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GEWINNER DER WIESENMEISTERSCHAFT 2017 GEEHRT

Die Gewinner der Wiesenmeisterschaft 2017 stehen fest. Im Rahmen eines Festaktes in Holzkirchen wurden drei Betriebe aus der Region München/Miesbach, wo die Meisterschaft dieses Jahr stattfand, geehrt. Gesucht wurden die schönsten artenreichen und zugleich landwirtschaftlich genutzten Wiesen.

Siegerwiese von Johann Oberhauser Foto: Inge Steidl

Wiesenmeister 2017, die Gewinner der Plätze 1 - 5 vlnr: Christine und Johann Oberhauser, Stephanie und Lorenz Bonleitner, Katharina und Josef Kandlinger, Nikolaus und Christine Gasteiger und Georg Reiter; Foto: BN

30.06.2017

Der Wiesenwettbewerb findet seit 9 Jahren jährlich in einer anderen Region Bayerns statt, in diesem Jahr in Stadt und Landkreis München und im Landkreis Miesbach. Die Wiesen wurden nicht nur nach Kulturlandschaftswert und Artenvielfalt, sondern auch nach landwirtschaftlicher Verwertung und Futterertrag bewertet.

In diesem Jahr hatten sich 31 landwirtschaftliche Betriebe mit ihren Wiesen für den Wettbewerb angemeldet, davon 7 aus der Stadt München und 24 aus dem Landkreis Miesbach. Die endgültige Festlegung der besten fünf Preisträger erfolgte bei einer Juryrundfahrt am 13. Juni.

Den ersten Preis erhielt der Bullenmastbetrieb von Johann Oberhauser aus Langwied, Stadt München, der einen Teil der Langwieder Heide bewirtschaftet. Der Aufwuchs der artenreichen Salbei-Glatthaferwiese wird als Pferdeheu vermarktet.

Zweite Preisträger wurden die Schafhalter Stefanie und Lorenz Bonleitner aus Fischbachau im Landkreis Miesbach mit ihrer "Steinwiese", die mit ihren vielen seltenen und gefährdeten Arten punkten konnte.

Als dritter Preisträger wurde Josef Kandlinger aus Kreuth im Landkreis Miesbach für seine artenreiche Jungviehweide "Allweg" ausgezeichnet.

Großer Dank für den Erhalt artenreicher Wiesen

Bei der Veranstaltung würdigten die anwesenden Festredner die besonderen Verdienste der Bäuerinnen und Bauern für die Erhaltung der überlieferten Kulturlandschaft. Der BUND Naturschutz-Vorsitzende Hubert Weiger wies darauf hin, dass derzeit im Bayerischen Kulturlandschaftsprogramm keine Programme zu besonders extensiven Wiesennutzung mehr angeboten werden, dies aber notwendig sei, um Landwirte, die bereit sind, artenreiche Wiesen in ihren Betrieb zu integrieren, entsprechend zu unterstützen. "Dies ist auch gesellschaftlich gewollt", so Weiger. Er dankte allen "Wiesenmeistern" für ihr besonderes Engagement.

Die Wiesenmeisterschaft ist ein Gemeinschaftsprojekt von BUND Naturschutz in Bayern (BN) und Bayerischer Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Gut 30 Verbände und Organisationen haben den Wettbewerb bekannt gemacht und mit vielfältigen Geld-, Sach- und Buchpreisen unterstützt. So wurden der erste Preis von der Landeshauptstadt München, der zweite Preis von den beiden veranstaltenden Organisationen selbst, der dritte Preis von der Ökomodellregion Miesbacher Oberland zur Verfügung gestellt. Weitere zum Teil sehr wertvolle Preise stammen von den Stadtwerken München, den Käsereien und Molkereien Andechser, Berchtesgadener Land, Gropper und Tegernseer Land, den Landwirtschaftsverbänden AbL und BDM, den bayerischen Bio-Anbauverbänden, der Gundermann-Akademie, dem Landkreis Miesbach, der Firma Herbaria und dem Netzwerk Blühende Landschaft. Eine vollständige Liste der Unterstützer findet sich auf der Webseite des BN.

Die Preisträger und ihre Wiesen

Den ersten Preis, Gutschein für einen Aufenthalt im Biohotel im Wert von 500,-, erhielt der Bullenmastbetrieb von Johann Oberhauser aus Langwied, Stadt München für seine artenreiche Salbei Glatthafer Wiese auf der Langwieder Heide, einer Reliktfläche der Münchner Schotterheiden.

  • Bullenmast-Gemischtgebetrieb im Vollerwerb (80 ha, davon 40 ha Grünland), Kooperation mit Pferdepensionen und Reitschulen. 50 Prozent Extensivgrünland. Saatgutproduktion.
  • Teilfläche (ca. 8 ha) der "Langwieder Heide", im Kulturlandschaftsprogramm "artenreiches Grünland", ungedüngt seit 1987, einschürig, Schnitt meistens Anfang Juli, Nachbeweidung im Herbst durch Wanderschäfer. Aufwuchs für Pferdeheu. Artenreiches Extensivgrünland, teils als Salbei-Glatthaferwiese mit typischen Kennarten (z.B. Flockenblume, Margerite, Wiesen-Salbei, Hornklee, Wiesen-Glockenblume u.v.a.). Saatgutspenderfläche für Vermehrungsbetrieb.

Den zweiten Preis, einen Gutschein für einen Aufenthalt im Biohotel im Wert von 300 € gewannen Stephanie und Lorenz Bonleitner aus Fischbachau im Landkreis Miesbach.

  • Schafhalter im Nebenerwerb seit 2012 (9 ha, davon 7 ha Grünland): Walliser Schwarznase, Weißes Bergschaf, Tiroler Steinschaf (derzeit 16 Tiere, Pläne für Vergrößerung). Eigene Vermarktung (Fleisch, Wurst, Geräuchertes). Hofcafe an gut besuchtem Wander- und Radweg.
  • Magere Bergwiese "Steinwiese", einschürig bewirtschaftet, Vertragsnaturschutz mit Mahdzeitpunkt 1. Juli. Aufwuchs zur Heugewinnung für eigene Schafe. Schöne Lage in Waldlichtung oberhalb Fischbachau (Karolinenhöhe). Zum Teil Buckelwiesencharakter (ehemalige Lichtweideflächen). Biotopkartiert. Artenreiches Extensivgrünland mit zahlreichen, z.T. gefährdeten Magerkeits-, Feuchte- und Wechselfeuchtzeigern (z.B. Trollblume, Heil-Ziest, Niedrige Schwarzwurzel, Sumpf-Kreuzblümchen), verschiedene Orchideenarten und subalpine Arten (z.B. Brillenschötchen).

Den dritten Preis, einen Übernachtungsgutschein für den Tannerhof, bereitgestellt von der Ökomodellregion Miesbacher Oberland gewann Josef Kandlinger aus Kreuth im Landkreis Miesbach.

  • Milchviehbetrieb im Nebenerwerb auf reiner Grünlandbasis (56 ha, davon 15 ha Almflächen und Hutungen). Fleckvieh behornt; beliefert Naturkäserei Tegernseer Land (Heumilchprogramm). Weitere Standbeine: Skilift, Urlaub auf dem Bauernhof.
  • Extensive Bergweide "Allweg", 4,3 ha, Auftrieb Mitte Mai, 2. Weidegang im Herbst. Insgesamt stehen 15 Stück Jungvieh etwa 5 Wochen auf der teilweise sehr exponierten Weide, die im Winter als Skiabfahrt genutzt wird. Kulturlandschaftsprogramm (Kulap) ohne Düngung und Pflanzenschutz. Artenreiches Extensivgrünland mit zahlreichen Kennarten, darunter Frauenmantel, Margerite, Prunelle, Witwenblume, Hornklee und weitere Leguminosen. Weideanzeiger wie Silberdistel, Hauhechel. Bedeutende Anteile Feuchtgrünland mit eingelagerten Quellsümpfen (z.B. mit Kohldistel, Sumpf-Kratzdistel, Sumpf-Baldrian, Mehlprimel). Wechselfeuchtzeiger (z.B. Heil-Ziest).

Den vierten Preis errang Nikolaus Gasteiger aus Irschenberg, Landkreis Miesbach.

  • Milchviehbetrieb im Vollerwerb auf reiner Grünlandbasis (31 ha), Biobetrieb (Mitglied bei Naturland). Mitarbeit im Maschinenring als weiteres Standbein.
  • Mähweide "Moos-Windwart" (2,5 ha), Bestoßung April/Mai, anschließend 2mal Mahd. Aufwuchs wird als Heu und Grummet vollständig verfüttert. Artenreiches Extensivgrünland mit Anteilen von Feuchtgrünland, zahlreiche Kennarten, z.B. Frauenmantel, Kohldistel, Wiesen-Pippau, Mädesüß, Herbst-Löwenzahn, Margerite, Wiesen-Platterbse, Feldklee , Vogelwicke.

Fünfter wurde Georg Reiter aus Reichersbeuern (Lkr. Bad Tölz-Wolfratshausen) mit seiner "Radlwiese" im Allgau im Landkreis Miesbach.

  • Milchviehbetrieb im Vollerwerb (55 ha, davon knapp 53 ha Grünland). "Bienenschutzprogramm" mit Milchwerke MVS Pfaffing (reduzierte Fahrgeschwindigkeit, Rücksichtnahme auf Hauptflugzeiten, keine Pestizide, Maisanteil in der Futterration kleiner 30 Prozent). Bewirtschaftet auch ca. 10 ha extensive Bergweiden und zwei kleine Streuwiesen.
  • Einschürige Magerwiese "Radlwies" im Allgau mit bedeutenden Anteilen bodensaurer Mager- und Moorwiesen. Späte Mahd Ende Juli bis Anfang August (ohne Schnittzeitauflage, kein VNP). Aufwuchs wird komplett an Kühe und Jungvieh verfüttert.
  • Neben kennzeichnenden Arten des Extensivgrünlandes (z.B. Flockenblume, Witwenblume, Margerite) weitere seltene und gefährdete Arten zum Teil in größerer Menge vorhanden (z.B. Schwarzwurzel, Großköpfiger Pippau, Busch-Nelke, Färberscharte, Ginsterarten). 

Bei der diesjährigen Wiesenmeisterschaft konnten außerdem 5 sechste, 12 siebte und 9 achte Preise vergeben werden. Eigentlich gab es nur Gewinner, stellten die Veranstalter fest, denn die Unterschiede zwischen den Preiskategorien waren nur sehr gering und alle beteiligten Landwirte tragen zur Naturschönheit und Erhaltung der Artenvielfalt in ihrem Landkreis bei. Neben den gespendeten Preisen erhalten alle Teilnehmer auch eine Urkunde, ein Poster mit Fotos aller Teilnehmer sowie ein Foto und eine Artenliste ihrer Wiese.