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GELEBTE ENERGIEWENDE - SOLARPARK UTTENREUTH IM LANDKREIS ERLANGEN-HÖCHSTADT - SO SORGEN KOMMUNEN UND BÜRGERENERGIE FÜR KLIMASCHUTZ

Die internationale Staatengemeinschaft hatte sich bei der Klimakonferenz in Paris in 2015 zum Ziel gesetzt, die Welt vor einer Klimawandelkatastrophe zu bewahren. Das Ziel, den globalen Temperaturanstieg auf unter 2 Grad Celsius, besser auf 1,5 Grad Celsius, zu begrenzen, erfordert nationale Aktionen, auch in Deutschland. In der Bundestagswahl 2017 werden die Weichen gestellt.

Vor Ort, wie hier im Landkreis Erlangen-Höchstadt, handeln Kommunen gemeinsam mit Bürgerenergiegesellschaften, und entwickeln regionale Konzepte – so könnte eine landes- und bundesweite Energiewende erfolgreich gestaltet werden.

Foto:Verena Steindl 1. v.l. Rudi Ackermann, EW Erlangen, 5. v. l. 1. Bürgermeister Frederic Ruth, Uttenreuth; 6. v.l. Herbert Fuehr, 1. Vorsitzender BN ERH; Klaus Gruber (hinten), NATURSTROM AG; Bürgermeisterin Birgit Herbst, Spardorf (3.r.); Dieter Emmerich, EWERG eG (2.r.); Dr. Herbert Barthel, BUND Naturschutz (1. r.)

15.09.2017

"Wir müssen für den Klimaschutz aus der Kohleverstromung in Deutschland aussteigen. Also müssen wir auch in Bayern den Strom aus Fotovoltaik- und Windenergieanlagen erzeugen. Der Solarpark Uttenreuth, der hier von drei Bürgerenergiegenossenschaften finanziert und betrieben wird, zeigt positiv wie Energiewende bei uns im Landkreis umgesetzt werden kann. Ein wichtiger Beitrag für ein großes Ziel", so Herbert Fuehr, Vorsitzender der Kreisgruppe Erlangen des BUND Naturschutz Bayern, e.V.

Die Energiewende für Atomausstieg und Klimaschutz erfordert den Aufbau dezentraler und regionaler Strukturen, technisch und wirtschaftlich. Die Stromquellen der Zukunft aus Wind und Sonne ernten mit dezentralen und regionalen Strukturen. Planungen der Energiewende müssen dezentrale und regionale Aspekte und Strukturen berücksichtigen und unterstützen. Dies muss eine vordringliche Aufgabe der neuen Bundesregierung nach der Bundestagswahl sein.

Wie Energiewende umgesetzt wird, zeigen Bürgerenergie-Gesellschaften, wie diese, die sich im Verein Bürgerenergie Bayern e.V. zusammengeschlossen haben. Im Landkreis Erlangen-Höchstadt haben die Bürgerenergie-Genossenschaften "Bürgergenossenschaft EnergieWende Erlangen und Erlangen-Höchstadt eG" (EWERG eG), die "Bürger-für-Bürger-Energie eG" (BfB Energie eG) in Neunkirchen am Brand, "Die KlimaschützerInnen eG" (KEG eG) aus Forchheim und die Naturstrom AG den Solarpark Uttenreuth gebaut, in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Uttenreuth, den Bayerischen Staatsforsten und der Trinkwassergewinnung der Erlanger Stadtwerke. Im Jahr werden dort ca. 3 Millionen Kilowattstunden Strom von der Sonne hergestellt.

"Natürlich ist jede eingesparte Kilowattstunde die beste Energie. Deswegen werden wir auch Energie-Effizienz-Maßnahmen finanzieren und lokale Speicherkonzepte umsetzen, sobald sie marktreif sind. Der dringend benötigte Ersatz der fossilen Energieträger für Wärme und Mobilität bedingt aber einen steigenden Strombedarf für z.B. Wärmepumpen, Elektromobilität und Power-to-Gas-Konzepte. Deswegen werden die Bürgerenergiegesellschaften weiter Vorreiter für die Kohlendioxid-freie Stromerzeugung bleiben und damit dem Klimaschutz dienen. Die Akteure sind sehr agil, innovativ, investitionsfreudig und nicht nur auf Gewinnmaximierung fokussiert. Mit Bavariastrom verkaufen sie jetzt schon den Strom aus ihren eigenen Bürgeranlagen. Allerdings braucht es weiterhin stabile politische Rahmenbedingungen wie den Einspeisevorrang der Erneuerbaren Energien und Anschubfinanzierungen für neue Technologien wie im Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). Bitte gehen Sie zur Bundestagswahl. Sie entscheiden damit auch über den zukünftigen Klimaschutz", so Dieter Emmerich, Stellvertretender Vorsitzender des Bündnis Bürgerenergie in Bayern e.V. und Vorsitzender der EWERG eG.

"Die Gemeinde Uttenreuth hat die Rahmenbedingungen geschaffen, um diesen großen Solarpark zu ermöglichen. Zur Veranschaulichung der Größenverhältnisse: Der Solarstrom, der hier jährlich erzeugt wird, reicht bei Vollausbau des Areals in Summe für die gesamte Gemeinde. Uttenreuth ist durch den Solarpark somit rechnerisch komplett mit Strom aus Erneuerbaren Energien versorgt. Dies zeigt, was heute in unseren Breiten, auch bei wirtschaftlicher Betrachtung, machbar ist. Zudem ist der Solarpark Uttenreuth ein wunderbares Beispiel für Bürgerengagement und für dezentrale Energieversorgung und zeigt auch, wie der Atomausstieg gelingt, ohne auf Gas, Öl und Kohle zurückzugreifen", so Bürgermeister Frederic Ruth, Gemeinde Uttenreuth.

"In der Gemeinde Spardorf setzen wir auf dem Gelände der "Alten Ziegelei", ein innovatives Energiekonzept um. Die Supermarktbetreiber konnten überzeugt werden - auf den Dächern der Märkte werden Fotovoltaik-Anlagen errichtet, und dies zumindest teilweise als bürgergenossenschaftliches Modell mit der EWERG eG. Erdwärme wird genutzt und Wärmerückgewinnung wird für Kühlsysteme der entstehenden Supermärkte genutzt", erläutert Bürgermeisterin Birgit Herbst, Gemeinde Spardorf.

"Für mich als Bürgermeisterin ist klar, das Überleben unseres Planeten erfordert die Klimawende, und diese muss auch mit einer Verkehrswende einhergehen. Seit 2015 stellt die Gemeinde der Bürgerschaft ein Elektroauto im Carsharing-Betrieb zur Verfügung. Wir haben hierfür zentral im Ort eine Elektroladesäule errichtet - mit Strom aus 100 Prozent Erneuerbaren Energien, von der N-ERGIE Aktiengesellschaft. In Kooperation mit der Gemeinde Buckenhof erweitern wir nun unsere Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge auf dem Gelände der "Alten Ziegelei" mit drei weiteren Ladesäulen für insgesamt 6 Fahrzeuge, vor den neuen Supermärkten. Auch hier konnten wir, gemeinsam mit Bürgermeister Georg Förster, Buckenhof, und mit Unterstützung des privaten Investors und der planenden Architekten, die Marktbetreiber für eine Beteiligung gewinnen. Im Sektor Verkehr lassen wir zudem in Spardorf, wieder in Kooperation mit der Gemeinde Buckenhof, ein Klimaschutz-Teilkonzept Mobilität erstellen. Ziel ist die Förderung des Rad- und Fußverkehrs und des Öffentlichen-Personen-Nahverkehrs (ÖPNV)", so Bürgermeisterin Herbst weiter.

Die Gemeinde Spardorf ist Gründungsmitglied des Vereins Energiewende ERHlangen e.V. Die Gemeinde Spardorf übernimmt Kosten für Erstberatung in Fragen Energiesparen für ihre Bürger.

Wie Bürgermeisterin Herbst ausführt, sollten die Kommunen gemeinsam mit der Bürgerschaft voran gehen, um etwas zu bewegen im Klimaschutz. Die Kommunen sollten Angebote an die Bürgerschaft machen, Anreize schaffen und eine Vorreiterrolle einnehmen. Bürgermeisterin Birgit Herbst verweist hier gemeinsam mit dem Gemeinderat auf eine erfolgreiche Bilanz in den letzten drei Jahren - aktiver Klimaschutz hat an Priorität gewonnen in Spardorf.

Auch die Gemeinde Bubenreuth hat zur Aufgabe Klimaschutz einiges vorangebracht. Bürgermeister Nobert Stumpf weist darauf hin, dass beispielweise die potentiell geeigneten gemeindlichen Immobilien heute Fotovoltaikanlagen tragen und Strom produzieren. Hinzu kommt noch eine Fotovoltaik-Freiflächen-Anlage mit rund 8 Megawatt elektrischer Leistung. Ein wichtiger Beitrag, der durch Ermöglichen der notwendigen Flächen und Finden eines Investors erzielt werden konnte. Durch Einbeziehen der EWERG eG wurde eine finanzielle Beteiligungsmöglichkeit für Bürger geschaffen. Auch der direkte Bezug dieses regionalen Ökostroms ist nun möglich.

Weitere Maßnahmen der Gemeinde Bubenreuth sind Pläne zur Umstellung der Straßenbeleuchtung auf stromsparende LED (light-emitting electrodes), ein Energienutzungsplan wurde gemeinsam mit der Hochschule Landshut erstellt, ein "Energiecoaching" mit dem Landratsamt läuft und es gibt Beratungsangebote für Bürgerinnen und Bürger. Zusätzlich hat sich in Bubenreuth ein Arbeitskreis aus ehrenamtlichen Bürgern formiert, der den Gemeinderat berät und unterstützt. Der Gemeinderat Bubenreuth hatte bereits im Jahre 2013 beschlossen, dass die Gemeinde "energieautark" werden solle. Bürgermeister Stumpf erläutert weiter, dass natürlich klar ist, dass die Gemeinde nicht wirklich energieautark im strengen Sinn des Wortes werden kann. Aber - die Gemeinde will ihr Möglichstes tun, und dazu beitragen, dass die Energie für die Kommune ökologisch erzeugt wird. Und angestrebt wird auch ein Ausgleich der Energiebilanzen.

Aus Sicht von Bürgermeister Stumpf müssen Gemeinden ein Vorbild sein und so Umdenken anstoßen. Kommunen müssen als Vorreiter tätig sein. Leider fehlen den Kommunen oft die finanziellen Möglichkeiten für die Investitionen. Der finanzielle Zuschuss durch Bund und Länder wäre hier zu verbessern.

"Die Bayerische Staatsregierung darf sich nicht nur auf gute Selbstdarstellung in Sachen Klimaschutz beschränken. Sie sollte die Weiterentwicklung der Energieeinsparverordnung (EnEV) nicht blockieren, sondern muss die energetische Sanierung des alten Wohnungsbestandes in Bayern voranbringen. Sie muss die Sackgasse des Straßenneubaus verlassen - denn Verbrennen von fossilen Treibstoffen ist einer der Haupttreiber des Klimawandels. Wir benötigen in Bayern Modernisierung und Elektrifizierung des Öffentlichen Nah- und Fernverkehrs - und mehr Aktivitäten für den Umstieg auf Elektromobilität. Die Bayerische Staatsregierung sollte das Erneuerbaren Energie Gesetz (EEG) nicht angreifen - sondern konkrete Vorschläge zu machen, wie Sonnen- und Windstromanlagen refinanziert werden können. Energiepolitik in Bayern für den Klimaschutz muss auch koordiniert werden - das wäre Chefsache!" fordert Dr. Herbert Barthel, Referent für Energie und Klimaschutz im BUND Naturschutz in Bayern e.V.

 In der Anlage finden Sie ein Foto von Verena Steindl zum heutigen Ortstermin. Auf dem Bild sehen Sie: 1. v.l. Rudi Ackermann, EW Erlangen, 5. v. l. 1. Bürgermeister Frederic Ruth, Uttenreuth; 6. v.l. Herbert Fuehr, 1. Vorsitzender BN ERH; Klaus Gruber (hinten), NATURSTROM AG; Bürgermeisterin Birgit Herbst, Spardorf (3.r.); Dieter Emmerich, EWERG eG (2.r.); Dr. Herbert Barthel, BUND Naturschutz (1. r.)

 Für Rückfragen:

Dr. Herbert Barthel, Referat für Energie und Klimaschutz

Tel.: 0911/81878-17 oder 0151/5048-9963