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Tiere und Pflanzen im Moor – eine extreme Lebensgemeinschaft

Moore gehören zur bayerischen Natur. Sie bieten unzähligen hochspezialisierten und vom Aussterben bedrohten Tieren und Pflanzen eine unersetzliche Heimat.

Tiere und Pflanzen im Moor – hier ein Hochmoor-Bläuling (Foto: Wolfgang Willner)

Welche Tiere und Pflanzen leben im Moor? An die teilweise extremen Lebensbedingungen (Lebensraum Moor) haben sich nur ganz bestimmte Tier- und Pflanzenarten angepasst. Darunter natürlich die Torfmoose, ohne die es diesen Lebensraum gar nicht gäbe. Aber auch zahlreiche andere Tiere und Pflanzen kommen hier vor, die nur hier und unter den speziellen Bedingungen eines Moores in der Lage sind, sich gegenüber konkurrenzstärkeren Tieren und Pflanzen zu behaupten.

Insbesondere in den Hochmooren mit ihrem sommerkühlen Klima handelt es sich vielfach um kälteertragende Arten, darunter auch sogenannte Eiszeitrelikte (PDF). Das sind versprengte Überbleibsel der ehemaligen Eiszeitvegetation und -tierwelt. Die an extrem nasse und sommerkühle Bedingungen angepassten Arten kommen heute nur noch in den verbliebenen Mooren, auf den höchsten Gipfeln der Mittelgebirge oder in den Alpen vor. Beispiele hierfür sind die seltenen Schmetterlingsarten:

  • Hochmoorgelbling,
  • Hochmoorbläuling und
  • Hochmoor-Perlmuttfalter.

Oder auch Pflanzenarten wie:

  • Zwergbirke,
  • Strauchbirke,
  • Wollgras oder
  • Sonnentau.

Die Pflanzenwelt im Moor

Eine Vielzahl von Pflanzenarten ist auf Moore zum Überleben angewiesen. Die im Vergleich zu Hochmooren weit artenreicheren Niedermoore sind unter anderem Heimat von:

  • Zwergbirke (Eiszeitrelikt)
  • Torfsegge,
  • Sonnentau,
  • Wollgras,
  • Simsenlilie,
  • Mehlprimel,
  • Sumpf-Veilchen,
  • Moosbeere,
  • Blutwurz,
  • Rosmarinheide,
  • Blauem Sumpfstern,
  • Sternsteinbrech,
  • Sumpfcalla.

Die namensgebenden, in Deutschland mit etwa 35 verschiedenen, grün, rot und gelblich schimmernden Arten vertretenden Torfmoose (Sphagnum), kommen hauptsächlich in den eher artenarmen Hochmooren vor.

Über das Grundwasserniveau emporwuchernd und nur vom nährstoffarmen Regenwasser getränkt, gedeihen die Moose optimal. Sie bilden große, schwammartige Polster, die sogenannte Wasserzellen besitzen, mit deren Hilfe sie das 15- bis 30-fache ihres Trockengewichts an Wasser aufnehmen können. Dadurch wirkt eine Torfmoosschicht wie ein Wasserspeicher.

Die Moose wachsen an ihrem oberen Ende und bilden dort grüne Triebe, während der untere Teil abstirbt. Dieser wird jedoch nicht zersetzt, da im sauerstofffreien Untergrund Bakterien und Pilze nicht überleben. Torfmoose sind schwer voneinander zu unterscheiden und daher schwer zu bestimmen. 

Von Moortypen und Vielfalt

Moor ist nicht gleich Moor: Es gibt eine große Fülle an verschiedenen Moortypen, die oft in kleinräumigen Verzahnungen miteinander vorkommen. Dadurch entsteht dort eine Vielfalt an verschiedenen Lebensräumen mit unterschiedlichen Lebensbedingungen. Neben der grundsätzlichen hydrologischen Unterscheidung in Hoch- und Niedermoore  sind es vor allem die kleinräumigen geologischen und klimatischen Unterschiede, die zu einer enormen Vielfalt an verschiedensten Lebensräumen in großen Moorkomplexen führen können.

Doch die meisten Moore Mitteleuropas sind inzwischen kultiviert oder vom Menschen beeinflusst. In Bayern kann nur noch ein Prozent der Moore als natürlich bezeichnet werden. Viele der hochspezialisierten Tier- und Pflanzenarten würden endgültig verschwinden, wenn weitere Moorlebensräume zerstört werden. Oft reicht schon eine leichte Absenkung des Wasserspiegels, um die Mannigfaltigkeit der empfindlichen Moore zu stören oder sogar zu vernichten. Daher setzt sich der BUND Naturschutz aktiv für den Moorschutz in Bayern ein: Moorflächen werden angekauft, gegen weitere Zerstörungen verteidigt, gestörte Moore renaturiert und die Öffentlichkeit mit Publikationen, Veranstaltungen und Aktionen über die faszinierende Welt der Moore aufgeklärt.