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LILA HAI UND SCHLEIERFLOSSE: KUNST FÜR KINDER

»Scheibenkleister«, flucht der siebenjährige Paul leise, »jetzt hab ich mich vermalt.« Aber auch sein »Zauberfisch« wird am Ende ein tolles Kunstwerk.

Auch Yara hat so ihre Probleme. Gar nicht so einfach, die Umrisse ihrer Fische, wie sie sich die Kinder in der Phantasie vorstellen, mit Buntstift auf die dünne Pressspanplatte zu zeichnen. Luca zögert noch. »Überlegt euch: Wie sieht mein Fisch aus? Ist er lang? Oder will ich ihn mit dickem Bauch machen?«, regt die Malerin und Bildhauerin Dorothea Dattenberger aus Ammerland am Starnberger See die neun Buben und Mädchen zwischen vier und zehn Jahren an. Im Rahmen des Familienprogramms der BN-Kreisgruppe Bad Tölz-Wolfratshausen möchte die freischaffende Künstlerin an diesem Septembernachmittag mit den Kindern bunte Zauberfische aus Holz gestalten. Zuvor hat sie ihnen in Bildbänden gezeigt, wie viele Formen, Farben und Muster Fische in der Natur haben.

Yara hat es ein Schleierfisch angetan. Aber wie sah noch mal die Flosse aus? »Ich mag nur die Flosse, keine andere!«, ruft das Mädchen halb verzweifelt, halb trotzig mit Blick auf sein Holzbrett. Dattenberger weiß Rat: »Die Schleierflosse machen wir später aus Tuch, da hab ich was schönes für dich.« Yara ist zufrieden.
Die Kinder arbeiten im Freien auf dem Gelände des Münsinger Waldkindergartens. Ein idyllischer Ort, umgeben von Pferdekoppeln und mächtigen alten Eichen. Mit Feuereifer stürzen sich die Kinder auf die kleinen Sägen und beginnen, die Umrisse ihrer Fischentwürfe auszusägen. Dattenberger zeigt, wie es am besten geht. »Das ist voll die Arbeit«, stellt die siebenjährige Ann-Sophie nach einer Weile fest. »So viel hab ich schon, kuck!«, ruft der vierjährige Ben stolz seinem Bruder zu.

Das schaut cool aus!

Nach dem Kantenfeilen geht es ans Anmalen. »Nimm ruhig mehr Farbe«, ermuntert Dattenberger den kleinen Luis und zeigt, wie man den Pinsel führt. Ann-Sophie übermalt ihren lila Hai noch mal mit Blau, streut Glitzer drauf und schmiert genüsslich mit den Fingern in der feuchten Farbe. »Das schaut jetzt cool aus«, freut sich das Mädchen. Yaras Fisch bekommt seine hübsche Schleierflosse. Stolz zeigt Karla ihren fertigen Kugelfisch. Grün und rot ist er geworden, mit blauen Streifen, hellgrünem Glitzerbauch und zwei Federn. Ganz anders als die lebenden Vorbilder. Genau das ist für Dorothea Dattenberger das Ziel. Für die Kinder, wie für sie selbst als Malerin geht es ihr darum, nicht abzubilden, sondern die Natur als Anlass zu nehmen, eigene Ideen zu entwickeln und diese in Form und Farbe umzusetzen. Kindern Umweltbildung auf diese kreative Weise mit Pinsel, Säge, Hammer und Bohrer zu vermitteln – »so was mach’ ich immer gern«, betont die Künstlerin.
Lustig wird es noch einmal, als die Kinder mit selbstgefertigten Ruten ihre zauberhaften Rochen, Haie, Gold- und Schleierfische aus einem mit blauen Tüchern simulierten Fluss zu angeln versuchen. »Kreativ-Sein, ein bisschen Naturkunde und das Ganze im Freien – es hat sich so toll angehört«, begründet eine der Mütter beim Abholen, warum sie ihren Sohn zu dem ­Work­shop angemeldet hat. Der hat sich derweil mit seinem Fisch an der Angel zwischen den Bäumen verkrümelt. »Ein gutes Zeichen«, lacht die Mama, »dann hat’s ihm gefallen.«

Kunst kommt an

Seit mehreren Jahren veranstaltet die BN-Kreisgruppe Bad Tölz-­Wolf­rats­hausen regelmäßig Projekte, die Natur auch über künstlerisches Gestalten vermitteln wollen. Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Kreisgruppe. Andere BN-Kreisgruppen gehen ähnliche Wege.

Aus: Natur+Umwelt 4-2008