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Augenschmaus und Bienenweide: Gärten bienenfreundlich gestalten

Was kann ich in meinem Garten, auf meiner Terrasse oder meinem Balkon für Bienen tun? Worauf kommt es an? Auf dieser Seite finden Sie praktische Tipps rund um das Thema „Bienenschutz im Garten“, die Ihnen dabei helfen sollen, ein kleines Paradies für die fleißigen Honigsammler zu gestalten.

Honigbiene (Foto: signout/clipdealer.de)

Ist von Bienen die Rede, denken die meisten Menschen an die Honigbiene. Dabei ist diese nur eine von 20 000 bisher bekannten Bienenarten. Sie ist lediglich die einzige domestizierte Art, weshalb alle anderen als „Wildbienen“ bezeichnet werden. 

So groß die Vielfalt unter den Wildbienenarten auch ist, eins haben sie gemeinsam: die Vorliebe für Blüten. Als Blütenbestäuber haben Sie einen riesigen, unersetzbaren Wert für Menschen und Natur. Monetär gesehen liegt er bei 14 Milliarden Euro jährlich – allein in Europa! Dass sich dieser Wert allerdings nicht allein in Geld aufwiegen lässt, verdeutlicht  folgender Satz von Einstein: „Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben; keine Bienen mehr, keine Pflanzen, keine Tiere, keine Menschen mehr.“ Spätestens nach dieser Erkenntnis sollte sich jeder Gedanken machen, was er selbst für den Bienenschutz unternehmen kann.

In Bayern sind – oder besser: waren – knapp 520 Arten heimisch, 40 davon sind bereits verschwunden. Insgesamt sind 64 Prozent aller heimischen Wildbienenarten in der Roten Liste der gefährdeten Tierarten Bayerns aufgeführt – höchste Zeit, etwas zu unternehmen. Auch als Gartenbesitzer können Sie hierbei aktiv werden.

Nisthilfen bereitstellen

Hier fühlen sich Bienen zuhause (Foto: back2nature/clipdealer.de)

„Bienenschutz“ bedeutet in erster Linie „Schutz ihrer Lebensräume“, denn  zahlreiche Bienenarten wurden bereits durch die Zerstörung ihrer natürlichen Lebensräume zurückgedrängt, da sie hoch spezialisiert und damit auch sehr empfindlich gegenüber Veränderungen in ihren Habitaten sind. Die meisten Wildbienen errichten ihre Nistanlagen in der Erde, viele nagen sie in das Mark dürrer Stängel, andere benutzen vorhandene Hohlräume wie Käferfraßgänge oder Felsspalten, einige sind auf verlassene Eichengallen oder Schneckenhäuser spezialisiert, und weitere mauern ihre Brutzellen aus Lehm oder Harz.

Besonders in naturnahen Hausgärten ist großes Potenzial zum Schutz bedrohter Arten vorhanden, denn Nisthilfen, die verlorene Eiablageplätze ersetzen sollen, können mit einfachsten,  kostengünstigen Mitteln selbst hergestellt werden. Im Folgenden stellen wir Ihnen verschiedene Varianten vor:

  • Bündel aus hohlen Pflanzenstängeln (Bambus, Bärenklau, Engelwurz, Schilf, Ampfer, Knöterich...) mit einem Durchmesser von 2–10 mm und einer Länge von 8–20 cm. WICHTIG: Notwendig ist immer ein verschlossenes Ende, also die Stängel immer hinter den Knoten (Verdickungen) durchtrennen, damit das hintere Ende einen natürlichen Abschluss hat.
  • Bündel aus markhaltigen Pflanzenstängeln (Holunder, Königskerze, Himbeere, Distel, Rose...). Diese können auch senkrecht aufgestellt werden.
  • Abgestorbene Baumstämme, dicke Äste o. ä. aus Hartholz, in die mit einer Bohrmaschine Löcher (Durchmesser 2–10 mm, Tiefe 5–12 cm) gebohrt werden. WICHTIG: Kein Weichholz verwenden! Bohrungen säubern; es dürfen keine Holzfasern in das Innere ragen!
  • Kisten (Tiefe mindestens 15 cm) mit Lehm, Ton oder vorzugsweise Löß gefüllt, Füllung mit Löchern von 4–9 mm Durchmesser versehen. WICHTIG: Kein Stroh untermischen! Möglichst feines und homogenes Substrat verwenden!
  • Ziegel aus gebranntem oder luftgetrocknetem Lehm, in die nach hinten geschlossene Löcher von 3–9 mm Durchmesser angebracht werden.
  • Stapel aus morschen Baumstämmen.

Alle Nisthilfen sollten fest angebracht sein (also nicht frei schwingen können) und an einem witterungsgeschützten, sonnigen Platz aufgestellt werden, die Nistgänge in waagrechter Orientierung, markhaltige Stängel auch senkrecht.

Auf Pflanzenvielfalt achten

Vielfältiger Garten (Foto: richterfoto/clipdealer.de)

Haben Sie mit Nisthilfen erst einmal genügend Nistraum geschaffen, sollten Sie auch dafür sorgen, dass den Tieren ein ausreichendes Nahrungsangebot zur Verfügung steht. Hierzu gibt es in Hausgärten verschiedene Möglichkeiten.

Wildwiese statt Einheitsgrün: Sparen Sie im Rasen Stellen aus, die Sie nur zweimal im Jahr mähen, so dass mehr Wildblumen zur Blüte kommen. Zahlreiche Bienenarten danken es Ihnen und Sie können sich über den Anblick einer schönen Wildwiese freuen. Falls dann Ihr Wunsch nach mehr erwacht, können Sie auch eine Wildblumenmischung ansäen oder ein Wildblumenbeet anlegen. Wildblumen gedeihen meist am besten auf nährstoffarmen Böden. Hierfür muss die Humusdecke abgetragen oder der Boden mit Sand durchmischt sein. Ist der Boden vorbereitet, geht es an die Aussaat. Im Fachhandel gibt es Samenmischungen aus heimischen Arten, die an die Bedürfnisse von Wildbienen angepasst sind. Pflanzen, die Bienen besonders viel Nektar liefern, sind z.B. Wiesenflockenblume, Skabiosenflockenblume, Wiesensalbei, Quirlblütiger Salbei, Witwenblume, Gewöhnlicher Dost (Wilder Majoran), Natternkopf, Teufelsabbiss, Tauben-Skabiose, Kornblume (Wildform), Lavendel, Blauer Ysop, Wilde Karde, Gemeine Kratzdistel, Hornklee, Nachtviole und  Bunte Kornwicke. Hierbei gilt: Umso größer die Anzahl an verschiedenen Blütenpflanzen, desto mehr Bienenarten werden den Weg in Ihren Garten finden. Auch Wildbienen-Wiesen sollten maximal zweimal im Jahr und erst ab Juni gemäht werden. Am besten greifen Sie hierfür zur Sense und lassen den Rasenmäher im Schuppen. Das Mähgut sollten Sie dann entfernen.

Paradies im Blumenkasten: Balkone, Blumentöpfe und selbst Fensterbänke beherbergen so manches Bienenparadies. Doch nicht alle Zierpflanzen bieten Pollen und Nektar in Hülle und Fülle. Ranken-Glockenblume, Kornblume, Salbei oder Blaukissen sind ideal für die heimischen Wildbienen, pflanzen Sie dagegen keine Blumen wie Geranien mit »gefüllten« Blüten an, denn hier wurde das Staubblatt, das sonst Pollen liefert, in ein Blütenblatt umgezüchtet. Sieht schön aus, doch für Nektarsammler heißt es: Fehlanzeige!

Naturschutz im Gemüsebeet: Lassen Sie doch einmal Lauch, Rosen- und Grünkohl, Zwiebeln und Möhren ausblühen. Unsere heimischen Zucchini, Gurken und Kürbisse werden gerne von Bienen aufgesucht, auch Küchenkräuter wie Salbei, Zitronen-Thymian oder Bohnenkraut beleben ihr Nahrungsangebot.

Einige bei Wildbienen beliebte Pflanzen, wie Färber-Kamille oder Natternkopf, sind sogenannte Pionierpflanzen. Sie wachsen auf kargen Flächen. Schütten Sie hierfür Schotter oder Kies auf.

Auch heimische Obstbäume und Wildsträucher wie Hartriegel, Liguster, Schneeball, Schlehe, Faulbaum, Salweide, Süßkirsche, Stachelbeere und Weißdorn liefern viele Pollen und Nektar. Selbst durch Nichtstun können Sie helfen: Lassen Sie im Herbst Ihre verblühten Stauden stehen und schneiden Sie sie nicht zurück. Hier finden Wildbienen Unterschlupf für den Winter.

Unbedingt sollten Sie im Garten auf Pestizide und torfhaltige Blumenerde verzichten! Pestizide töten Wildbienen und viele andere Insekten zum Beispiel durch Schädigung ihres Immunsystems. Beim Torfabbau werden ökologisch wertvolle Lebensräume –auch die von Wildbienen – zerstört.
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Wildblumenmischungen extra für Bienen gibt es beim BN Service und im BUNDladen


Weitere Informationen

Der BUND Naturschutz ist Mitglied und Förderer des Netzwerks Blühende Landschaft. Unter dem Motto "Unsere Kulturlandschaft soll wieder blühen - auch für uns Menschen!" fördert es Blühflächen in Gärten und im öffentlichen Raum. 

Pflanzenlisten, die das Netzwerk für den insektenfreundlichen Garten empfiehlt finden Sie auch auf der Gartenseite unter der Rubrik Landwirtschaft

Infos zum Netzwerk Blühende Landschaft und weitere Tipps zum bienenfreundlichen Gärtnern