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Ausbau der Windenergie für Klimaschutz notwendig

Region Augsburg beschließt Windenergie-Verhinderungsplanung

12.10.2017

Der Regionale Planungsverband Augsburg, der die Landkreise Aichach-Friedberg, Augsburg, Dillingen und Donau-Ries umfasst, hat heute gegen die Empfehlung der Verwaltung und der Regierung von Schwaben eine Windenergie-Verhinderungsplanung beschlossen. Der BUND Naturschutz (BN) kritisiert diese Entscheidung scharf:
„Der Windenergie muss in allen Teilen Bayerns genug Raum zugestanden werden. Nur dann können die  Klimaschutzziele erreicht werden und gleichzeitig die Belange des Artenschutzes berücksichtigt werden“, so Thomas Frey, BN-Regionalreferent für Schwaben.

Auf der heutigen Sitzung des Regionalen Planungsverbandes Augsburg hat die Verwaltung und die Regierung von Schwaben dem Gremium vorgeschlagen, die Abstandskriterien für Windenergie-Vorrang- und Vorbehaltsgebiete gegenüber Siedlungen von 2000 auf 1500 Meter zu reduzieren, um der Windenergie wie vom Landesgesetzgeber gefordert, substanziell Raum zu geben. Nur dann könne ein rechtssicherer Regionalplan entstehen, der von Gerichten voraussichtlich nicht als Verhinderungsplanung angesehen wird.  Dieser Vorschlag wurde mit einer Mehrheit von 16 zu 4 Stimmen abgelehnt und daraufhin beschlossen, die alte Abstandsregelung beizubehalten und mit nur 3 Vorrang- und 3 Vorbehaltsgebieten die Planung abzuschließen. Teile davon sind schon mit Windenergieanlagen bestückt, so dass kein Zubau mehr möglich ist.

Der BUND Naturschutz hatte in seiner Stellungnahme gefordert, die Abstandsflächen zu Gewerbe- und Industriegebieten, anderen Siedlungen und zu Straßen zu reduzieren (siehe Stellungnahme im Anhang).

Direkt an der Grenze zur Planungsregion Augsburg steht in Gundremmingen Deutschlands größtes und gefährlichstes Atomkraftwerk. Der BUND Naturschutz fordert die sofortige Abschaltung. Außerdem kann Deutschland nur durch einen zügigen Ersatz von Kohlekraftwerken durch erneuerbare Energieträger die international verbindlich vereinbarten Klimaschutzziele erreichen. Aktuell muss davon ausgegangen werden, dass Deutschland sein Klimaschutzziel für 2020 deutlich verfehlt (siehe Grafik im Anhang). Das größte Potenzial liegt bei der Sonnen- und Windenergie, sowie der Energieeinsparung.

„Der Umbau der Energieerzeugung ist nur dann möglich, wenn alle Regionen Deutschlands dezentral vor Ort einen Beitrag leisten“, ist Alexander Helber, Vorsitzender der BN Kreisgruppe Donau-Ries überzeugt.

"Schon 2010 haben  die Kreisgruppen Aichach-Friedberg, Augsburg, Donau-Ries und Dillingen eine gemeinsame Windkraftresolution verabschiedet, die von der bayerischen Staatsregierung eine planerische Analyse von Vorzugsstandorten und Tabuzonen fordert. Damit kann ein Ausgleich zwischen dem Schutz von ökologisch wertvollen Flächen und dem für die Energiewende erforderlichen Ausbau der Windenergie geschaffen werden“, erläutert Johannes Enzler, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Augsburg.

„In Zukunft wird Strom aus erneuerbaren Energien auch im Wärme- und Verkehrssektor noch stärkere Berücksichtigung finden. Strom aus dezentralen Windkraftanlagen erzeugt dort die elektrische Energie, wo auch der Verbrauch stattfindet und unterstützt damit die intelligente und zukunftsfähige Ertüchtigung unserer Stromnetze“, ergänzt Ernst Haile, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Aichach Friedberg.

Der BUND Naturschutz hält größere Windenergie-Gebiete im Regionalplan auch deshalb für notwendig, um in der Genehmigungsplanung besser auf naturschutzfachliche Belange eingehen zu können. Aus artenschutzfachlichen Belangen können nicht alle Vorranggebiete vollständig genutzt werden.
"Jedoch müssen die artenschutzfachlichen Belange immer in einer Gesamtbetrachtung beurteilt werden. Denn  Vogel und Co profitieren auch von der Windkraftnutzung. So kann durch den Ausbau der Windkraft die zunehmende Vermaisung der Kulturlandschaft für die Biogasstromproduktion verhindert werden“, präzisiert Dieter Leippert, Vorsitzender der BN Kreisgruppe Dillingen.

Mit geringeren Abstandsflächen zu Industrieanlagen (wie in Schleswig-Holstein üblich), zu Straßen (wie in Baden-Württemberg üblich), einer leichten Veränderung der Flugzonen und anderer unproblematischer Anpassungen hätten größere und mehr Vorranggebiete gefunden werden können. Zudem lehnt der BN die 10H Regelung ab, die zu Abständen zu Siedlungen von 2000m führt ab, weil damit einerseits der für die Energiewende notwendige Ausbau der Windenergie massiv behindert wird, andererseits die Windenergieanlagen in die letzten großflächig naturnahen und infrastrukturfreien Gebiete geschoben werden.

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Für Rückfragen:

BUND Naturschutz in Bayern e.V.
Thomas Frey
Regionalreferent für Schwaben, Fachabteilung für Südbayern
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