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BN fordert Ausweitung des Reichswaldprogrammes

Bei erfolgreichem Waldumbau nicht auf halbem Weg stehenbleiben

16.06.2003

Der Bund Naturschutz (BN) beglückwünscht die Bayerische Staatsforstverwaltung zum erfolgreichen Reichswaldprogramm. In dessen Rahmen wurde der Nürnberger Reichswald zu einem naturnahem Laubmischwald umgewandelt. Diese sehr wichtigen Investitionen in die Zukunft unserer Wälder müssten aber dringend auf andere Gebiete Bayerns ausgedehnt werden, in denen immer noch verbreitet Nadelholz- Monokulturen vorherrschen, so Hubert Weiger, der Landesvorsitzende des BN.

Der Bund Naturschutz begrüßte ausdrücklich die Initiative des Forstministeriums aus dem Jahr 1990, deren Abschluß Forstminister Josef Miller nun anläßlich einer Pressefahrt im Forstamtsbereich Altdorf vorstellte. Damit wurde wichtigen Forderungen des BN-Reichwaldprogrammes aus dem Jahr 1980 Rechnung getragen, freut sich Richard Mergner, Landesbeauftragter des BN. Die beteiligten Forstämter erzielten seitdem Erfolge, wie sie für Deutschland mustergültig sind: große Teile des Kiefern-Steckerleswaldes wurden in Mischwälder umgewandelt, es werden keine Kahlschläge mehr durchgeführt, junge Laubbäume können bei reduzierten Rehwildbeständen auch außerhalb der Zäune aufwachsen. Der Nürnberger Reichswald entwickelte sich Dank des Engagements vieler Forstleute vor Ort zu einem vorbildlich bewirtschafteten Wald, der heute bundesweit anerkannt ist. Im Nürnberger Reichswald wurden Verfahren entwickelt, mit denen sehr kostengünstig Mischwälder begründet werden können. Als entscheidender Faktor hat sich jedoch eine Reduktion der Rehwildbestände auf ein waldverträgliches Maß erwiesen. Seitdem dies im Nürnberger Reichswald verwirklicht ist, werden keine teuren Zäune mehr benötigt. Außerdem verjüngt sich das Laubholz, v.a. die Eiche, oftmals natürlich, und dies kostenlos. Lediglich die Buche muss als wichtige Mischbaumart noch gepflanzt werden.

Der BN fordert deshalb, dieses Erfolgsmodell auch auf andere Wälder Bayerns zu übertragen. In vielen Gebieten Bayerns, wie z.B. im Frankenwald, Oberpfälzer Wald oder in Mittelschwaben bestimmen nach wie vor Nadelholzreinbestände das Waldbild. Nahezu die Hälfte der Staatswälder sind aus der historischen Entwicklung heraus reine Nadelholzforste. Diese sind jedoch sehr anfällig gegenüber Insektenfraß oder Sturmwürfen und nur unzulänglich gerüstet für die besonderen Belastungen durch die Klimaerwärmung. Ein weiterer Umbau hin zu stabilen, artenreichen, zukunftsfähigen Mischwäldern ist aus Sicht des BN unerläßlich, damit die vielfältigen Gemeinwohlfunktionen gerade im Staatswald vorbildlich erfüllt werden können. In den letzten Jahren wurden die Investitionen für Waldumbau in alarmierendem Ausmaß gekürzt - eine besonders bedenkliche Auswirkung der drastischen Sparmaßnahmen im Zuge der "Forstreform". Der BN bittet den Bayerischen Landtag, die nötigen Mittel für diese wichtigen Zukunftsinvestitionen wieder bereitzustellen.