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Bayern muss Hilfe für die Weidetierhalter endlich auf den Weg bringen

Trotz der seit vielen Jahren sich ankündigenden Rückkehr der Wölfe gibt es in Bayern immer noch keinen "Managementplan Wolf" und kein Förderprogramm, um die Weidetierhalter beim Herdenschutz zu unterstützen.

Beispiel für Herdenschutz durch Behirtung aus der Schweiz beide Fotos: David Gerke

Beispiel für Herdenschutz durch Zaun aus der Schweiz

14.09.2018

Um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen, wollen Weidetierhalter in Deutschland und Bayern am morgigen Samstag Mahnfeuer entzünden. Richard Mergner, Vorsitzender des BN: "Wir verstehen die Sorgen der Weidetierhalter und fordern, dass die Staatsregierung endlich ein vernünftiges Wolfs-Management zum Schutz der Weidetiere einrichtet. Allerdings ist der geforderte Abschuss von Wölfen kein Ersatz für europaweit bewährte Herdenschutzmaßnahmen. Außerdem ist der Wolf eine streng geschützte Tierart, die auch ein Recht auf Heimat in Bayern hat. Daher müssen Landwirtschaftsministerium und Umweltministerium sich endlich auf die längst überfällige Förderrichtlinie für Präventionsmaßnahmen einigen und die entsprechenden Mittel sofort bereitstellen."

Notwendig, vom BN seit 2014 gefordert und seit Jahren in Bayern überfällig ist eine mit ausreichend Mitteln ausgestattete Förderrichtlinie für bewährte Schutzmaßnahmen wie Herdenschutzhunde und wolfsichere Zäune.

Insbesondere die Schafhaltung ist außerdem wirtschaftlich endlich besser zu stellen. "Trotz ihrer unschätzbar wertvollen Dienste für die Artenvielfalt z.B. der Magerrasen, lässt die Landwirtschaftspolitik zu, dass Schäfer sich am Rand der Existenz bewegen und viele mangels wirtschaftlicher Perspektiven aufgeben, von Nachwuchs ganz zu schweigen. Das beobachten wir seit Jahrzehnten und auch ganz ohne Wolf" kommentiert Richard Mergner und fordert: "Wir brauchen sowieso - mit oder ohne Wolf - ein Existenzsicherungsprogramm für die bayerische Schäferei und darin sind Änderungen der Bewirtschaftung, die durch die Anwesenheit von Wölfen notwendig werden, zu 100 Prozent öffentlich zu finanzieren."

Herdenschutz in den Alpen ist eine besondere Herausforderung, denn der Zaunbau ist dort vielerorts deutlich erschwert und z.T. nicht möglich. Auch in der Schweiz, wo man bereits auf mehrjährige Erfahrungen mit dem Wolf zurückgreifen kann, gelang der Aufbau eines erfolgreichen Herdenschutz -Systems nicht von heute auf morgen. Umso wichtiger ist es, mit Maßnahmen wie Behirtung, gelenkter Beweidung, der Zusammenlegung von Kleinherden und/oder dem Einsatz von Herdenschutzhunden so bald als möglich zu beginnen.

Der Abschuss von Wölfen ist kein Ersatz für Herdenschutzmaßnahmen. Auch der Ruf nach "wolfsfreien Zonen" vor allem im Alpenraum löst keine Probleme bei einer Tierart, die in wenigen Tagen Hunderte von Kilometern wandern kann. Dies wird in anderen Alpenländern mittlerweile anerkannt. Landesrat (entspricht Landwirtschaftsminister) Arnold Schuler der Südtiroler Landesregierung begründet das Engagement Südtirols für wirksame Herdenschutzmaßnahmen auf den Almen mit der Erkenntnis: "Einen wolfsfreien Alpenraum wird es nicht mehr geben, so ehrlich müssen wir sein".

Nur wenn keine vorbeugenden Lösungen möglich sind, ist im Einzelfall eine rechtlich und naturschutzfachlich vertretbare Entnahme von auf Weidetieren spezialisierten Wölfen als letztes Mittel möglich.

Für Rückfragen:
Uwe Friedel, BN-Artenschutzreferat, Tel. 0173/8058563, E-Mail: uwe.friedel@bund-naturschutz.de

Dr. Kai Frobel, BN-Artenschutzreferent, Tel. 0911/8187819, E-Mail: kai.frobel@bund-naturschutz.de

Anlagen:
Bilder von Herdenschutzmaßnahmen in den Schweizer Alpen. Fotograf: David Gerke

· PM-99-18_Beispiel_Schweiz_Herdenschutz_Behirtung_c_David-Gerke

· PM-99-18_Beispiel_Schweiz_Herdenschutz_Zaun_c_David-Gerke