MenuBUND Naturschutz in Bayern e. V.

Land - und Forstwirtschaft

Das versteckte Problem heißt: Indirekte Landnutzungsänderung - wenn beispielsweise Urwälder für Sojaplantagen gerodet werden, die dann bei uns Massentierhaltungen für billiges Fleischen befüttern.

Andererseits mit Humusaufbau und Waldzuwachs könnte Kohlendioxid aus der Atmosphäre wieder zurückgeholt werden, zumindest mittelfristig - Gewaltige Änderungen für unsere Zukunft.

Foto: © Fachverband Biogas e.V.
Foto: © Fachverband Biogas e.V.

Biomasse

Die Potenziale der Energieeffizienz, ebenso wie alle ökologisch vertretbaren Potenziale der erneuerbaren Energien, müssen engagiert erschlossen werden. Dies gilt auch und gerade für die Biomasse. Denn die energetische Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen spielt in einer Energieversorgung, die möglichst komplett auf die Erneuerbaren setzt, eine wichtige Rolle. Biomasse ist vielfältig und flexibel einsetzbar - von Holzpellets bis zum Biogas. Die Energie ist ohne Probleme zu speichern. Deshalb kann sie die optimale Ergänzung zu Wind- und Solarenergie sein und in einem Verbundnetz deren Schwankungen ausgleichen.

Der BUND setzt sich ein für

  • eine umwelt- und naturverträgliche Gewinnung der Biomasse
  • eine effiziente energetische Nutzung der Biomasse
  • eine weitgehende Minderung der Schadstoffemissionen bei ihrer Nutzung.

Außerdem fordert er Priorität für die energetische Nutzung von Biomasse aus Reststoffen, Gülle, Bioabfall, Landschaftspflege etc. ein. Die Förderung der energetischen Nutzung ohnehin anfallender und sonst nicht genutzter Reststoffe hat Priorität vor dem Anbau von Energiepflanzen. Die energetische Nutzung von Biomasse aus der Landschaftspflege soll künftig mit einem Bonus im Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) versehen werden. Die Einhaltung von Mindestkriterien in Hinblick auf Umweltschutz, Gewässerschutz, Naturschutz und deren Einbindung in das EEG über die Biomasseverordnung sind essenziel.

Der BUND fordert, dass der Anbau von Energiepflanzen keine zusätzlichen Schäden im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft und Veränderungen von Umweltschutzgütern verursacht. Wenn ein Energiepflanzenanbau stattfindet beziehungsweise erweitert wird, sollte die Mindestanforderungen des BUND an die ökologische Verbesserung der konventionellen Landwirtschaft erfüllen.

Waldwirtschaftlicher Anbau von Biomasse

Das größte energetische Potenzial der Biomasse ergibt sich aus der Waldwirtschaft. Holzabfälle und Reststoffe lassen sich hier auf allen Stufen der Nutzungskette des Holzes energetisch verwerten: Restholz aus Durchforstung und Nutzholzeinschlag, Abfälle des Holz verarbeitenden Gewerbes, der Möbelindustrie bis hin zu verschiedenen Qualitäten des Altholzes. Der BUND setzt sich für eine naturgemäße Waldwirtschaft ein, die vielfältige standortbezogene Kriterien erfüllt: Mischung von Baumarten, Alters- und Strukturaufbau, hohe Biodiversität und Reservierung von Waldanteilen für Totholzprogramme. Neben dem wachsenden Anteil an Waldschutzgebieten muss der Umbau der Wälder hin zu Mischwald mit verschiedenen Altersklassen fortgesetzt werden.

Der BUND befürwortet die energetische Verwertung von Holz, das im Rahmen der sonst üblichen Nutzungsweisen anfällt. Hierbei ist die Verwendung von Holz als Bau- und Konstruktionsholz zu fördern, da hierdurch eine lange CO2-Bindung erreicht wird. Gleichermaßen können Zelluloseabfälle oder Recyclingpapier sehr gut zur Wärmedämmung zum Einsatz kommen. Und am Ende der vielfältigen Nutzungsformen von Holz kann immer die gezielte Gewinnung von Energie stehen.

Nur in dem Maße, wie ein Nachwachsen und Ersatz der entnommenen Biomasse gegeben ist, können biogene Energieträger als nachhaltig und als erneuerbar angesehen werden. Staatliche Fördermaßnahmen sollten daher auch an den Nachweis der Nachhaltigkeit gebunden werden. 

Import und Biomasse

Der BUND spricht sich gegen die Nutzung von importierter Biomasse aus, wenn damit nicht ein verlässlicher (unabhängig zertifizierter) Nachweis erfolgt über die Einhaltung von Mindestkriterien der Anbaumethoden, des Schutzes der Menschenrechte, dem Schutz der indigenen Völker, der ILO-Konvention (Arbeitsschutz) und dem Verzicht auf den Einsatz von GVO.

Der BUND fordert, dass die Ausweitung der energetischen Nutzung von Biomasse möglichst immer mit dem Einsatz sparsamer und effizienter Techniken verbunden ist. Die Umstellung von Öl oder Erdgas auf Holzheizung sollte mit Wärmedämmung und verbesserter Regelung der Heizungsanlage einhergehen. Förderprogramme für die energetische Nutzung von Biomasse im Wärmebereich sollten einen Bonus für solche Kombinationslösungen vorsehen. Insgesamt gesehen, bestehen technische Möglichkeiten, die mit der energetischen Nutzung von Biomasse verbundenen Schadstofffreisetzungen weit gehend zu reduzieren. Technisch können viele gesetzliche Emissionsgrenzwerte deutlich unterschritten werden. Entsprechende Fördermechanismen sollten die Einhaltung des Standes der Technik voraussetzen, Gesetze und Verordnungen sind diesem Stand anzupassen.


Biogas

Mit zunehmendem Fortschritt der Energiewende erhält Biogas neue wichtige Aufgaben in einer sicheren nachhaltigen Stromversorgung für Deutschland. Strom aus Wind und Sonne hängen ab von Tageszeit, Wetter und Jahreszeit. Flexible und richtig gesteuerte Biogasanlagen ergänzen die Stromversorgung durch die fluktuierende Wind- und Sonnenenergie. Aber Biogasanlagen können ihre Fähigkeiten bislang nur völlig unzureichend nutzen, weil zu viele Kohlekraftwerke den Markt mit Klima-schädlichem Strom überschwemmen.

Ein flexibler bedarfsgerechter Betrieb von Biogasanlagen benötigt zusätzliche Investitionen für neue Motoren und neue Gasspeicher zur Erweiterung der elektrischen Leistung, um den Strom aus Biogas verstärkt dann zu liefern, wenn kein Strom von Sonne und Wind kommt. Aber wegen des Überangebots von Strom aus Kohlekraftwerken fehlen hierzu die wirtschaftlichen Anreize. Damit alle Biogasanlagen in Zukunft die Lücken im Angebot von Strom aus Wind und Sonne füllen können, braucht es Anreize von den Strommärkten durch Abschalten der Kohlekraftwerke!

Ein nachhaltiger Einsatz der Biogastechnologie bedeutet dabei für uns auch, dass möglichst viel der bei der Verstromung anfallenden Wärme genutzt wird. Die Ökologisierung der Biogasnutzung ist möglich und notwendig. Es ist wichtig, dass Politik und Gesellschaft den besonderen Wert von Biogas erkennen. Biogasstrom wurde bisher oft als Grundlastversorgung gesehen, aber in Zukunft gibt es immer mehr Zeiten, in denen Wind und Sonne den kompletten Strombedarf decken. Biogas muss sich auf den zukünftigen Bedarf einstellen.

Mehr Informationen:

BUND-Position Biomasse
PM-002-18 Neue Aufgaben für Biogas gemeinsam mit Sonne und Wind
Biogas Nutzung
Biogas-Agrargas
BN-informiert: Umweltverträgliche Nutzung von Biogas


Nachwachsende Rohstoffe

Die Nutzung von Biomasse aus Landwirtschaft, Waldwirtschaft, Grün- und Biotoppflege muss ganzheitlichen ökologischen Kriterien entsprechen.

Wesentliche Bewertungskriterien für den Bund Naturschutz sind: 

  • Flächenbedarf
  • Klimaschutz
  • Ökobilanz
  • Artenvielfalt
  • Wahre Kosten

Energiepotenziale sind für den Bund Naturschutz bei ohnehin anfallenden Reststoffen (z.B. Landschaftspflegeprodukte, Industrieresthölzer, Altholz) vorrangig zu erschließen. Bei der direkten energetischen Holznutzung sind Potentiale nur in einer für das jeweilige Waldgebiet spezifisch festgelegten Menge zu nutzen. Maßstab hierfür ist eine ökologische Waldwirtschaft ohne Nachteile für die nachhaltige Waldqualität und insbesondere die natürliche Artenvielfalt.

Mehr Informationen:

Position Nachwachsende Rohstoffe
Referat Wald


Landwirtschaft

Unsere landwirtschaftliche Nutzfläche wird jedes Jahr weniger, wertvolle Böden werden überbaut, Wiesen und Weiden aufgegeben oder zu Lasten der Artenvielfalt intensiviert. Doch das ist nicht der Landwirtschaft an sich anzulasten, sondern den agrarpolitischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Wir brauchen politisches Handeln gegen die zunehmende Marktmacht der Agrarkonzerne. Wir als Verbraucherinnen und Verbraucher sind dazu aufgefordert, dieses Umsteuern auf politischer Ebene mit voranzubringen. Wir können durch unser Ess- und Kaufverhalten sehr wohl entscheiden, welche Art von Landwirtschaft wir wollen. Es lohnt sich, für eine Landwirtschaft einzutreten, die für alle Beteiligten Vorteile bringt: für die Bäuerinnen und Bauern, für uns Verbraucher, für die Nutztiere und die Natur.

Was können wir Verbraucher tun:

  • Naturschutz in den Einkaufskorb: Bio-Lebensmittel
  • Regional und saisonal auf den Teller
  • Bei Import-Lebensmittel: Fairtrade
  • Ernährung überdenken
  • Lebensmittel sind zu schade für die Tonne
  • Nicht nur auf den Inhalt kommt es an: Verpackungen

Der BUND Naturschutz fordert eine klare Abkehr von der Exportausrichtung und Weltmarktorientierung der Agrarpolitik. Agrarsubventionen müssen umverteilt und am Gemeinwohl ausgerichtet werden und Obergrenzen für die Zahlungen festgelegt werden, um keine weiteren Anreize für Betriebsvergrößerungen zu schaffen. Die Landwirtschaft muss wieder mehr an die regionalen Gegebenheiten der einzelnen Regionen und Länder mit ihren Naturvoraussetzungen angepasst und die Tierhaltung und Fütterung konsequent am Tierwohl und der Würde der Nutztiere ausgerichtet werden. Als Verbraucherinnen und Verbraucher können wir über unser Konsumverhalten und nachhaltige Ernährung einen Beitrag leisten. Naturschutz mit dem Einkaufskorb führt zur Partnerschaft von Naturschutz und Landwirtschaft. Als Wählerinnen und Wähler stimmen wir auch über eine Agrarpolitik ab, die bäuerliche Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung mit Rücksicht auf Naturschutz und Tierwohl fördern kann.

Mehr Informationen:

BN-Position Landwirtschaft
Referat Landwirtschaft


Kurzumtriebsplantagen

In Kurzumtriebsplantagen wird mit schnell wachsenden Gehölzen mit hohem Stockaustriebsvermögen (vor allem Weiden und Pappeln) Holz produziert, das in Form von Hackschnitzeln oder Holzpellets vor allem zur Wärmeerzeugung verwendet wird. Waren Kurzumtriebsplantagen vor einigen Jahren noch in Deutschland kaum bekannt, wird mittlerweile eine zum Teil kontroverse Diskussion um Chancen und Risiken geführt. Einerseits gibt es Befürchtungen hinsichtlich einer Umwandlung von Wald oder ökologisch sensiblen Flächen für diesen Zweck, andererseits geht es um die Chancen einer wachsenden Substitution fossiler Energieträger. Darüber steht noch das generelle Problem einer zunehmenden Flächenkonkurrenz bei der Sicherung unserer Ernährungsgrundlagen.

Nötig sind klare Ausschlusskriterien, die eine solche Nutzung verbieten. So werden Kurzumtriebsplantagen im Wald (in naturnahen Mooren, auf Naturschutzflächen etc.) abgelehnt. Seit der letzten Änderung des Bundeswaldgesetzes sind Kurzumtriebsplantagen eindeutig nicht mehr als Wald eingestuft, so dass eine Umwandlung von Wald in Kurzumtrieb weiter erschwert wird. Zum anderen ist bei der Bepflanzung von landwirtschaftlichen Flächen mit Gehölzen für den Kurzumtrieb aber eine differenzierte Sichtweise erforderlich.

Der BUND vertritt eine Landnutzung in Deutschland, die vielen Zielen gerecht wird:

  1. Die Bereitstellung von gesunden Lebensmitteln. Diese sollen menschen- und umweltverträglich produziert werden, etwa mit einem hohen Anteil von ökologischem Landbau, ohne den Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen, Pestiziden und synthetischen Düngemitteln.
  2. Erhalt der Lebensraumfunktion und der Selbstorganisationsfähigkeit der Landschaft. Dazu gehört zentral die Vielfalt der Arten und der Landschaften. Erreicht werden soll dies unter anderem durch einen Biotopverbund und den Erhalt und die Entwicklung von Wildnisgebieten.
  3. Erhalt der Bodenfruchtbarkeit durch einen wirksamen Bodenschutz.
  4. Ausgeglichener Wasserhaushalt, der Grundlage für einen effektiven Gewässerschutz ist.
  5. Erträgliches Klima, das durch einen umfassenden Klimaschutz zu sichern ist.

Mehr Informationen: BUND-Position Kurzumtriebsplantagen