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BIOLOGIE DER SCHÖNHEIT

Ästhetik kommt vom griechischen Aisthesis, Empfindsamkeit – und lebt auch noch in Anästhesie, unempfindlich machen, weiter. Was davon hat uns die Natur in die Wiege gelegt? Gibt es Maßstäbe für das Schöne, die nicht bloß Intuition, nicht bloß kulturell geprägt sind?

Adiantum pedatum, Haarfarn, Foto: Karl Blossfeldt

Eben weil es so unterschiedliche kulturelle Vorlieben gibt, ist die Frage umso interessanter: Gibt es überkulturelle Einigungen auf das Schöne – als menschliche Universalien der Ästhetik?

Wie gottlos ist die gerade Linie

In seiner ästhetisch angelegten Architekturkritik verteufelte Friedensreich Hundertwasser rechtwinkelige Kistenmacherei und technische Monotonie: »Das Lineal ist das Symbol eines neuen Analphabetentums, das Lineal ist das Symptom der neuen Krankheit des Zerfalls. Die heutige Architektur ist kriminell steril. … Auf dem Glatten rutscht alles aus. Auch der liebe Gott fällt hin, denn die gerade Linie ist gottlos.«
Ist Unregelmäßigkeit, Unordnung, krumme Linie, Antigeometrie wirklich schon Rezept für Schönheit? Wie kommt ein natursensibler Künstler dazu, gerade die Gerade zu verteufeln, wenn er nach einer dem Menschen gemäßen Formenwelt sucht?

Krümme eines Bischofsstabs, Kupfer, vergoldet, Deutschland 1530, Museum Schnütgen, Köln

Naturwesen Mensch

Der Mensch ist konstitutionell an reich strukturiertes Gelände mit vielfältiger Pflanzenwelt angepasst, insbesondere Savannen mit Baum- und Buschgruppen, besonders auch an Wasserrändern. Der Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeldt spricht gar von ausgeprägter »Phytophilie« (Pflanzensehnsucht) – wo er kann, holt der Mensch Pflanzenformen in seinen Lebensraum, entweder als lebendes Gewächs in der modernen Wohnhöhle oder künstlerisch verschlüsselt – vom Acanthuskapitell korinthischer Säulen bis zum floralen Jugendstildekor. Erst der »Funktionalismus« verbannte die Pflanzenornamentik aus der Architektur und schuf damit bald unbewusste Mangelerlebnisse für das uralte Naturwesen Mensch. Die Zunahme nervlich seelischer Zivilisationsschäden führen Psychologen auch auf den oft unbewussten Naturverlustschock zurück.

 

 



These: Naturformen als Seelenvitamin

Im Umfeld eines Papua oder Amazonasindianers konnte man jahrelang leben, ohne einer »gottlosen« Geraden zu begegnen. Ja selbst in den Landschaften Mitteleuropas fällt die gerade Linie sofort aus dem Rahmen, kann der Betrachter sicher sein, dass hier die Technik des Menschen ihre verfremdende Spur gezogen hat. Und der Ökologe weiß zudem, dass diese Geraden dann auch in der Regel zum »Werkzeug des Teufels« werden. Die schnurgeraden Trapezprofile der Bachregulierer haben Flussleichen in Betonsärgen hervorgebracht, öde Gerinne, die nicht nur das Auge beleidigen, sondern auch funktionell versagen.
Doch ist die ökologische Kritik an der Geraden lediglich eine späte Bestätigung des künstlerischen Empfindens, wie unnatürlich technisch-geometrische Perfektion sei, Rechtfertigung einer Intuition, die ahnte, dass sich die Ordnung des Lebendigen grundsätzlich in anderen Formen ausdrückt, und dass Tausende Generationen des Menschengeschlechtes vor uns in organisch bestimmten Umwelten aufwuchsen, lebten, liebten und starben, in denen sie niemals einer makellosen Geraden, perfekten Symmetrien oder gar spiegelblanken, geometrischen Großformen begegneten. Doch zu welchem Schluss berechtigt dies? Ist es trotz alledem nicht müßig, die Faszination zu leugnen, die von geometrischen Objekten ausgeht?

Gegenthese: Der Reiz des Regelmäßigen

Erfüllten nicht schon die Ägypter mit ihren als Weltwunder bestaunten Pyramiden einen Menschheits­traum? Ein Widerspruch? Selbst die Natur produziert, dort wo sie »Aufsehen erregen muss«, also optische Signale aussendet, klare Formen, die in gesetzmäßiger Weise aus dem Rahmen organischer Unregelmäßigkeit und verwirrender Zufallsstrukturen ausbrechen. Da tauchen plötzlich recht strenge Symmetrien, simple Ordnungen und einprägsame Farbmuster auf.
Eben weil der, allen Augenwesen instinktiv vertraute, Normalfall der organischen Natur die Unregelmäßigkeit ist, bedarf es klarer Ordnung als Kontrast, um Aufsehen zu erregen. Deshalb fühlen sich die meisten augenorientierten Organismen in der Unregelmäßigkeit zwar geborgen und angeheimelt – hingegen durch geometrische Ordnung angelockt.

Steinrosette des Straßburger Münsters

Blumen und Rosetten

Eine der erfolgreichsten ästhetischen Wirkungen wird durch Symmetrie, besonders durch Radiärsymmetrie erreicht, von den strahligen Blüten und Blütenständen bis zur strahligen Monstranz des Pfauenrades. Spiegelungen im Wasser sind ein beliebtes Motiv der Landschaftsfotografie, Kaleidoskopbilder faszinieren uns ähnlich wie gotische Rosettenfenster.
Die Blumenpracht ist eine Schaufensterdekoration der Natur, im Wettbewerbsgeschehen der Evolution herausgezüchtet, um Insekten anzulocken. Und eben deshalb ist es naturphilosophisch so interessant, dass optische Signale, für deren Entstehung die Anziehungskraft auf die Facettenaugen vorbeifliegender Nektarsucher mit ihren stecknadelkopfgroßen Gehirnen maßgeblich war, auch den Menschen mit seiner ganz anderen Sinneswelt unwiderstehlich anziehen.

 

 

 

Die Suche nach Ordnung, den Augenwesen angeboren

Dies erklärt auch, warum augenorientierte Tiere ästhetische Ordnungen dieser Art aktiv suchen. In Wahlversuchen mit Affen, Waschbären, Dohlen und Krähen zeigte Bernhard Rensch, dass die Tiere regelmäßige Formen den unregelmäßigen und Symmetrie der Asymmetrie vorziehen. Dieselben Muster werden von Menschen schon auf Kindheitsstufe ästhetisch höher eingestuft als regelose, unsymmetrische, nicht parallele Muster.
Auf meine Bitte hin machten Irenäus Eibl-Eibesfeldt und Christa Sütterlin mit Kindern von Naturvölkern Wahlexperimente zwischen Kristallen (Pyrit, Glas) und organischen Formen (schöne Meeresschnecken, kleine Tierplastiken). Sie fanden eine überwältigende Präferenz für die anorganischen glänzenden geometrischen Kristalle. Die Naturkinder suchten gerade jene Rarität, die ihnen die Natur, wenn überhaupt je, nur ausnahmsweise bot.
Auf das Seltene zu reagieren, kann durchaus sinnvoll sein. Alles, das süß schmeckte, brachte unseren wilden Ahnen, ohne dass sie es wussten, zugleich auch Vitamine. Das Süße signalisiert die Natur oft durch »glänzend, rund, kontrastfärbig« (Kirsche, Beerenobst). Die Suche nach dem Salzigen, das unsere Primatenahnen nur ausnahmsweise fanden, ergänzte den Ionenhaushalt, sicherte das Natrium- und Chlorinventar ihrer Körperflüssigkeiten.

Rhythmus statt Stereotypie

Die rhythmische Wiederholung gleicher (nicht identer) Teile ist ein wesentliches Konstruktionsprinzip und Erkennungsmerkmal des Lebens – man denke an Zellstrukturen, an Raupen oder Fiederblättchen. Häufig wird rhythmische Wiederholung auch als visuelles Signal entwickelt, um aufzufallen (vgl. die Streifenmuster von Korallenfischen, Wespen u.v.a.m.). Deshalb sprechen Tier und Mensch auf solche Strukturen positiv an, wurde Wiederholung zum Gestaltungsprinzip dekorativer Kunst – von der Perlenkette bis zum klassischen Ornament des »laufenden Hundes« oder den gestickten Borten aller Zeiten und Völker. Säulenordnungen, Arkaden, Alleebäume, Menschen in Reih und Glied drücken die formale Freude an rhythmischer Wiederholung aus. Natur und Handwerkskunst garantierten jedoch stets eine leichte Unregelmäßigkeit, die Einheitlichkeit konnte nie zur Monotonie, der organische Rhythmus nie zur technischen Stereotypie verkommen.

Alter Olivenstamm

Warum ist Gotik schön? Warum Baumkronen?

Hätten wir in der Bautechnik auf kühne statische Konstruktionen so lange warten müssen, bis es auch möglich sein würde, sie wissenschaftlich zu durchschauen und vorauszuberechnen, hätte es keine gotische Architektur gegeben. Denn lange vor der rechnenden Statik fanden die gotischen Meister zu atemberaubenden statischen Lösungen, indem sie eine »Kraftlinienarchitektur« aus organischen Skelettformen erstehen ließen (wie wir sie in der Natur überall dort verwirklicht finden, wo es darum geht, mit einem Minimum an Material ein Maximum an Stabilität zu erreichen).
Ein künstlerisch anregendes Beispiel sind auch die mikroskopisch kleinen Radiolarien, einzellige Meeresplanktonten, nicht größer als Staubkörner, die schon von Ernst Haeckel als »Kunstformen der Natur« bezeichnet wurden, weil sie aussehen, als hätten gotische Meister sich dort ihre Inspirationen geholt. Wegen ihrer schwebenden Lebensweise müssen die Kieselgerüste so filigran wie möglich sein – wie es ja auch das Ideal der Domsteinmetze war, ihre Steingebilde zu »entschweren«.
Das Motiv der Baumeister dafür war die damals aufkommende »Lichtmystik«, welche den Kirchenraum – magisch lichtdurchflutet – als Abbild des Himmels sehen wollte. Deshalb war es erforderlich, die Baukörper transparent erscheinen zu lassen, ihre Steingebilde zu »entschweren«, zu schwebenden mineralischen Skeletten mit ihren dem Organischen entstammenden Gestaltsprinzipien.
Der Anschliff eines Oberschenkelknochens lässt in seinem Inneren entsprechend den Drucklinien die Spitzbogenarchitekur eines gotischen Kirchenschiffes erkennen. Selbstverständlich gelten »gotische« Kraftlinienkonstruktionen für viele Pflanzenstrukturen, etwa Stengelquerschnitte, die aussehen wie Turmgrundrisse. Ein über einer Straße sich schließender Buchenwald erweckt den Eindruck eines Domes. Die faszinierenden Übereinstimmungen von Naturobjekt und Menschenwerk ergeben sich aus der Befolgung organischer Form- und Funktionsgesetze, die vom Baumeister durch bewusste und unbewusste Naturerfahrung intuitiv erfasst und in die Architektur übertragen wurden. Eben dies ist auch der Grund für ihren ästhetischen Reiz.

Gotisches Netzgewölbe, Königswiesen, Niederösterreich

Schönheit der Funktion

Zweifellos also gibt es Schönheit als »Nebenprodukt« von Funktion, vor allem im Bereich des Lebendigen; unser Gehirn erkennt in allen biologischen Formen vertraute Prinzipien wieder, und doch geht ein technisch-kommerziell eingeengter Funktionalismus am Wesen der Schöpfung vorbei. Er reicht nicht aus, die Vielfalt und Schönheit der Natur zu erklären, denn: Die Zahl der Formen ist größer als die der Funktionen. Allein Costa Rica hat 1400 Orchideenarten, deren tausendfältige Blütenvielfalt auch nichts anderes erreicht als ein Gänseblümchen – nämlich die Bestäubung. Es muss im Leben doch nicht alles funktional sein, sofern es nicht antifunktional, also funktionsstörend ist (das heißt: geduldet wird, was keine Überlebensnachteile bringt). Die Natur schafft nicht wie ein Ingenieur, sondern wie ein verspielter Künstler.

Schönheit als Funktion

Bei Sonnenblume und Orchideenblüte, Schillerfalter und Tagpfauenauge, Flaggenbuntbarsch, Neonsalmler, Clown- und Picassofisch, Farbfrosch und Feuersalamander, Eisvogel, Mandarinente und Ara ist Schönheit nicht Nebenprodukt von Funktion: Hier wird Schönheit zur Funktion, denn nur das »starke« optische Signal kann Locken und Warnen, sogar über Artgrenzen hinweg. Und kein anderes Organ – und sei es noch so wichtig – darf die ästhetische Funktion (heißt hier starke visuelle Wirkung) stören. Eine scheinbar totale Umkehr des funktionalistischen Dogmas, dass Form der Funktion zu folgen habe. Denn, dass man Schönheit um der Schönheitswirkung willen schaffe, galt lange Zeit als überholt.


Eine Zwischenbilanz

Bestimmte visuelle Eindrücke gelten in verschiedensten Kulturen übereinstimmend als »schön«. Sie sind in Schmuckdesign, Bildender Kunst und Werbegraphik erfolgreich, zum Beispiel Blüten und Schmetterlinge, Spiegelsymmetrien, Kaleidoskope, Kristalle, rhythmische Wiederholung, spektrale Farbfolgen (von irisierenden Strukturfarben bis zum Regenbogen), Faszination des (scheinbar) Unnatürlichen (z. B. Geometrie, Metallglanz, Leuchtorganismen). Was haben diese Elemente gemeinsam?

Erstens: Simple Ordnungen, Spiegelsymmetrie, Radiärsymmetrie, Geometrizität, auffallend durch Kontrast und Seltenheit, einprägsam durch Einfachheit. Diese bereits auf augenorientierte Tiere und Kinder stark wirkenden Prinzipien sind seit längerem erkannt. Doch erklären diese nicht die Schönheit von Flussmäandern, Bergen und anderen Erosionsformen, Faltenwürfen, Strömungsbildern und Stromlinienformen; Pflanzengestalten mit ihren Verjüngungen und Verästelungen, Farbschlieren in einer Küvette und Regenbogenspektren. Dies führte zu scheinbar unüberbrückbaren Konflikten zwischen Schönheitssuchern verschiedener Schulen. Die einen betonen die Bedeutung strenger Ordnungen für Ornament und Architektur. Die Gegenposition hielt Hundertwasser mit seiner These von der »gottlosen Geraden« und seiner fast kompromisslosen Anbetung des Unregelmäßigen als Basis organischer Schönheit. Ernst Haeckel wundert sich bereits in seinen »Kunstformen der Natur« (1899–1904), dass alle von ihm als hochwirksam erkannten ästhetischen Prinzipien wie Symmetrie und Geometrie ausgerechnet in der ästhetischen Betrachtung von Landschaften versagen, ja Geometrie und Gerade dem feineren Geschmack ästhetischer Betrachter in der Natur unerwünscht sind. Der gemeinsame Nenner, so das Ergebnis dieser Studie, findet sich in einer konsequenten Weiterführung von Ansätzen der Evolutionären Erkenntnistheorie.
Zweitens: Ablesbare Gesetzmäßigkeiten – erkennbare Spuren formender Kräfte. Die über simple Ordnungen und Kontraste hinausgehenden Elemente der »höheren Ästhetik« wirken auf die Fähigkeit des Menschen zum »denkenden Schauen«, die ihn zum Erfolgstyp der Evolution werden ließ: sein rastloses Erspüren von Ursache und Wirkung, seine Suche nach Gesetzmäßigkeiten, nach Sinn und Bedeutung aller Erscheinungen. Sie verlieh diesem Werkzeug- und Feueraffen Macht – nämlich Vorhersagbarkeit. Seine Umwelt wurde prognostizierbar, damit beherrschbar.
Gestalten, welche die Wirkung formender Kräfte verraten, erzeugen in ihm Wohlgefallen, sei es die ablesbare Statik von Pflanzenkörpern, eleganten Brücken oder Kathedralen, die ablesbaren Stromlinien von Fischen, Schiffen, Vögeln und Flugzeugen, seien es die Wechselwirkungen von Wind und Sand in den Dünen der Sahara, Faltungen von Stoffen, ja von geologischen Schichten zu Gebirgen, seien es die rhythmischen Schlingen eines Flussmäanders, seien es die gesetzmäßigen Farbfolgen eines Regenbogens, sei es das erahnte Gesetz logarithmischer Spiralen, die zugleich Wachstumsgesetze ausdrücken können, sei es als simpelster Sonderfall des Gesetzmäßigen die ablesbare Ordnung geometrischer Gebilde und Symmetrien oder als komplexer Fall erahnter Ordnung die (errechnete!) Schönheit fraktaler Computergraphiken.
Die Befriedigung unserer Ordnungssuche ist am höchsten, wenn unser Wahrnehmungsapparat dabei Unregelmäßigkeiten und Störungen wegfiltern, wegrechnen musste, um das reine Prinzip herauszudestillieren. So ist Rhythmus (die Wiederholung von Ähnlichem) reizvoller als Stereotypie (monotone Wiederholung von Identem). Am interessantesten sind optische Erlebnisse an der Grenze von Ordnung zum Chaos, wo Vorhersagbares in Unberechenbares umschlägt.

Saxifrage, Steinbrech, Foto: Karl Blossfeldt

Ästhetik zwischen Natur und Kultur

Die Natur unserer Ästhetik verlangt keineswegs nur nach der Ästhetik der Natur! Deshalb kommt man in der Bio-Ästhetik mit einer »Ideologie des Natürlichen« nicht sehr weit. Sie bleibt immer nur Teil der Wahrheit. Der andere Teil der Wahrheit ist der Reiz des Raren, die Anziehungskraft des Unnatürlichen, Künstlichen. Die Natur selbst bedient sich oft sogar ausgesprochen »unnatürlicher« Effekte, um Aufsehen zu erregen: von »metallischen« Interferenz- und Schillerfarben bis zur »Lichtreklame« von Leuchtorganismen.
Eben weil uns Kristallisches, Metallisches und Geometrisches als Kontrast zum Organischen seit jeher so fasziniert, sind uns diese Elemente technokratischer Architektur über den Kopf gewachsen (sie appellieren an die unterste primitivste Ebene ästhetischen Empfindens). Der Pendelschlag zum Organischen ist heute eine lebensnotwendige geistesgeschichtliche Reaktion auf dem Weg zu einer neuen Baukultur. Sie wird aus einer Neubewertung des Handwerklichen, einer neuen Ehrfurcht vor der Natur um uns, Kenntnis der Natur in uns und Respekt vor den zeitlosen Werten gewachsener Kulturen kommen müssen, denen wir letztlich unser Menschsein verdanken.
Denn wie definiert Konrad Lorenz den Homo sapiens? Als »Kulturwesen von Natur aus«. Damit ist er auch das Wesen mit dem fallweise natürlichen Hang zum Unnatürlichen.
Während eine rettungslos rückständige Avantgarde die Schönheit fürchtet wie der Teufel das Weihwasser, weisen Konrad Lorenz, Ernst Gombrich, Irenäus Eibl-Eibesfeldt und die neuen Aspekte dieses Artikels den Weg zum Verständnis wesentlicher »Vokabeln des Schönen«, die jeder Planer und Designer, Marketing- und PR-Stratege kennen sollte, während sich Architekten in einer trotzigen Subkultur technoider Minimalisten einigeln und das unter Verbrauch von Milliarden und Zerstörung gewachsener Urbankulturen.


Der Autor: Professor Dr. Bernd Lötsch, Generaldirektor des Naturhistorischen Museums Wien, ist einer der Wegbereiter der österreichischen Ökologiebewegung. 2004 verlieh im der Bund Naturschutz den Bayerischen Naturschutzpreis, vor allem wegen seiner Verdienste um die Rettung der Donau-Auen bei Hainburg.

Aus: Natur+Umwelt 4-2008