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Grünes Band – Arche Noah für Tiere und Pflanzen

Mitten in Deutschland reihen sich am Grünen Band wertvollste Lebensräume wie Perlen aneinander. Dank BUND Naturschutz ist die ehemalige innerdeutsche Grenze heute Ausgangspunkt für den längsten Biotopverbund der Welt.

Das, was wir heute als Grünes Band bezeichnen, war ursprünglich alles andere als ein lebensfreundlicher Ort. Während der jahrzehntelangen Teilung der Bundesrepublik hinderte die innerdeutsche Grenze DDR-Bürger auf einer Länge von 1.400 Kilometern um jeden Preis daran, von Ost nach West zu gelangen. Grenzzäune, Mauern, Sperrgräben und Wachtürme machten ein Durchkommen praktisch unmöglich. Dadurch blieb nicht nur der Mensch, sondern auch der Wandel jahrzehntelang außen vor.

1.200 seltene Arten, 146 Biotop-Typen
Grünes Band – längster Biotopverbund der Erde
Eine Deutschlandkarte zeigt den Verlauf des Grünen Bandes
Verlauf des Grünen Bandes Deutschland

Während rundum die Landwirte immer intensiver wirtschafteten, die Siedlungen in die Breite wuchsen und immer mehr naturnahe Landschaft verschwand, änderte sich direkt am "Todesstreifen" nur wenig. Im Schatten der schrecklichen Grenze konnte sich die Natur beinahe ungestört vom Menschen entwickeln und wurde so zu einer Art Arche Noah: Tiere und Pflanzen fanden dort einen Rückzugsort. Heute ist die ehemalige innerdeutsche Grenze ein Grünes Band des Lebens – Ausgangspunkt des längsten Biotopverbundes der Welt und immens wichtig für Deutschlands Natur.

Das Grüne Band – Wanderweg für Wildtiere

Das Grüne Band verbindet seltene Lebensräume zu einem Korridor, der über weite Strecken hinweg kaum unterbrochen ist. Viele Tiere nutzen den Biotopverbund deshalb für ihre Wanderungen durch eine sonst meist intensiv genutzte Agrarlandschaft. Solche Wanderwege sind für viele Wildtiere überlebenswichtig. Sie sichern den genetischen Austausch zwischen einzelnen Populationen, die sonst isoliert, und auf Dauer wohl kaum überlebensfähig wären.



Welche Tiere und Pflanzen leben im Grünen Band?

Kennen Sie den Kurzschwänzigen Bläuling? Oder den Wohlriechenden Sumpfporst? Arten, die anderswo bereits als verschollen oder ausgestorben galten, wurden und werden im Grünen Band wiederentdeckt. Seltene Arten wie Wanstschrecke, Schwarzstorch, Braunkehlchen, Wachtelkönig, Fischotter, Luchs oder Wildkatze, Türkenbundlilie, Trollblume oder Küchenschelle finden dort einen Lebensraum. In Sachsen-Anhalt brüten beispielsweise die stark gefährdete Wiesenweihe und der Steinkauz mitten im Grünen Band. Als ganz besondere Rarität hat sich im Dreiländereck Bayern-Sachsen-Böhmen die Flussperlmuschel erhalten.

Lernen Sie einige Bewohner des Grünen Bandes kennen!

Falter mit Pflegebedarf

Im Landkreis Hof lebt im Bereich der ehemaligen Grenze ein besonderes Tier: Der Goldene Scheckenfalter (Euphydryas aurinia). Er ist in Bayern und ganz Deutschland stark gefährdet und gehört zu den Arten nationaler Verantwortlichkeit. Der BUND Naturschutz hat sich dieser Art angenommen. Die BN-Aktiven in Hof sorgen im Projekt Goldener Scheckenfalter dafür, dass die Lebensräume des seltenen Falters am bayerisch-tschechischen Grünen Band verbessert und verbunden werden. Was nicht nur ihm, sondern auch anderen selten gewordenen Feuchtwiesenbewohnern zugute kommt. So zum Beispiel dem Gewöhnlichen Teufelsabbiß (Succisa pratensis), der Hauptfutterpflanze der Raupen des Goldenen Scheckenfalters.

 

 


Alles im grünen Bereich? Gefahren für das Grüne Band

Schmerzhafte Eingriffe: Bei ??? durchschneidet die A72 das Grüne Band

Auch heute noch ist der Druck auf die Flächen am Grünen Band groß: Die industrielle Landwirtschaft zerstört dort immer noch naturnahe Lebensräume, die über Jahrzehnte hinweg durch die Grenze geschützt waren. Durch den massiven Ausbau von Autobahnen und Gewerbegebieten haben sich alte Risse vertieft und neue sind hinzugekommen – oft unüberwindbar für Tiere und Pflanzen.

Wieso steht nicht das ganze Grüne Band unter Schutz?

Die Bundesregierung ist nach der Grenzöffnung der Forderung der Naturschutzverbände nachgekommen und hat ihren Flächenbesitz im Grünen Band den Bundesländern für Naturschutzzwecke übertragen. So konnte damals etwa die Hälfte des Grünen Bandes Deutschland gesichert werden, 87 Prozent seiner Fläche gilt als naturnah. Doch noch heute gehören etwa 30 Prozent des Grünen Bandes Privatleuten, Kommunen und verschiedenen Institutionen. Die betroffenen Flächen können deshalb nicht einfach unter Naturschutz gestellt werden. Beim derzeitigen Flächenhunger besteht dadurch dauernd die Gefahr, dass sie in intensives Ackerland oder Bauland verwandelt werden, oder unter Straßen verschwinden.

Mission Lückenschluss – Wir arbeiten dran!

BN und BUND arbeiten mit Hochdruck daran, die Lücken im Biotopverbund Grünes Band zu schließen. Diese haben sich dadurch von 15 Prozent der Fläche im Jahr 2001 auf heute 13 Prozent verringert, beispielsweise durch den Kauf von Grundstücken. Doch die Intensivierungswelle in der Landwirtschaft, die vor allem durch den stark subventionierten Energiepflanzenanbau (z.B. Mais) ausgelöst worden ist, verschlingt nach wie vor Flächen im Grünen Band, was den Fortbestand dieses einzigartigen Biotopverbundes auch weiterhin gefährdet. Um solche Eingriffe in Zukunft zu vermeiden, setzt sich der BN dafür ein, das Grüne Band als Nationales Naturmonument auszuweisen. Mit einem erfreulichen Teilerfolg: 2018 hat die Bundesregierung das Grüne Band Thüringen zum Nationalen Naturmonument erklärt.


Das Grüne Band Europa – Eine Idee wächst

Am Grünen Band Europa: der Fluss Kitka in Finnland

Die Idee, das Grüne Band Deutschland zu einem Grünen Band Europa auszuweiten, stammt vom langjährigen BN-Vorsitzenden Hubert Weiger. Erstmals öffentlich kund tat er seine Vision 2002 auf der Einweihungsfeier des BUND-Kunstprojekts "WestÖstliches Tor" im Eichsfeld, an der auch der ehemalige Staatspräsident der Sowjetunion, Michael Gorbatschow, teilnahm. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) griff Weigers Idee auf und organisierte in den Folgejahren zusammen mit der Weltnaturschutzorganisation (IUCN) zwei internationale Konferenzen, bei denen die paneuropäische Initiative mit einer Koordinierungsstruktur ein "Gesicht" bekam.

Aus der vom BN angestoßenen Initiative zur europäischen Ausweitung des Grünen Bandes wurde ein großer Erfolg. Heute verläuft das Band durch 24 Staaten auf über 12500 Kilometern Länge. Unterteilt wird es in vier Abschnitte: Fennoskandien, Ostsee, Zentraleuropa und Balkan, betreut von jeweiligen Regionalkoordinatoren. Der zentraleuropäische Teil wird vom BUND-Projektbüro Grünes Band koordiniert, das 1998 in Nürnberg gegründet wurde. Von dort aus werden internationale Aktivitäten wie beispielsweise das transnationale Projekt GreenNet angestoßen, bei dem in sechs Ländern unter anderem Zukunftsstrategien entwickelt wurden.

Am Grünen Band Zentraleuropa: die Soca im slowenischen Nationalpark Triglav

Von der Vision zu einer der größten Naturschutzinitiativen weltweit

Unmittelbaren Erfolg brachte dieses Projekt zum Beispiel in der Region Julische Alpen zwischen Italien und Slowenien. Das Grüne Band war in diesem Gebiet durch den geplanten Zusammenschluss zweier Skigebiete bedroht. Durch sachgerechte Information und transparente Moderation gelang es, die Konflikte zu lösen. Nun soll das Gebiet nicht mehr mit Liften, sondern naturschutzgerecht für den Ökotourismus entwickelt werden.

Heute ist das Grüne Band ein europaweit einmaliger Naturkorridor und ein lebendiges Symbol für die Überwindung des Kalten Krieges. Aus einer Vision des BN wurde eine der weltgrößten Naturschutzinitiativen, die Mensch und Natur über Ländergrenzen hinweg verbindet und allseits große Anerkennung und Beachtung findet.


Deutscher Umweltpreis für Initiatoren des Grünen Bandes

2017 haben Kai Frobel, der BN-Vorsitzenden Hubert Weiger und Inge Sielmann für ihre Verdienste um das Grüne Band den mit 245.000 Euro dotierten Deutschen Umweltpreis erhalten. Während Kai Frobel das Grüne Band „erfunden“ und benannt hat, geht die internationale Ausweitung des Biotopverbundes auf Hubert Weigers Initiative zurück. Der sogenannte Eiserne Vorhang, die xxxxxx, zwischen Warschauer Pakt und NATO hing ja nicht nur über Deutschland. Vom Eismeer bis zur Adria und zum Schwarzen Meer trennte er die Machtblöcke und Menschen auf einer Länge von 12.500 Kilometern. 2002 gewann Hubert Weiger den ehemaligen sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow als Schirmherren für seine Vision eines Grünen Bandes Europa. Damit legte er den Grundstein für diese einzigartige und völkerverbindende Initiative, in der sich heute über 150 Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen engagieren. Das Grüne Band Europa verläuft heute entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs durch 24 Staaten auf über 12.500 Kilometern Länge von Russland und Finnland bis nach Griechenland und Mazedonien.

Was die BN-Aktiven am Grünen Band leisten

Bereits wenige Jahre nach der Grenzöffnung starteten BN-Kreisgruppen erste – auch internationale – Naturschutzprojekte an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. So verbindet das Grüne Band bei Wunsiedel und Tirschenreuth nicht nur die Staaten Deutschland und Tschechien, sondern auch die Naturschützer beider Länder. Schon seit Juni 1990 pflegen die BN-Kreisgruppen dort eine überaus freundschaftliche Zusammenarbeit mit dem tschechischen Naturschutzverband CSOP . Immer wieder finden gemeinsame Exkursionen und Arbeitseinsätze statt. Etwa im Bereich der Stadt Hohenberg an der Eger. Dort betreuen die internationalen Naturfreunde am Grünen Band Bayern-Tschechien  gemeinsam die unterschiedlichsten Biotope – vom Trockenhang über ein Vogelparadies bis hin zu Sumpf- und Wiesenarealen.

Wandern und Radeln am Grünen Band

Sieben Jahre war Dr. Reiner Cornelius vom BUND Hessen für das Grüne-Band-Projektbüro an Deutschlands längstem Biotopverbund unterwegs. Anhand seiner Recherchen entstand die sieben Bände umfassende Buchreihe „Vom Todesstreifen zur Lebenslinie“. Jeder Band beschreibt eine Region des Grünen Bandes – von der Ostseeküste bis ins Vogtland – und bietet Tourenvorschläge für Wanderer und Radler.


Das Grüne Band entdecken
Bücher zum Grünen Band bestellen Routenvorschlag "Wandern an der Saale" (PDF)