MenuBUND Naturschutz in Bayern e. V.

KÜNSTLER FÜR DEN NATURSCHUTZ, GESTERN UND HEUTE

Von Hermann Löns bis Haindling: Kunstsinnigen Menschen liegt oft auch die Natur am Herzen. Künstler standen sogar an der Wiege des BN.

Radiolarien, Strahlentierchen von Prof. Dr. Ernst Haeckel

Als am 26. Juni 1913 der Bund Naturschutz in Bayern gegründet wurde, war die Zielsetzung neben dem Einsatz für Tier- und Pflanzenarten und landschafts­prägende Lebensräume nicht zuletzt auch, die Schönheit der Landschaft zu erhalten. Die Empörung über »landschaftsverschandelnde« Projekte veranlasste namhafte Münchner Künstler, unter anderem Gabriel von Seidl, Gründer des Isartalvereins, sich für den Naturschutz zu engagieren, was schließlich auch zur Gründung des BN führte.

Ziel war »der Schutz des Gesamtbildes der Landschaft und ihrer Teile«, wie der – übrigens musisch sehr begabte – Lehrer Johann Rueß, damals Vorstandsmitglied, treffend formulierte. Der frühe Naturschutz setzte sich also gerade auch für ästhetische Ziele ein. Nicht nur in Bayern, sondern in ganz Deutschland stand die Kunst mit an der Wiege des Naturschutzes, denn es ging den Naturschützern in erster Linie darum, beeindruckende Landschaften zu erhalten, welche die Menschen zu Gedichten oder Gemälden im Geiste der Romantik inspirierten. Nicht verwunderlich ist es daher, dass die ersten Naturschützer vor allem Maler, Musiker und Schriftsteller waren.
Drei bekannte Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts möchte ich in Erinnerung rufen: Der Begriff Naturschutz wurde 1888 von dem Komponisten und Pianisten Prof. Ernst Rudorff (1840 –1916) geprägt. 1904 gründete er den Deutschen Bund Heimatschutz, eine Bewegung, die ein umfassendes und erfolgreiches Konzept zur Bewahrung der Heimat erarbeitete. Oder Prof. Dr. Ernst Haeckel (1834 –1919), der den Begriff der Ökologie prägte: Seine Zeichnungen der Radiolarien oder Kalkschwämme sind von großem ästhetischem Reiz und gehören zu den ­schönsten wissenschaftlichen Zeichnungen. Als Dichter von Heide- und Jagdgeschichten ist Hermann Löns (1866 –1914) gemeinhin bekannt. Weit weniger bekannt ist, dass Löns als Jugendlicher ein hervorragender Weichtier-Kenner gewesen ist, der sich um das Wissen von der Weichtierfauna seiner Heimat hervorgetan hat – und der auch den kritischen Satz formulierte: »Die Naturzerstörung arbeitet en gros, der Naturschutz en detail.«

Dieser Tradition fühlen sich bis heute viele Künstler verpflichtet. So begleitet unsere aktuelle Unterschriftenkampagne für die Donau eine Konzerttournee des Musikers Hubert von Goisern, unterstützt von unserem Naturschutzpreisträger Hans-Jürgen Buchner. Oder man denke an die vielen Persönlichkeiten, die sich 2004 für unser Volksbegehren »Aus Liebe zum Wald« einsetzten, etwa der inzwischen leider verstorbene Schriftsteller Carl Amery.

Die Tradition kunstgeprägter Persönlichkeiten haben im BN unter anderem unser langjähriger Vorsitzender Hubert Weinzierl mit seinen Gedichtbänden und unser ehemaliger Würzburger Kreisvorsitzender und Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des BUND, Prof. Dr. Gerhard Kneitz, mit seinen Bildern fortgesetzt.

 

 

 

Naturschutz und Kunst eint das gleiche wache, offene Erleben mit allen Sinnen und Gefühlen.

Seit einigen Jahren wird dem Aspekt der Natur oder Landschaft als Kunst noch der Aspekt Kunst in der Landschaft hinzugefügt; oft verändern dabei Witterung und Wachstum der verwendeten Materialien das Kunstwerk. So entsteht Dynamik, wie beim BN-/BUND-Projekt WestÖstliches Tor am Grünen Band bei Duderstadt: Zwei zwölf Meter hohe Eichenstämme, am Boden mit einer Edelstahlschwelle verbunden, formen ein großes, offenes Tor, welches direkt auf der alten Grenzlinie steht. Das Tor lädt ein zum Durchblick auf die zusammenwachsende deutsche Landschaft, zum ungehinderten und ungefährdeten Durchschreiten und zur Erinnerung. So schaffen Künstler auf einer Ebene Zugang zur Natur und Umwelt, die jenseits von Zahlen und Fakten liegt. Aber man muss kein bekannter Künstler sein, um sich künstlerisch mit der Natur auseinanderzusetzen. Beeindruckend hat dies unser Fotowettbewerb »Heimat in Fokus« gezeigt, an dem sich 2006 die Leser der N+U mit Hunderten hervorragender Bilder beteiligt haben.
Dass sich Künstler in ihrem Umweltengagement nicht nur auf den Arten- und Landschaftsschutz beschränken, zeigen beispielhaft die Biermösl Blosn oder auch die Wellküren mit ihrer Aussage: »Wenn der BN gegen die Gentechnik protestiert, dann sind wir natürlich dabei. Wir wollen kein Genfood und brauchen keine Anti-Matsch-Tomaten. Biss haben wir selber.«


Der Autor: Prof. Dr. Hubert Weiger, ist Landesvorsitzender des BUND Naturschutz.
Aus: Natur+Umwelt 4-2008