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B12-Ausbau Buchloe–Kempten: Zukunftsfähige Verkehrspolitik statt neue Allgäu-Autobahn

„Der geplante autobahngleiche B12-Ausbau zwischen Buchloe und Kempten ist Ausdruck einer völlig rückwärtsgewandten Verkehrspolitik und widerspricht allen Zielen zum Klima-, Arten- und Flächenschutz“, kritisiert der BN-Landesvorsitzende Richard Mergner. „Viel sinnvoller wäre es, das Geld in den Ausbau und die Elektrifizierung der vernachlässigten Eisenbahninfrastruktur im Allgäu zu stecken.“

22.07.2020

„Wir werden uns mit den völlig überdimensionierten Planungen nicht einfach abfinden“, so Josef Kreuzer, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Kaufbeuren-Ostallgäu. „Das Vorhaben wird den Auto-Tagestourismus in den Allgäuer Alpen noch weiter anfeuern, obwohl die Blechlawinen dort ohnehin schon regelmäßig zu Überlastungen führen.“

Der autobahngleiche B12-Ausbau ist eines der größten Straßenbauprojekte im Bundesverkehrswegeplan in Bayern.
Geplant sind auf einer Länge von über 50 km:

  • Vierspuriger autobahngleicher Ausbau mit einem Regelquerschnitt von
    28 Metern!
  • Damit verbunden sind 70 neue Brückenbauwerke
  • Geplant sind zusätzlich 4 Rastanlagen (beidseitig an zwei Standorten)
  • Neue Auffahrten in Betzigau, Ruderatshofen und Bertoldshofen

Wir gehen von Kosten in einer Höhe von mindestens einer halben Milliarde Euro aus.

Die Auswirkungen auf Natur und Umwelt sind katastrophal:

  • Flächenverbrauch: Bei einem Regelquerschnitt von 28 m gehen wir daher von einem zusätzlichen Flächenverbrauch allein für die Straßenverbreiterung auf der über 50 km langen Baustrecke von ca. 90 ha aus. Dazu kommen größere Brücken, neue Auffahrten, die Rastanlagen, zusätzliche Anwandwege. Der Gesamtflächenverbrauch liegt also weit über 100 ha.
  • Mehr Verkehr: „Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten“:Die Verkehrsprognose geht im Vergleich zur Straßenverkehrszählung 2015 bei einem Ausbau bis ins Jahr 2030 in der Spitze von einem Verkehrswachstum von über 30 % aus. Der heutige bauliche Zustand der B12 ist für die Verkehrszahlen absolut ausreichend.
  • Mehr Lärm: Mehr Verkehr und schnellere Geschwindigkeiten führen zu deutlich mehr Lärm in der Umgebung. Das Beispiel Isental-Autobahn zeigt, dass der gesetzlich vorgeschriebene Lärmschutz absolut ungenügend ist.
  • Überlastung der alpinen Schutzgebiete durch Tagestourismus: In den vergangenen Jahren hat sich die Überlastung der alpinen Schutzgebiete durch Tagestouristen immer weiter zugespitzt. Ruhebedürftige Arten verlieren immer mehr Lebensraum. Der autobahngleiche B12-Ausbau macht Tagesausflüge aus den Großräumen Augsburg und Münchens ins Allgäu nochmal deutlich attraktiver und zerstört so auch die Basis für einen qualitativ hochwertigen Übernachtungstourismus. Siehe auch: https://www.bund-naturschutz.de/pressemitteilungen/tagesreise-einzugsgebiet-von-oberstdorf-verdreizehnfacht.html

Als Alternativen schlägt der BUND Naturschutz vor:

  • Elektrifizierung Bahnstrecke Buchloe–Kempten: Mit dem Geld für die vierspurige Allgäu-Autobahn könnte die parallel-verlaufende Bahnstrecke problemlos elektrifiziert werden. Dadurch können Emissionen eingespart und der Anschluss an die Großstädte verbessert werden.
  • Neue Bahnhöfe: Im Zuge des Bahnausbaus können neue Haltepunkte in Aitrang, Ruderatshofen, Wildpoldsried, Betzigau, Kaufbeuren-Nord und
    Pforzen/Rieden errichtet werden.
  • Verkehrssicherheit: Zur Verbesserung der Verkehrssicherheit können an Gefahrenstellen Geschwindigkeitsbeschränkungen, Überholverbote und ggf. auch kleinräumige bauliche Maßnahmen umgesetzt werden.

Derzeit läuft das Öffentlichkeitsbeteiligungsverfahren für den ersten Abschnitt zwischen Buchloe und Germaringen. Noch bis 15. August können Bürger*Innen und Verbände Einwendungen bei den Gemeinden und der Regierung von Schwaben abgeben. Auch der BUND Naturschutz wird eine umfangreiche Einwendung abgeben.

Für Rückfragen:

Thomas Frey
Regionalreferent
thomas.frey@bund-naturschutz.de
Tel: 089-548298-64; 0160-95501313