen
BN-Stellungnahme zu Windenergieerlass Bayern 2015
BN Stellungnahme zur Änderung der BayBO
BN informiert: Strom aus Windenergie
Expertenanhörung im Wirtschaftsausschuss zu Abständen von Windrädern

Film "Werd' gescheit mit'm Veit"

Sonne

Fotovoltaik Anlagen sollte prioritär auf Gebäuden, Dächern und Fassaden angebracht werden. Zusätzlich können Flächen für PV-Freilandanlagen genutzt werden, vor allem auf Deponien, an Rändern von Bahnen und Straßen- und Lärmschutzwänden, Überdachungen von Parkplätzen oder Radwegen. Soweit Fotovoltaik-Freilandanlagen auf Freiflächen installiert werden, sollen diese Flächen auch dem Naturschutz und der Landwirtschaft dienen können und einen Beitrag zur Biodiversität leisten.

Der Ausgangspunkt der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien war vor zwei bis drei Jahrzehnten die Fotovoltaikanlage auf dem Hausdach. Das Haus ist da, das Dach ist da - Strom kann erzeugt werden, ohne freie Flächen zu belegen, und kann dort erzeugt werden, wo auch die Verbraucher sitzen - unter dem Dach. Die kleine Hausdach-Fotovoltaik Anlage ist weiterhin sinnvoll und ein wichtiges Element der dezentralen Energiewende.

Vieles spricht für den Strom vom eigenen Hausdach:

  • Ökologisch sinnvoll: Klimaschutz
  • Ökonomisch sinnvoll: Geld sparen
  • Strom aus einer Fotovoltaik Anlage unter einer Leistung von 10 kW ist von der EEG-Umlage ausgenommen.
  • Stromversorgung mit Selbstverantwortung
  • Wirtschaftliche Faustregel: Kosten ab circa 1500 Euro pro kW.
  • PV auf Einfamilienhaus-Dach: Für ein Einfamilienhaus mit einem typischen Vier-Personenhaushalt und einem Stromverbrauch von 4000 Kilowattstunden ist daher die Installation einer PV-Anlage mit 3 kW elektrischer Leistung zu empfehlen, also rund 20 Quadratmeter PV-Fläche.
  • Zukunftsvision

Mehr Informationen: BN informiert: Hausdach PV

Ideale Ergänzung: Blockheizkraftwerke mit ihrer dezentralen Kraft-Wärme-Kopplung sind die lokale Antwort auf das Problem, dass es nachts keinen Sonnenstrom gibt. "Strom aus Heizung", also stromgeführte, dezentrale Kraft-Wärme-Kopplung mit Wärmespeicherung, dient zur lokalen Stabilisierung der Stromnetze und stellt die Technologie der Zukunft dar.

BN-Position Photovoltaik

Projekt pv@now easy

die DGS Franken hat eine "Nicht-Experten-Software" entwickelt, mit dem man ohne tieferes Vorwissen und nur ein bisschen Ahnung für sich abschätzen kann, ob eine PV Anlage mit Speicher Sinn für sich macht, ob man das will, wie man sich darin wiederfindet.

Dieses einfache tool ersetzt natürlich keine Wirtschaftlichkeitsberechnung - aber kann helfen bei der persönlichen Entscheidung - will ich das, und kann ich was bezahlen, grundsätzlich?

Anwendung unter www.pv-now-easy.de

pv@now easy basiert auf der Anwendung pv@now manager: www.pv@now.de
(Details zu den Berechnungsgrundlagen finden Sie hier.)

Das tool enthält jeweils unter (i) detailliertere Erklärungen und bietet in den Rubriken "Auslegung" und "das gute Angebot" weitere Informationen. Die Nutzung ist kostenlos.

Biomasse

Bei der Nutzung der Biomasse sind vorrangig Reststoffe aus der Land- und Holzwirtschaft oder Abfallstoffe aus den Kommunen zu verwenden. Für die Energiegewinnung sind insektenbestäubte Blühpflanzen statt Mais zu verwenden. Der Einsatz von Pestiziden ist auszuschließen. Trotz der auch auf lange Sicht aufgrund der prioritären Nahrungsmittelproduktion und des Schutzes der Biodiversität in Wald und Natur begrenzten Kapazitäten hat die Biomasse eine wichtige Funktion als Residual- und Regelenergie im Energieverbund und sollte so weit wie möglich in Kraft-Wärme-Kopplung eingesetzt werden. Biogasanlagen sollten vorrangig Reststoffe aus der Land- und Holzwirtschaft sowie der Biotop- und Landschaftspflege nutzen.

BN-Position Biogas
Land- und Forstwirtschaft

Wasser

Die Stromerzeugung aus Wasserkraft bleibt auf dem bisherigen Niveau, wobei auf Grund der Priorität des Gewässerschutzes kein weiterer Ausbau und eine ökologische Verbesserung bestehender Anlagen erfolgen sollten. Die Erhaltung natürlicher und naturnaher Fließgewässer oder die Renaturierung verbauter Gewässer hat Vorrang vor der Wasserkraftnutzung. Die Durchgängigkeit der Gewässer gehen vor.

BUND-Position Wasserkraftnutzung
LFV-BN-LBV-Position Wasserkraftnutzung

Geothermie

Stromerzeugung aus Geothermie wird in diesem Zusammenhang nicht weiter einbezogen, da sich die bisherige Entwicklung als sehr begrenzt erwiesen hat und künftige real nutzbare Potentiale nur im Bereich von 0,1 % bis 1% des gesamten Endenergiebedarfs liegen.

BUND-Position Geothermie


Erneuerbare Energien und hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplungen sollen generell von den Energiesteuern befreit werden. Bestehende Subventionen umweltschädlicher Maßnahmen sind zu streichen.

Die dezentrale Energiewende in Bürgerhand bleibt der Grundpfeiler des dynamischen, verbrauchsnahen und breit akzeptierten Ausbaus der erneuerbaren Energien. Ohne das Engagement der Bürger und die Akzeptanz in der Bevölkerung ist die Energiewende nicht zu realisieren.

Mehr Informationen:

BUND-Konzept Zukunftsfähige Energieversorgung
BN informiert: Argumente Energiewende - Windenergie