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Was haben Nürnberger Lebkuchen mit dem Sand zu tun?

Nürnberg verdankt den mageren Sandböden nicht nur seine aufstrebende Entwicklung im Mittelalter, sondern auch – zumindest teilweise – seine leckeren Lebkuchen. 1219 sprach Kaiser Friedrich II. der Stadt wegen des kargen Umlandes weitreichende Vergünstigungen zu. Dazu gehörten beispielsweise wichtige Handelsprivilegien.

Drei Nürnberger Elisenlebkuchen und Nüsse auf einem Holzuntergrund

Bald war Nürnberg eine reiche Handelsstadt und lag im Zentrum der europäischen Gewürzhandelsstraßen. Der erhobene Wegzoll wurde von den durchziehenden Händlern oft in Naturalien, also in Gewürzen bezahlt. In den Klöstern war damals die magenfreundliche Wirkung von Gewürzen schon längst bekannt. Und so würzten sie ihre „Pfefferkuchen“ zur Verdauungsförderung gerne mit allem, was die Gewürzhändler so zu bieten hatten: Kardamom, Muskat, Zimt, Ingwer, Anis, Koriander, Nelken und Pfeffer.

Bienengarten des Deutschen Reiches

Dass immer reichlich Honig zum Süßen der Lebkuchen vorhanden war, dafür sorgte der riesige Reichswald rund um Nürnberg. Er war als „Bienengarten des Deutschen Reiches“ bekannt. Auf den sandigen Böden gedieh die Heide prächtig. Die Imker Nürnbergs – bis heute Zeidler genannt – „weideten“ dort ihre Bienen und produzierten so große Mengen an Honig. Die Zeidler waren die Einzigen, die mit einer Armbrust bewaffnet ihrer Arbeit nachgehen durften – zum Schutz vor Braunbären, die ebenfalls hinter dem Nürnberger Honig her waren.

Indirekt sorgte der Sand auch dafür, dass der Nürnberger Reichswald bis heute erhalten geblieben ist. Wälder, die auf ackerbaufähigen Böden stockten, wurden bereits in der frühen Neuzeit gerodet. Nur solche, die auf dem blanken Sand wuchsen blieben verschont. Das rettete den Nürnberger Reichswald. Seit dem 15./16. Jahrhundert hat sich die Feld-Waldgrenze kaum mehr verändert.