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BN stellt verkehrliche Alternativen zur Süd-West-Tangente in Schrobenhausen vor

Fehlende Entlastung und Alternativen für mehr Verkehrssicherheit und Stauvermeidung machen die sogenannte Entlastungsstrasse überflüssig!

28.05.2019

Der BUND Naturschutz kämpft seit Jahrzehnten gegen diese Trassenplanung durch das Goachat. Diese soll das europäische Fauna-Flora-Habitat Schutzgebiet „Paar und Ecknach“ auf einem massiven Damm komplett durchqueren. Der BUND Naturschutz lehnt diese angebliche Entlastungsstraße ab, denn sie würde die Paaraue - das „Goachat“ - zerschneiden und wertvollen Lebens- und Erholungsraum zerstören. Der BN hat sich zusammen mit der BN-Kreisgruppe Neuburg-Schrobenhausen am Planfeststellungsverfahren mit einer Einwendung beteiligt. Der BN hat eine gutachterliche Stellungnahme zum Verkehrsgutachten und zu Alternativen zur sogenannten „Goachat-Trasse“ in Auftrag gegeben. 

 Die Planung zur Süd-West-Tangente ist aus naturschutzrechtlicher Sicht problematisch, da die geplante Trasse das FFH- Gebiet durchschneidet. Der Neubau einer Straße in diesen Gebieten ist nur unter bestimmten Bedingungen zulässig. Wenn die erforderliche FFH-Verträglichkeitsprüfung negativ ausfällt, dann muss der Nachweis erbracht werden, dass Alternativlösungen nicht vorhanden sind. Für die Verkehrsplanung ist die FFH-Richtlinie die schärfste Vorgabe überhaupt. Die EU-Gesetzgebung setzt hier den Naturschutz de facto über die verkehrlichen Belange oder setzt ihn zumindest den verkehrlichen Belangen gleich.

 „Um einen solchen Eingriff in ein FFH-Gebiet rechtfertigen zu können, muss somit einerseits die Alternativlosigkeit des Projekts nachgewiesen werden und andererseits muss der verkehrliche Nutzen sehr groß sein, so dass der Nutzen die Notwendigkeit und Unverzichtbarkeit des Projekts unterstreicht“, erläutert Günter Krell, Vorsitzender der BN Kreisgruppe Neuburg-Schrobenhausen.

 „Der Flächenverbrauch im Innen- und Außenbereich ist durch die Anschlussbauwerke mit ca. 12,3 ha erheblich und steht in keinem Verhältnis zur prognostizierten Verkehrsentlastung.All das widerspricht grundlegend dem Ziel der Minimierung des Flächenverbrauchs und des schonenden Umgangs mit Grund und Boden. Der im Koalitionsvertrag festgelegte Richtwert von maximal 5 ha Flächenverbrauch pro Tag in ganz Bayern wird mit solchen Planungen sicher nicht eingehalten“, so Martin Geilhufe, Landesbeauftragter des BUND Naturschutz in Bayern.

 „Es gibt keine Notwendigkeit für das Projekt. Die Schrobenhausener Bevölkerung erhofft sich nämlich durch die Süd-West-Tangente eine Abnahme der morgendlichen und nachmittäglichen Staus in der Gerolsbacher Straße“, erklärt Dr. Martin Vieregg, Verkehrsgutachter von Vieregg- Rössler GmbH.

Doch diese Verkehrsentlastung wird nicht eintreten, denn der Entlastungseffekt durch die Süd-West-Tangente beschränkt sich überwiegend auf die Aichacher und Augsburger Straße und auch hier nicht zu Zeiten der Verkehrsspitzen. Die Entlastung erstreckt sich kaum auf die Gerolsbacher Straße, bei der das Verkehrsaufkommen lediglich von 13.990 auf 13.300 Kfz reduziert wird. Dr. Vieregg erläutert weiter: „Letztlich hat der Bau der Süd-West-Tangente keine Auswirkungen auf die Haupt-Stauursachen in Schrobenhausen. Demnach wäre ein Ausbau des Gritschenecks/ Georg-Leinfelder-Straße auch dann sinnvoll und erforderlich, wenn die Süd-West-Tangente realisiert würde. Die Süd-West-Tangente schmückt sich mit fremden Lorbeeren und erzielt den gewünschten Effekt gar nicht.“

Als Alternative, um wirklich was gegen den Stau innerhalb Schrobenhausens vorzugehen, schlägt der BUND Naturschutz einen durchgehend 3-streifigen Ausbau der Gerolsbacher Straße zwischen Gritscheneck und Abzweig Pfaffenhofener Straße auf einer Länge von rund 200 m vor. Wie der konkrete Ausbau aussehen könnte, kann dem Luftbild entnehmen werden (s. Anlage). Hierbei gibt es zwei Varianten: eine ohne Abbruch des Gebäudes Gerolsbacher Straße 4 (ohne Abbildung) und eines mit Abbruch (siehe Abbildung). Das genannte Gebäude stellt durch den schon stattgefunden Abriss der jeweils angrenzenden Gebäude einen Torso (zwei Seiten sind somit ohne Fenster) und es ist anzunehmen, dass die Stadt das Gebäude erwerben könnte. Mit einem Gebäudeabbruch ist eine Streckenführung für 50 km/h und mindestens 2 m breitem Gehweg möglich, ohne Gebäudeabbruch sind nur 40 km/h und punktuell lediglich 1,3 m breite Gehsteige möglich.

Zur Verbesserung der gesamten Verkehrssituation in Schrobenhausen sind noch weitere Maßnahmen denkbar: „Neben der neuerdings auch diskutierten Beseitigung des Bahnübergangs Pöttmeser Straße durch einen Straßentunnel ist es unter Umständen auch möglich, die BÜSTRA-Anlage - eine mit den Schranken des Bahnübergangs gekoppelte Straßenkreuzung - zu optimieren, um kürzere Rotphasen der Verkehrsampeln und kürzere Schließzeiten der Schranken zu erhalten. „Es ist nicht sicher, ob eine solche Optimierung möglich ist, aber eine realistische Chance für eine solche Optimierung besteht“ führt Dr. Vieregg weiter aus.

 „Umgehungsstraßen sind Verkehrsplanung von gestern, sie ziehen neuen Verkehr an, viel wichtiger ist es den öffentlichen Personennahverkehr zu verbessern wie z.B. durch einen kostenlosen Stadtbusverkehr“, ergänzt Brigitte Streber, Vorsitzende der BN-Ortsgruppe Schrobenhausen.

Darunter würde eine kostenfreie Schulbusnutzung fallen, ganztags für alle SchülerInnen, die in Schrobenhausen zur Schule gehen, auch für die städtische Musikschule – und das Angebot eines Kindergartenbusses mit Beförderung zu den entsprechenden Kindergartenzeiten (bewährt in Nachbargemeinden).

„Außerdem halten wir eine Einführung von verpflichtenden Werksbussen für Firma Bauer, MBDA, Papierfabrik Leinfelder, usw. sowie die Unterstützung der IHK-Forderung nach Stärkung des regionalen ÖPNV durch die Stadt Schrobenhausen für wichtig, äußert sich Günter Krell.

Des Weiteren würde eine intelligente Ampelschaltung an der Kreuzung Bürgermeister-Götz-Straße/Pöttmeser Straße die Stauung während der Stoßzeiten entschärfen.

 Zu einer weiteren Entlastung können Halteverbote für PKW in der Georg-Leinfelder-Straße bis Franz-von-Lenbach-Realschule von 7:30 Uhr bis 9:00 Uhr und 11:00 Uhr bis 14:00 Uhr beitragen. Der Busbahnhof soll die Alternative für die verlorene Haltemöglichkeit in der Georg-Leinfelder-Straße bilden. Vom Busbahnhof führt ein sicherer Fußweg (Jahnweg) direkt zu den Schulen in der Georg-Leinfelder-Straße. Damit wäre die Gefährdung der Schüler durch den Kfz-Verkehr auf der Georg-Leinfelder-Straße wesentlich verringert.

 Zur Verkehrssicherheit würde ein Ausbau der Radverkehrs-Infrastruktur einschließlich Straßenüberquerungshilfen für Radfahrer beitragen.

 Brigitte Streber ergänzt: „Dass ein Umdenken in der Bevölkerung stattfindet, zeigt sich auch an den rund 4000 abgegebenen Einwendungen die vom lokalen Aktionsbündnis Rettet-das-Goachat gesammelt abgegeben wurden. Da spiegelt sich der Wunsch nach Naherholung wieder.

 „Wir fordern die Stadt Schrobenhausen auf erstmal die Vorschläge zur Stauvermeidung umzusetzen und zu prüfen, ob sich eine Verkehrsentlastung einstellt, bevor die Bagger kommen“, sagt Günter Krell abschließend.

 Für Rückfragen:

Annemarie Räder, Regionalreferentin Oberbayern Region München & Ingolstadt

Tel.: 089/ 54 83 01 14; Mobil: 0170/4042797

annemarie.raeder@bund-naturschutz.de