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Bessere Kennzeichnung und höhere Zahlungsbereitschaft für das "Osterei" gefordert

Artgerechte Haltung für Legehennen nicht zum tarif möglich - Bund Naturschutz (BN) fordert bildhafte Kennzeichnung

27.03.2002

An Ostern steigt jedes Jahr der Eierverzehr, und Kinder machen sich am Ostersonntag auf die Suche nach bunten Ostereiern. Zu wenig wird dabei immer noch über die Herkunft der Eier und die Haltungsbedingungen der "Ostereiproduzentinnen" nachgedacht. Die meisten der 40 Mio. Legehennen in Deutschland fristen ihr Dasein immer noch in Käfigen. (Anlage 1) Am 13. März 2002 trat die neue Legehennenhaltungsverordnung der Bundesregierung in Kraft, nach der die herkömmliche Käfighaltung in Deutschland bis zum Jahre 2007 ausläuft, 5 Jahre früher als in den übrigen EU-Mitgliedsstaaten. Für Stallneubauten von Legehennen gelten ab sofort die verbesserten Vorschriften. Sogenannte ausgestaltete Käfige (mit 750 cm²/Huhn) sind übergangsweise in Deutschland noch bis 2012 zugelassen. Nennenswerte vorzeitige Umstellungen von bestehenden Käfiganlagen auf artgerechtere Haltungssysteme wird es jedoch nur geben, wenn die Verbraucher Eier aus Käfighaltung klar von Eiern aus artgerechteren Haltungsformen unterscheiden können und auch bereit sind, den Mehrpreis für die artgerechte Haltung zu bezahlen. Mehr Transparenz fordert der BN auch vom Handel, der bei Eiern aus der Käfighaltung mit einer niedrigeren Handelsspanne kalkuliert als bei Eiern aus artgerechteren Haltungsformen. Die Nachfrage nach artgerecht erzeugten Eiern ließe sich durch die bildhafte Kennzeichnung von Eiern und Verarbeitungsprodukten, wie z.B. Eierteiwaren am einfachsten erhöhen. Der BN empfiehlt in Anlehnung an eine Kennzeichnungsaktion der Billa-Lebensmittelkette in Österreich die bildhafte Kennzeichnung nicht nur der artgerechten Haltungsverfahren, sondern auch die bildhafte Kennzeichnung von Eiern aus Käfigbatterien (Anlage 3).Mangelhafter VerbraucherschutzRechtliche Grundlage für die Kennzeichnung ist die Verordnung (EWG) Nr. 1907/90 über bestimmte Vermarktungsnormen für Eier. Bisher sind nur freiwillige Angaben über die Haltungsform vorgesehen und zwar nur noch für "Eier aus Freilandhaltung", "Eier aus Bodenhaltung", wozu Boden- und Volierenhaltung zählen, und "Eier aus Käfighaltung". Daneben dürfen Eier aus ökologischer Erzeugung entsprechend gekennzeichnet werden.Erst ab 1.1.2004 ist die Angabe der Haltungsform verpflichtend. Unklar ist noch die Form der Kennzeichnung.Viele Unternehmen transportieren bisher noch Bilder auf ihren Eier-Verpackungen, die mit der Realität nicht viel zu tun haben. Nur im Kleingedruckten findet sich der Hinweis auf die Haltungsform in Form einer Nummer.Nach einer Umfrage des deutschen Tierschutzbundes glauben 60 % der Befragten in Deutschland, dass sich hinter Bezeichnungen wie Eier "frisch vom Bauernhof" oder "Bauerneier" Eier aus Freilandhaltung verbergen. Nur 40 % der Befragen ordneten diese rechtlich nicht geschützten Phantasiebezeichnungen richtig ein - als Eier aus der Käfigbatterie. 79 % der Befragten sind nach dieser Umfrage auch bereit, mehr für Eier aus der Freilandhaltung zu bezahlen. (www.tierschutzbund.de)Bei einer repräsentativen EMNID-Umfrage vom August 2001 zeigte sich, dass 83 % der Befragten dem Alternativei gegenüber dem Ei aus ausgestalteten Käfigen den Vorzug geben würden.Der BN fordert klare Bildbotschaften, die ins Auge stechen nicht nur für verpackte Eier, sondern auch für Verarbeitungsprodukte, wie z.B. Eierteigwaren oder Backmischungen.Der Bund Naturschutz fordert auch mehr Preistransparenz im Handel mit Käfigeiern und Eiern aus anderen Haltungssystemen:Übliche Handelsaufschläge liegen bei Käfigeiern nach einer Untersuchung von Prof. Detlef Fölsch vom Fachgebiet artgemäße Tierhaltung an der Universität Kassel bei zwei bis drei Cent, bei den Alternativhaltungen jedoch bei sechs bis neuen Cent.Vorteile beim Öko-EiNicht immer halten die Bezeichnungen, was sie versprechen. Nur im ökologischen Landbau gibt es für die Freilandhaltung auch Vorschriften, die es garantieren, dass die Hühner das Freigelände auch aufsuchen. Dies betrifft die Herdengrößen, die nach der EU-Bioverordnung nicht mehr als 3.000 Hühner pro Stalleinheit erlaubt, die Ausläufe, die mit Schutzvorrichtungen ausgestattet sein müssen (Bäume, Sträucher oder entsprechende Unterstände), und die Zahl der Ein- und Ausgangsklappen damit der Auslauf von den Hennen auch genutzt werden kann. Für die Freilandhaltung allgemein sind 10 m² Auslauf/Huhn vorgeschrieben. Bei der ökologischen Eiererzeugung ist auch die Fütterung mit biologisch erzeugtem Futter vorgeschrieben, sowie generell 4 m² Auslauffläche.für Rückfragengez. Marion RuppanerReferentin für LandwirtschaftTel. 0911/81 87 8-20Fax 0911/86 95 68gez. Prof. Dr. Hubert WeigerLandesbeauftragterAnlage 1Legehennenbestand und Haltungsformen in DeutschlandLegehennenbestand1991: 43.600 Legehennen ab 1/2 Jahr und älter1991: 40.600 Legehennen ab 1/2 Jahr und älterHaltungsformen: Käfigbatterien Stallhaltung Freilandhaltung (Boden, Voliere, intensive Auslaufhaltung)1992: 96 % 3,6 0,42000: 87 % 7,3 6,2Bestandsgrößen 1999: Anteil an Hennen Anteil der Betriebe Gesamtzahl der Betriebe 113.017 1 - 3.000 Legehennen 13,6 % 98,9 % 11.780 3.000 - 10.000 Legehennen 9,1 % 0,6 % 708 10.000 - 30.000 Legehennen 12,1 % 0,3 % 306 30.000 - 100.000 Legehennen 18,9 % 0,2 % 144 mehr als 100.000 Legehennen 46,2 % 0,1 % 79Quelle:Statistisches Jahrbuch über Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, 2001Anlage 2Eiererzeugung und Eierverbrauch in Deutschland 1991 2000Verbrauch: 19,5 Mrd. 18,3 Mrd.davon Nettoimporte: 4,1 % 3,7 %Selbstversorgungsgrad: 76 % 82 %Pro-Kopf-Verbrauch_ 244 223Privat eingekaufte Eier: ca. 53 %in Verarbeitungsprodukten (z.B. Nudeln, Majonäse): ca. 20 - 30 %im Außer-Haus-Verzehr ca. 17 - 27 %Ausgaben für das artgerechte EiDie durchschnittliche Verbraucherpreise im Jahr 2000 lagenbei 18 Pfennigen für das Käfigei 31 Pfennigen für das Bodenhaltungsei und 36 Pfennigen für das FreilandeiBeim durchschnittlichen Verzehr von 223 Eiern pro Kopf wurden 118 Eier direkt eingekauft. Auf das Monat bezogen ergibt dies beiKäfigeiern: 1,77 DMBodenhaltung: 3,08 DM undFreilandhaltung: 3,57 DMd.h., die Mehrausgaben belaufen sich auf 1,30 bei Bodenhaltung bzw. 1,80 DM bei Freilandhaltung pro Verbraucher und Monat oder 15,60 DM (Boden) und 21,60 DM (Freiland) pro Verbraucher und Jahr.