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LANDART: JEDER IST EIN KÜNSTLER

Landart-Künstler gestalten mit bloßen Händen, aus Materialien, die sie in der Natur finden. Ihre Werke bleiben am Ort ihrer Entstehung, wo sie bald wieder vergehen.

Landart ist eine Kunst, bei der die Seele mitwachsen oder auch baumeln kann. Die Freude am eigenen Tun und das Erleben der Natur sind dabei wichtiger, als etwas vollkommen Neues in künstlerischer oder handwerklicher Perfektion zu schaffen. Die natürliche Ästhetik des Materials und ein spielerischer Zugang zur Natur lassen immer wieder neue Ideen entstehen: schwimmende Blätterschlangen, Schneeskulpturen, Trolle aus Lehm, waghalsig ausbalancierte Steintürme oder Farbübergänge aus kunstvoll arrangierten herbstlichen Blättern.

Manchmal spüren wir die Geheimnisse eines Ortes erst, wenn wir uns Zeit nehmen, ihn zu entdecken und uns auf die Natur einzulassen. Bei Landart gibt es kein richtig oder falsch. Die Blätter gehen nie aus, die Federn werden nicht stumpf, Farben trocknen nicht ein, der Radierer ist die Hand, Material gibt es in Hülle und Fülle. Allerdings kann man nass werden und die Werke selten in die Hosentasche packen. Landart ist eine bunte, erlebnisreiche Kunst aus einer Mischung von Natur erfahren und erkunden, Abenteuerspiel und bauen dort, wo einem frischer Wind um die Nase weht. Doch ist es mit Worten nicht ganz zu beschreiben, und mehr als die Summe der genannten Teile. Dieses »Mehr« gilt es selbst zu erleben.

Fast jeder hat als Kind Werke aus Naturmaterialien gestaltet, Schneemänner, Staudämme, Hütten. Landart ist eine schöne Möglichkeit zum künstlerischen Erleben der Natur für jedermann, unabhängig vom Alter. Für Landart ist weder eine besondere Vorbildung nötig noch außergewöhnliche Kreativität. Freude an der Natur und die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, sind die besten Voraussetzungen. Und nebenbei: Die Ruhe beim Bauen, das tiefe Eintauchen in die Natur und die Zufriedenheit mit dem eigenen Tun ist in unser hektischen, oft fremdbestimmten Zeit ein kaum zu überschätzender Gewinn, auch für unsere innere Befindlichkeit.    

Landart zum Lesen und Staunen

Naturwerkstatt Landart. Andreas Güthler und Kathrin Lacher. AT-Verlag, 2005, 36 Franken. Mit vielen farbigen Fotos macht das Buch Lust auf eigene Landart. Der Leser erfährt, wie Landartkünstler Ideen entwickeln, und be­kommt gestalterische und handwerkliche Tipps. Für alle Altersstufen ab dem ­Kinder­garten.

Landart – Kunst in und mit der Natur. Monika Glasl. Projekte-Verlag, 2007, 24,50 Euro. Die bayerische Landart-Künstlerin (Titelfoto dieser N+U) untermalt die Bilder ihrer teils ernsten, teils heiteren Werke mit lebensphilosophischen Texten.

Land und Environmental Art. Jeffrey Kastner (Hrsg.). Phaidon Verlag, 2004, 49,95 Euro. Die wichtigsten Landart-Künstler in einem Band.

Federn im Wind. Die Kraft gestalteter Natur. AT-Verlag, 2007.

Neuland. Bildende Kunst und ­Landschafts­architektur. Birkhäuser, 2007, 29,90 Euro.

Ökologische Ästhetik. Theorie und Praxis künstlerischer Umweltgestaltung. Birkhäuser, 2004.