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Orchideen in Bayern: Der Frauenschuh

Die wohl prächtigste Orchidee Deutschlands kommt in Bayern vor allem in den Mittelgebirgen, in den Alpen oder auch in Flussauen vor. Wichtig ist: Der Frauenschuh braucht Kalkboden, einen bestimmten Mykorrhizapilz sowie ausreichend Licht und Schutz.

An „Lieblings-Wuchsorten“ kommt die seltene Orchidee kaum alleine vor: In eng stehenden Grüppchen bevölkert sie dann den Waldboden. Besondere Ansprüche stellt sie an die Licht- und Nährstoffversorgung. Sie mag es gerne halbschattig und bevorzugt daher lichte Wälder, Lichtungen, sowie Wald- und Gebüschränder. Voraussetzung ist, dass dort auch einzelne Nadelbäume vorkommen, denn nur in deren Umgebung wächst ein spezieller Mykorrhizapilz, den der Frauenschuh zum Gedeihen braucht. Zu dunkle und lufttrockene Standorte meidet sie. Außerdem ist Kalkboden ein Muss, wobei die Orchidee eine oberflächliche Versauerung beispielsweise durch Nadelstreu toleriert.

Früher hat der Frauenschuh in vielen Regionen von einer extensiven Waldwirtschaft und traditionellen Waldbauformen profitiert und war kein seltener Anblick. Nieder- und Mittelwälder, die als Waldweiden und zur Brennholzgewinnung genutzt wurden, haben sich positiv auf seine Bestände ausgewirkt. Durch diese Art der Nutzung entstanden halbschattige Standorte, die der Waldorchidee entgegenkommen. Daher finden sich viele Wuchsorte der heute selten gewordenen Pflanze an Plätzen, die durch diese historischen Nutzungsformen teilweise bis ins 20. Jahrhundert hinein geprägt wurden. 

An Standorten, an denen sich beispielsweise durch eine Intensivierung der Waldwirtschaft oder durch Verbuschung die Lichtverhältnisse am Waldboden ändern, bildet die Halbschatten liebende Orchidee keine Blüten mehr aus. Mehrere Jahre können die Rhizome unterirdisch verharren und auf bessere Zeiten warten. Doch irgendwann sind sie verschwunden.  

Vorkommen des Frauenschuhs

Neben Vorkommen in großen Teilen West-, Zentral- und Ostasiens findet man den Frauenschuh vor allem in der gemäßigten (temperaten) und kaltgemäßigten (borealen) Zone Nord-, Mittel- und Osteuropas. Seine Westgrenze erreicht er in Mittelengland. In Deutschland liegt der Verbreitungsschwerpunkt des Gelben Frauenschuhs eher im Süden (Bayern, Baden-Württemberg), aber auch in den Mittelgebirgslagen Thüringens sind noch wichtige Vorkommen zu finden. In Norddeutschland hingegen gibt es großer Verbreitungslücken.

Die Verbreitung in Bayern konzentriert sich auf die Kalkgebiete der Alpen, des Voralpenlandes und des Jura. Bis in Höhenlagen von 2.200 Metern kommt der Frauenschuh dort vor. An einigen Orten in der Oberpfalz blühen die attraktiven Blüten in größeren Horsten zwischen Mitte Mai und Mitte Juni. Aber auch in Bayern sind Bestände bereits komplett erloschen, so beispielsweise im bayerischen Bodenseegebiet.