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Null Toleranz für Gentechnik in Lebensmitteln!

Am 6. Juni protestierten in München ca. 50 Aktivisten vor der CSU-Zentrale dafür, dass in der EU nicht zugelassene gentechnisch veränderte Organismen auch weiterhin nicht in Lebensmitteln enthalten sein dürfen. CSU und Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner sollen in Brüssel ihr Veto einlegen gegen Pläne der EU, die Nulltoleranz aufzuheben.

Organsiert wurde die Demonstration vom „Das Bündnis Bayern für gentechnikfreie Natur und Landwirtschaft“. Die EU-Pläne sind ein „nicht hinnehmbarer Angriff auf die Wahlfreiheit der Verbraucher für Lebensmittel ohne Gentechnik“, erklärte Dr. Martha Mertens, Gentechnikexpertin des Bundes Naturschutz. Würde die Nulltoleranz-Grenze für gentechnisch veränderte Organismen  (GVO) aufgehoben, würde das bedeuten, „dass Verunreinigungen von GVO, die keine abschließende Sicherheitsprüfung durchlaufen haben, bis zu 0,1 Prozent in der Nahrungskette legalisiert würden. Ein solches neues zusätzliches Risiko für die Verbraucher wäre auch ein Verstoß gegen das Vorsorgeprinzip der EU- Gentechnikgesetzgebung.“

Das Bündnis forderte deshalb die CSU Landesleitung und Ministerin Ilse Aigner auf, sich mit Nachdruck in Brüssel mit einem Veto gegen die bekannt gewordenen Pläne der EU-Kommission einzusetzen. „Wenn die CSU sich gegen den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Bayern ausspricht, muss sie auch die Wahlfreiheit der Verbraucherinnen und Verbraucher ernst nehmen und einen Verschmutzungsgrenzwert ablehnen, sonst entstehen Zweifel an Ihrer Glaubwürdigkeit“, so Mertens.  

Würde die Nulltoleranz bei Lebensmitteln aufgehoben, dann könnten Verunreinigungen in allen Lebensmitteln auftreten, die Bestandteile von Nahrungspflanzen enthalten, die als GVO in Ländern außerhalb der EU angebaut werden. Neben Mais oder Soja könnte es auch andere Pflanzen betreffen. Die Produktion ökologischer und gentechnikfreier Lebensmittel würde deutlich erschwert und durch zusätzliche Kontroll- und Analysekosten stark verteuert. Hinzu kämen die nach wie vor unkalkulierbaren Risiken durch gentechnisch veränderte Konstrukte in der Nahrung. 

Die Aushebelung des Grenzwerts wird vor allem von den Futtermittelimporteuren und den großen Ölmühlen gefordert, die dann nicht mehr strikt auf Warenstromtrennung bei Importen z.B. von Soja oder Mais achten müssten. Im vergangenen Jahr wurde eine Verschmutzungstoleranz für GVO von 0,1 % in Futtermittel in der EU zugelassen. Viele Ölmühlen stellen neben Futtermitteln jedoch auch Nahrungsmittel, wie z.B. Sojalecithin oder Sojaöl für Speisezwecke her. Sie drängen deshalb auch auf die Aufhebung der Nulltoleranz bei Lebensmitteln. 

Gentechnikfreiheit auch beim Anbau

weiter sichern!

Das Bündnis fordert zudem ein Nein Deutschlands und der zuständigen Ministerin Ilse Aigner zu den befürchteten neuen Anbauzulassungen in der EU. Berichten aus Brüssel ist zu entnehmen, dass die EU-Kommission die Wiederzulassung der in Deutschland verbotenen insektenresistenten Maislinie MON810 beabsichtigt. 

Außerdem seien Neuzulassungen weiterer Gentech-Maislinien wie Bt11, 1507 und MON88017 geplant. Alle drei Linien sind insektenresistent, d.h., sie tragen ein Toxingen aus dem Bakterium Bacillus thuringiensis. Zusätzlich sind sie resistent gegen den Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln, denn sie tragen auch Resistenzen gegen Totalherbizide: Bt11 und 1507 sind resistent gegen Glufosinat und MON88017 ist resistent gegen Glyphosat, den Wirkstoff von Roundup. Auf  der Zulassungsliste stehen auch die gegen Glyphosat resistente Sojalinie Mon40-3-, die Zuckerrübe H7-1, und die Maislinie NK603. 

Dass der Anbau derartiger GVO die Probleme der Landwirtschaft nicht löst, sondern im Gegenteil verschärft, zeigt sich in Ländern wie USA, Brasilien und Argentinien: Der Herbizideinsatz steigt dramatisch an, die Fruchtbarkeit der Böden wird gefährdet, herbizidresistente Unkräuter nehmen überhand und resistente Schädlinge breiten sich aus. Darüber hinaus wird die Artenvielfalt stark reduziert. Profiteure sind in erster Linie die internationalen Unternehmen, die diese GVO entwickeln und die über eigene Saatgutsparten den Markt beherrschen und über Patente die Landwirte binden. Verlierer sind die bäuerlichen Betriebe und die Umwelt. 

Nicht nur Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen in Europa, auch unabhängige Wissenschaftler, nationale Sicherheitsbehörden und Regierungen haben begründete Zweifel an der Sicherheit von Gentech-Pflanzen“,  Auch die Verbraucherinnen und Verbraucher lehnen Gentechnik im Essen und auf dem Acker nach wie vor ab.  

„Wir akzeptieren keinen Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen“, so Manfred Hederer , der die Interessen der deutschen Erwerbsimker vertritt, „denn Gentechnik führt zur weiteren Ausräumung der Kulturlandschaft und erhöhtem Gifteinsatz , was den Todesstoss für die ohnehin gefährdeten geschwächten Bienen bedeuten würde. Bienen sind ein wichtiger Indikator für die Qualität unserer Lebensräume, diese dürfen nicht den Interessen weniger Gentechnikkonzerne und Lebensmittelmultis geopfert werden.“

Für Rückfragen
Marion Ruppaner
Referentin für Landwirtschaft und Ernährung
Bund Naturschutz in Bayern e.V.
Tel. 09 11 / 8 18 78 21
marion.ruppaner(at)bund-naturschutz.de