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„Die frei fließende Donau bedeutet Leben“

Für Dieter Scherf sagt die Art, wie Menschen mit der Natur umgehen, viel über die Kultur einer Gesellschaft aus. Er will den Menschen an der Donau vor allem den natürlichen und kulturellen Wert dieser herausragenden Flusslandschaft vermitteln – und den Einsatz für die frei fließende Donau damit auf eine breite gesellschaftliche Basis stellen.

Dieter Scherf beim Donau-Fest 2008 in Niederalteich

Dieter Scherf war lange Jahre Vorsitzende des BN Deggendorf und Mitglied des BN-Landesvorstands. Als er Anfang der 1990er Jahre an die niederbayerische Donau kam, wunderte er sich: Er konnte nicht begreifen, dass viele Leute die Naturschätze im Fluss und seiner Au offenbar gar nicht wahrnahmen. Damals stritten Naturschutzverbände mit der Staatsregierung, der Bau- und der Schifffahrtslobby um den Staustufen-Ausbau der Donau. Es ging in erster Linie um Frachtschifffahrt, Abladetiefen der Schiffe, Wasserbau und prognostizierte Tonnenkilometer. Von der Natur sprachen nur wenige. Dieter Scherf kam von außen, er war bewusst ins niederbayerische Vilstal unweit der Donau gezogen und sah vor allem den Wert der intakten Flusslandschaft an der Donau. Diesen besonderen, erhaltenswerten Schatz wollte er sich durch Staustufen nicht nehmen lassen.

Kräfte bündeln für eine breite gesellschaftliche Basis

Kaum an der Donau angekommen, bündelte er deshalb die Kräfte aller Donaufreunde und Staustufengegner im „Donauring“. So entstand ein breites Bündnis aus dem Bund Naturschutz (BN), dem Landesbund für Vogelschutz (LBV), politischen Parteien und kirchennahen Gruppierungen – mit Erfolg: Die Donauschützer konnten 1992 gemeinsam das erste Raumordnungsverfahren für den Donauausbau  stoppen. 1996 beschloss die bayerische Staatsregierung angesichts des anhaltenden Drucks aus der Donauregion zudem ein Moratorium, um Alternativen zu den damaligen Ausbauplänen mit Kanal, Abtrennung einer Flussschleife und Staustufen zu prüfen. Auch viele Landwirte standen jetzt auf Seiten der Ausbaugegner, da Kanalisierung und Staustufenausbau viel landwirtschaftlichen Grund beansprucht hätten.

Besonders wichtig war es Dieter Scherf bei seinem Einsatz für die Donau immer, das Engagement für den frei fließenden Fluss auf eine breite gesellschaftliche Basis zu stellen, unabhängig von Verbänden, Parteien oder anderen Organisationen. Die Staustufenbefürworter in der bayerischen Staatsregierung sollten sehen, dass der Widerstand gegen die Kanalisierung von der Mehrheit der Bürger aus der Region getragen wird, quer durch alle gesellschaftlichen Gruppierungen.

Alles für die Donau: Schifffahrten, Kongresse, Feste

Das notwendige Bewusstsein für den Reichtum des Donaulandes wollte Scherf fördern, indem er die Menschen behutsam an die Schönheit der Auenlandschaft heranführte. Als Kreisgruppenvorsitzender sicherte er daher auch den Fortbestand des bayernweit bekannten Umweltbildungsprojekts „Takatuka“ mit dem BN-eigenen Donauschiff. Entscheidenden Anteil hatte er zudem an der Organisation der öffentlichen Donaukongresse, die seit 1991 jedes Jahr in Niederalteich stattfinden und bei denen international renommierte Experten über die aktuelle Entwicklung an der Donau diskutieren. Ebenso wirkte er beim politischen Umweltaschermittwoch in Plattling und den Donauschifffahrten im August jedes Jahr maßgeblich mit.

Im Jahr 2000, als dem nach dem Abschluss der  „vertieften Untersuchungen“ zum  Donau-Ausbau wieder einmal eine Entscheidung über die Zukunft Donau bevorstand, initiierte er die Ereignistage „Donau2000“: Mit zig Aktionen wie  Kulturveranstaltungen und Naturführungen machten die Donauschützer an vielen Orten entlang der Donau von Straubing bis Vilshofen  auf die Bedeutung des Flusses und seine Gefährdung durch die Staustufenpläne aufmerksam. Zum Himmelfahrtstag 2002 organisierte er in Niederalteich zusammen mit der örtlichen Spielvereinigung erstmalig das große Donaufest, bei dem alle Donaufreunde gemeinsam ihren Fluss feiern. Seither kommen jedes Jahr mehrere Tausend Besucher zu dem Fest und setzen damit ein Zeichen für den Erhalt der frei fließenden Donau. 

Die freie Donau als Geschenk an die Menschen

Der Einsatz von Dieter Scherf trägt Früchte: Eine Umfrage der bayerischen Staatsregierung zeigt, dass heute zwei Drittel der niederbayerischen Bevölkerung keine Staustufen an der Donau wollen. Der Naturschutz an der Donau ist zur Herzensangelegenheit der Menschen geworden.

Auch die BN-Initiative, das Donautal als UNESCO-Weltkultur- und Naturerbe zu schützen, ist ein wichtiger Teil dieser Bewusstseinsbildung. „Die Menschen, müssen merken, welch reiches kulturelles und natürliches Erbe ihnen die Donau hier geschenkt hat und dass sie gut darauf aufpassen müssen“, sagt Dieter Scherf. So lange die Donau fließt, wird er weiter um den Fluss als seine emotionale Heimat kämpfen – gemeinsam mit Tausenden Donaufreunden und dem Bund Naturschutz als Anwalt der Natur.


Biographie

Die Verbundenheit mit der Natur zieht sich wie ein roter Faden durch Dieter Scherfs Leben. Schon als Kind oft auf sich gestellt ‒ der Vater ist im Krieg geblieben, die Mutter übte ihren Beruf als Lehrerin aus, um die Familie mit sechs Kindern durchzubringen ‒ durchstreifte er in seiner Heimat Berchtesgaden die Wälder und Wiesen. Hier in der Natur fühlte er sich sicher und wohl.

Später studierte Scherf in München Elektrotechnik und arbeitete bei Siemens im Bereich der Großrechnerentwicklung. Den Gegenpol zu dem technischen Beruf bildeten die Ausflüge mit seiner Frau Gertrud, die er schon in Berchtesgaden kennen gelernt hatte. Sie studierte Biologiedidaktik, mit ihr zusammen bekam seine emotionale Beziehung zur Natur den theoretischen Unterbau. Auf langen Spaziergängen bekamen all die vertrauten Pflanzen und Tiere Namen, in Geschichten wurden sie lebendig.

1969 trat der dem Bund Naturschutz bei, beruflich stark eingespannt blieb er aber eher beobachtendes Mitglied. Seit seinem Umzug ins Vilstal und besonders seit seinem Eintritt in den Vorruhestand wurde er aber immer aktiver. Zunächst bei der ÖDP, dann als BN-Kreisgruppenvorsitzender und später auch als Mitglied des BN-Landesvorstands.