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Das Netz Natura 2000

Ein Netz für die Natur

Die Auswahl der Gebiete für das Netz Natura 2000 ist in Bayern abgeschlossen. Die erste offizielle Gebietskulisse aus dem Jahr 1996 mit nur 1,6 % der Landesfläche hatte der Bund Naturschutz als völlig unzureichend kritisiert, es enthielt nur bestehende Naturschutzgebiete und die beiden Nationalparke. Seitdem wurden in 2 ergänzenden Meldetranchen  weitere Gebiete an die Europäische Kommission gemeldet, so dass nun:

  • 9,1 % der Landesfläche als FFH-Gebiete (= 674 Gebiete mit 644.956 ha) und
  • 7,7 % der Landesfläche als Vogelschutz (=SPA-)Gebiete (= 83 Gebiete mit 544.248 ha) ausgewiesen sind

und damit insgesamt 11,3 % Bayerns das Natura 2000 bilden (744 Gebiete mit 796.759 ha)  - ein großer Erfolg für die Natur.

Die Daten zu den gemeldeten Gebieten stehen beim Landesamt für Umwelt zum download.

In Deutschland sind aktuell 9,3 % der Landesfläche als FFH-Gebiete und 8,4 % der Landesfläche als Vogelschutzgebiete gemeldet. Mehr Informationen beim Bundesamt für Naturschutz sowie hier die 2009 vom Bundesrat bestätigte Liste der endgültigen (Stand 2009) Gebietsmeldung (Liste und Bestätigung).

In Europa sind 12,2 % der Landesfläche als FFH-Gebiete und 9,6 % als Vogelschutzgebiete gemeldet. Spitzenreiter ist Slowenien mit 31,4 % der Landesfläche für FFH-Gebiete. Mehr Informationen bei der Europäischen Kommission. Hier die Gesamtliste aller Natura 2000-Gebietsmeldungen der europäischen Länder (Dezember 2009, Amtsblatt der EU vom 02.02.2010).


Der Meldeprozess lief in Bayern wie auch in anderen Bundesländern sehr zäh und unbefriedigend. Durch rechtlich nicht haltbare Vorgaben der bayerischen Staatsregierung und viel zu wenig positive Werbung hat Natura 2000 in diesem langwierigen Prozess bei den Nutzern kein gutes Image erhalten. Die EU-Kommission und der Europäische Gerichtshof mussten immer wieder eine fachlich korrekte Umsetzung einfordern.
Der Bund Naturschutz hatte von Anfang an mit eigenen Gebietsvorschlägen dargestellt, welche Flächen in Bayern zum Schutz der europaweit bedeutsamen Natur nötig sind (Bund Naturschutz-Forschung Heft 3, 1999, laufend aktualisiert).

10 Jahre nach der ersten Gebietsmeldung und zum Abschluss der Gebietsmeldung in Bayern hat der Bund Naturschutz eine Chronik der Umsetzung der Gebietsmeldung nach der FFH-Richtlinie erstellt (download). Auszüge aus der Chronik zur Gebietskulisse :

FFH-Gebietsmeldung 1996: 
Die erste offizielle Meldung von FFH-Gebieten in Bayern umfasste nur Naturschutzgebiete und die beiden Nationalparke („1. Tranche“).Der Bund Naturschutz kritisiert diese Auswahl als völlig unzureichend für das „Netz Natura 2000“ und beginnt mit den Arbeiten an eigenen Gebietsvorschlägen, die 1999 als „Netz des Lebens“ veröffentlicht und an alle Behörden und Verbände geschickt werden.


FFH-Gebietsmeldung 2000:
Die offizielle Nachmeldung von FFH- und Vogelshcutz-Gebieten ("2. Tranche") ist ein erster Erfolg der Kritik des Bund Naturschutz und der Europäischen Kommission, aber immer noch unzureichend. Es fehlen wertvollste Gebiete, z.B. "ABSP-Gebiete" und es fehlen Gebiete, in denen Eingriffe geplant sind. Der BN kritisiert das "Dialogverfahren" als Verstoß gegen die Vorgaben FFH-Richtlinie, wonach die Gebiete rein nach fachlichen Kriterien ausgewählt werden müssen.


FFH-Gebietsmeldung 2004:
Nach einigen Gerichtsurteilen, jahrelanger Rechtsunsicherheit, drohenden Strafzahlungen in Millionen-Höhe und fachlicher Kritik der EU-Kommission müssen in ganz Deutschland weitere FFH- und Vogelschutzgebiete nachgemeldet werden ("3. Tranche"). Die Meldung wird nach einem erneuten "Dialogverfahren" im November 2004 abgeschlossen und umfasst nun 11,3 % der Fläche Bayerns (FFH- und Vogelschutzgebiete).


Damit sind auch fast alle Vorschläge des Bund Naturschutz im Netz Natura 2000 enthalten: Folgende Abbildung zeigt in roter Farbe die Reste der immer noch nicht berücksichtigten Gebietsvorschläge des Bund Naturschutz . Es handelt sich weitgehend um weiter gefasste Abgrenzungen als in der offiziellen Meldung.


Zum Netz Natura 2000 gehören auch die Vogelschutzgebiete , in folgender Abbildung in blauer Farbe dargestellt. Der Landesbund für Vogelschutz schlägt für Bayern noch weitere Vogelschutzgebiete (Important Bird Area) vor, hier in roter Farbe:


Damit ist das Netz Natura 2000 in Bayern trotz noch verbliebener Defizite nun eine gute Grundlage zum Erhalt der biologischen Vielfalt Europas und der Natur- und Kulturlandschaften Bayerns - zum Nutzen von Mensch und Natur.