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Hornissen - friedliche Insektenjäger

Sommerzeit, Hornissenzeit: Bei vielen lösen Hornissen instinktiv Unbehagen aus. Doch sind Hornissen wie Hummeln erstaunlich tolerante und friedfertige Tiere. Und allen gruseligen Legenden zum Trotz: Ihr Stich ist nicht gefährlicher als ein Bienen- oder Wespenstich. 

Wirklich gefährlich sind Hornissen nur für andere Insekten. Oft fangen sie ihre Beute im Flug: Wespen, Fliegen oder Motten. In Sekunden zerlegt, werden meist nur Brust und Hinterleib der Beute in das Nest getragen. Tag und Nacht auf Beutezug, fängt ein großes Volk täglich ein halbes Kilo Insekten, so viel wie fünf bis sechs Meisenfamilien. So bekommen die Riesenbrummer, die „Falken unter den Insekten“, eine bedeutende Rolle im Naturhaushalt – besonders Gärtner und Landwirte sollten das zu schätzen wissen.

Schmerz lass nach: Der Stachel

Hornissen besitzen wie Bienen und Wespen einen Giftstachel, den sie zum Töten ihrer Beute, und wenn es nicht anders geht zur Verteidigung einsetzen. Hornissengift ist jedoch nicht gefährlicher als Bienen- oder Wespengift! Nicht einmal die Giftmenge eines gesamten Hornissenvolkes mit mehreren Hundert Tieren könnte einen Menschen töten. Selbst Kleinkinder haben nichts Ernsthaftes zu befürchten. 

Hornissenstiche sind zwar lästig und durchaus schmerzend, aber kein ärztliches Problem. Es kommt zu einer Schwellung und Rötung, die bald wieder abklingt. Am besten gut kühlen! Wie bei Bienen- oder Wespenstichen gilt natürlich, dass Stiche im Rachen oder Hals sofortige ärztliche Hilfe erfordern. Das ist anders als bei Wespen aber sehr unwahrscheinlich. Denn als stolze Insektenjäger interessieren sich Hornissen überhaupt nicht für den kuchengedeckten Kaffeetisch, für zuckersüße Limo oder Speiseeis.

Aufpassen müssen wie bei vielen anderen Insektenstichen Allergiker: Sie reagieren auf bestimmte Eiweißkörper, die im Gift von Hornissen enthalten sind, mit heftigen allergischen Reaktionen. Personen mit einer häufiger auftretenden Bienengiftallergie sind dabei nicht automatisch gegen Wespen oder Hornissen allergisch. Betroffene Personen sollten das fachärztlich prüfen lassen.

Hornissen und Menschen: ein Knigge

Sie haben ein Hornissennest am Haus? Befindet sich die prachtvolle, bis 50 Zentimeter hohe Hornissenburg an einer Stelle, die Sie nicht stört, dann freuen Sie sich darüber!

  • Sie können es getrost hängen lassen bis der gesamte Hornissenstaat im Herbst bei den ersten Nachtfrösten abstirbt.
  • Da Hornissen niemals ein Nest nochmals beziehen, ist nicht zu befürchten, dass im nächsten Jahr an der gleichen Stelle ein Nest gebaut wird.

Hornissen sind sanfte Riesen. Sie bleiben ohne vorausgegangene Störung friedlich. Sie sind wesentlich scheuer und berechenbarer als Honigbienen oder Wespen. Und im Gegensatz zu ihren kleineren Verwandten wollen sie am kuchengedeckten Kaffeetisch nicht naschen – höchstens Wespen jagen. Also: Nur die Ruhe bewahren.

In der unmittelbaren Nähe des Nestes sind Hornissen aber bereit, ihren Staat bei Störungen zu verteidigen. Im Umkreis von drei bis vier Metern um das Nest gilt grundsätzlich: Bitte nicht stören! Dies gilt, wie die folgenden Tipps, natürlich auch für Wespennester.

  • Keinesfalls das Nest erschüttern, etwa durch Hämmern oder Klopfen.
  • Hektische Bewegungen vermeiden – langsame Bewegungen tolerieren die Hornissen.
  • Flugbahn direkt am Nest frei halten und den Landeplatz nicht manipulieren.
  • Kleinkinder wegen ihrer oft ungestümen Bewegungen vom Nest fernhalten, eventuell durch einfache Absperrungen.
  • Keinen Rauch oder Motoren, etwa von Rasenmähern, in Nestnähe bringen oder gar mit dem Wasserschlauch auf das Nest spritzen.
  • Hängt das Nest an einer problematischen Stelle, hilft oft eine einfache Absicherung, etwa ein Fliegengitter oder Perlenschnüre zur Wohnung hin.

 Besonders bei der nächtlichen Jagd verfliegen sich manche Hornissen in ein helles Zimmer. Jetzt nicht einschüchtern lassen. Sie wollen sich nicht im Zimmer niederlassen, sondern suchen verzweifelt nach einem Ausweg.

  • Öffnen Sie die Fenster weit, dann wird das Tier durch die Zugluft nach außen geleitet.
  • Hornissen lassen sich am Fenster mit einem Trinkglas oder der BN-Becherlupe und darunter geschobenem Pappdeckel leicht fangen und nach draußen befördern.
  • Nachts das Zimmerlicht ausschalten und bei geöffnetem Fenster ein Außenlicht einschalten, dann fliegt die Hornisse auch von selbst wieder hinaus. Hornissen sind wahre Nachtjäger und fliegen noch bei Lichtstärken von 0,03 Lux – für das menschliche Auge ist es da längst zappenduster.
  • Bei regelmäßigen "Besuchen" können die entsprechen den Fenster einfach mit Insektenschutz-Gaze verkleidet werden.

Wenn ein Zusammenleben nicht möglich ist

Es kann Fälle geben, wo sich Mensch und Tier unbeabsichtigt und zum beiderseitigen Schaden ständig in die Quere kommen. Etwa wenn das Nest an einer überhaupt nicht tolerierbaren Stelle hängt oder Sie nachgewiesene Allergien haben. Dann braucht man einen Hornissenspezialisten. Auskunft geben die Unteren Naturschutzbehörden bei den Landratsämtern, manche Imkervereine oder der örtliche Bund Naturschutz. Diese Spezialisten beraten vor Ort und können mit behördlicher Erlaubnis, wenn es keine andere Abhilfe gibt, die Nester manchmal versetzen. 

Also nicht gleich die Feuerwehr rufen, was meist kostenpflichtig ist, denn zuerst muss der Artenschutz bedacht werden. Die Hornisse – wissenschaftlich Vespa crabro – zählt wegen ihrer abnehmenden Bestände und wegen ihres Nutzens in der Natur zu den besonders geschützten Arten (Bundesartenschutzverordnung Anlage 1 in Verbindung mit § 20f Bundesnaturschutzgesetz). Sie darf nicht getötet, und ihr Nest darf nicht eigenmächtig entfernt oder zerstört werden. Auch für die Problemfälle brauchen Sie eine Genehmigung, bei der Sie die Hornissenkenner beraten.

Wer die Tiere näher beobachten will

Wenn Sie das Leben der eindrucksvollen Insektenjäger nun selbst beobachten wollen, bietet der Fachhandel auch Hornissenkästen an. Der Bund Naturschutz kann Ihnen auch Bauanleitungen besorgen. Fertig und einsatzbereit hängt man ihn wie einen großen Vogelkasten an einen warmen, geschützten Platz mit freier Flugbahn auf. Mit etwas Glück siedelt bald eine Insekten-Jagdfliegerstaffel in ihrem Garten!


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