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Untersiemauer Pfaffenleite

Gerettetes Kleinod fränkischer Landschaft

22.03.2016

Der BN-Landesvorstand besuchte am 22.3.16 die Kreisgruppe Coburg. Bei der sehr aktiven Ortsgruppe Untersiemau besichtigten der Landesvorsitzende Hubert Weiger und weitere Landesvorstände die Untersiemauer Pfaffenleite. Geführt wurden sie von Wilhelm Stadelmann, 2. Vorsitzender der Kreisgruppe Coburg und Ivonne Peschek und Otto Ruppert von der Ortsgruppe Untersiemau.

Der Landesvorstand zeigte sich sehr beeindruckt von der engagierten Pflege auf dem vor zwölf Jahren erworbenen BN-Grundstück, die nicht nur ein typisches Kleinod fränkischer Landschaft erhält, sondern auch zeitgemäß nutzt und entwickelt. Die Ortsgruppe Untersiemau leiste hier vorbildlichen Naturschutz und mit der Jugendorganisation Untersiemau auch hervorragende Umweltbildung.

Die Pfaffenleite, früher mehr als doppelt so groß, konnte vom BUND Naturschutz im Jahr 2004 gerettet werden. Geschafft wurde das nur über die guten Beziehungen zum Pfarrer Reiner Piscalar. Über die Pfründestiftung, eine Stiftung der Evangelischen Kirche, wurde das Vorhaben abgewickelt und 2004 an den BUND Naturschutz überschrieben. Seitdem hat die Ortsgruppe auf dem Grundstück vielseitige Pflegemaßnahmen und tolle Aktionen durchgeführt.

Auf dem Grundstück befinden sich Apfelbäume, Birnbäume, Kirsch- und Pflaumenbäume, zahlreiche Sträucher und Walnussbäume. In der Mitte des Grundstücks steht eine alte Eiche, die laut Überlieferung eine "70er Eiche" ist, die nach dem Krieg 1870 gepflanzt wurde. Die obere Spitze der Eiche ist mittlerweile hohl und bietet Fledermausarten und vielen anderen Arten Unterschlupf. Wegen Bruchgefahr wurde sie entlastet.

Die große Bedeutung der Streuobstwiesen als wichtiges Naturgut und Kulturerbe ist für die Pfaffenleite besonders hervorzuheben.

In den letzten 16 Jahren wurden über 30 neue Bäume gepflanzt, davon die meisten als Hochstammsorte.

Jedes Jahr wird ein besonderes Projekt, das sogenannte Jahresprojekt umgesetzt, so war es z. B. ein sehr umfangreiches Vorhaben einen neolithischen Lehmbackofen mit Holzdach zu bauen, der nach historischen Plänen errichtet wurde. Um den Lehmbackofen wurde eine Trockenmauer aus Feldsteinen aus der Umgebung errichtet. Ein weiteres Projekt war eine Erdstube, die den Kindern als spannender Unterschlupf dient.

Das Wildbienenhotel das 2014 angelegt wurde ist in der alten Handwerkskunst des Lehmbaus entstanden. Ein Grundgerüst aus Weidenstöcken wurde geflochten und mit Lehm ausgeschmiert. In den noch weichen Lehm wurden Löcher in unterschiedlichem Durchmesser für Brutmöglichkeiten hineingestochen. Um das Gestell herum setzte man Tonziegel und zwischengepackte Alte Tontöpfe als Unterschlupf für Eidechsen, Spitzmaus und Hummeln. Strohballen und vorgebohrte Holzteile wurden ebenfalls eingebaut. Damit das ganze einen häuslichen Anstrich bekam setzte man ein Fenster ein, das mit Kinderhänden dekoriert wurde, damit Vögel nicht dagegen fliegen.

Ein besonderes Vorhaben war im Jahr 2011 der Wunsch nach einem Gewässer für Wasser- und Sumpfbewohner auf dem Grundstück. Dafür wurde in unmittelbarer Nähe des BN-Obstgartens an der Pfaffenleite ein Teich von 200 Quadratmetern Wasserfläche mit einer Tiefe von zwei Metern angelegt, der sich harmonisch in die Anlage einfügt.

Das mehrstufige Kunstwerk wurde nach Plänen von Peter Schumann im Rahmen der Flurneuordnung gestaltet. Inzwischen hat sich das Laichgewässer sehr gut weiterentwickelt. Die Randbereiche sind mit Rohrkolben, Binsen, Schwertlilien, Blutweiderich, sowie weiteren Über- und Unterwasserpflanzen bewachsen. Wasserfrosch, Teichmolch und diverse Libellenarten haben sich eingefunden, nur um einige Tierarten zu nennen. Auch Wasservögel haben den Teich angenommen, u.a. wurde sogar eine Bekassine gesichtet. Es ist ein wertvolles Feuchtbiotop entstanden!

Bei zu hoher Trockenheit wird der Teich über eine aus Sandstein gefasste Quelle gespeist. Aus dieser Quelle holte man früher das Osterwasser welches als Taufwasser verwendet wurde. Es wurde in der katholischen Kirche während der Feier der Osternacht geweiht.

Anfang August 2014 beurteilte die Kommission des Landkreises die Anlage und war sichtlich beeindruckt. Der Mühe Lohn war der 1. Platz bei diesem Wettbewerb.

Als Jahresprojekt 2015 wurde auf einem Feldrain am Grundstück "Pfaffenleite" eine neue Nistgelegentheit für den Storch errichtet. Ein fast zwei Meter tiefes Fundament musste ausgehoben und die Eisenhalterung einbetoniert werden, dafür war schweres Gerät und die Hilfe von Vielen Ehrenamtlichen nötig. Ein sehr gut erhaltenes altes Wagenrad, das mit Weidenruten ausgeflochten wurde, dient als Horst. Dieser ist auf einem sehr stabilen Mast in acht Metern Höhe schon von Weitem sichtbar. Im Letzten Jahr wurde der Horst auch von einem Schwarzstorch begutachtet, später hat sich ein Storch eingefunden, der aber leider alleine blieb. In diesem Jahr hofft die Pfaffenleite auf ein Storchenpaar.

Über das Land hinaus bekannt ist das jährliche Untersiemauer Apfelfest, das im Rahmen zum Tag der Regionen durchgeführt wird. Das Apfelfest ist ein Fest mit zahlreichen Aktivitäten für Kinder und Erwachsene. Dabei wird die Vielfalt des Apfels, unserer wichtigsten heimischen Frucht, herausgestellt.

Für Rückfragen:

Tom Konopka, Regionalreferent

BUND Naturschutz in Bayern e. V., Telefon 0911 81878-14