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BUND Naturschutz (BN) zieht Bilanz und fordert Ausweisung des Grünen Bandes als Naturmonument

Grenzen trennen. Natur verbindet. Grünes Band - das friedliche und lebendige Sympol der Wiedervereinigung im 25. Jahr der deutschen Einheit

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21.12.2015

Seit über 25 Jahren setzt sich der BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) für den Schutz des Grünen Bandes entlang der früheren innerdeutschen Grenze ein. In einzigartiger Weise verbindet das Grüne Band Natur, Kultur und Geschichte entlang von 1.393 Kilometern mitten durch Deutschland. Seit 2002 engagiert sich der BN zudem mit seinem bundesweit und international tätigen Projektbüro Grünes Band für einen Friedensschluss mit der Natur am gesamten ehemaligen Eisernen Vorhang, dem Grünen Band Europa.

Dank dem Engagement des Naturschutzes ist das Grüne Band Lebensraum für mehr als 1.200 gefährdete und teils vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten. In diesem länderübergreifenden Biotopverbund finden sich 146 verschiedene Lebensraumtypen von denen zwei Drittel nach der Roten Liste Deutschlands gefährdet sind. Das Grüne Band ist Leuchtturmprojekt in der "Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt" der Bundesregierung. Durch übergreifende Biotopverbundsysteme wie das Grüne Band wird die allgemeine Durchlässigkeit der Landschaft für Tiere und Pflanzen und damit die Anpassungsfähigkeit an Klimaveränderungen stark erhöht.

Doch auch ein Vierteljahrhundert nach der Wiedervereinigung ist nicht das gesamte Grüne Band gesetzlich geschützt. Lediglich knapp 30 % steht unter strengem nationalen Schutz. Zudem befindet sich knapp ein Drittel des Grünen Bandes in Privatbesitz, was ein hohes Risiko intensiver landwirtschaftlicher Nutzung mit sich bringt. Zahlreiche Lücken - oft mehrere Kilometer lang - unterbrechen den in Deutschland einzigartigen Biotopverbund, der sich an den Grenzen von neun Bundesländern entlangzieht. Der BN arbeitet daran, diese Lücken zu schließen. "Das Grüne Band ist aufgrund seiner historischen Bedeutung und der Tatsache, dass es der bisher einzige länderübergreifende Biotopverbund Deutschlands ist, wie geschaffen dafür, als "Nationales Naturmonument" ausgewiesen zu werden. Diese in der Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes 2010 geschaffene Schutzkategorie (§24 Abs.4 BNatschG) soll für Gebiete angewandt werden, die monumentalen Charakter aufweisen und wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit von herausragender Bedeutung sind", sagte Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz in Deutschland e.V. (BUND) und des BN. "Der Koalitionsvertrag in Thüringen enthält bereits die Zielsetzung der Ausweisung des Grünen Bandes als Naturmonument. Die anderen Bundesländer am früheren Grenzstreifen müssen sich dem anschließen. Weiter müssen die naturbelassenen Gebiete entlang des gesamten früheren Eisernen Vorhangs - das Grüne Band Europa - von der Bundesregierung und weiteren 23 Anrainerstaaten als UNESCO-Welterbe vorgeschlagen werden", forderte Weiger. Denn das Grüne Band sei mit 12.500 Kilometern Länge der weltweit größte Biotopverbund, der vom Eismeer bis ans Schwarze Meer reichend fast alle biogeografischen Regionen Europas und über 40 Nationalparke miteinander verbindet.

"Das Grüne Band Europa ist auf der politischen, europäischen Ebene als einzigartiges Modellprojekt anerkannt und angekommen, wie z.B. in der Mitteilung der EU-Kommission zur sogenannten Grünen Infrastruktur", so Liana Geidezis, Leiterin des BUND Projektes Grünes Band. Eine sehr positive Entwicklung sei, dass mehr als zwei Dutzend Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen aus 14 Ländern im 2014 gegründeten Verein 'European Green Belt Association' den Erhalt des Grünen Bands Europa vorantrieben. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs gelte das Grüne Band Europa als Symbol des Friedens und der Völkerverständigung.

Schon in den späten 70ern und frühen 80er Jahren - noch während die Grenze von den Menschen nur als Todesstreifen wahrgenommen wurde, belegten die systematischen vogelkundlichen Untersuchungen von Kai Frobel, Initiator des Grünen Bandes und Artenschutzreferent des BN, und weiteren ehrenamtlichen Naturschützern aus dem Raum Coburg die Bedeutung des Gebiets für die Natur. Frobel erinnerte: "Gemeinsam mit 400 Naturschützern aus Ost und West riefen wir im Dezember 1989 in Hof das Grüne Band ins Leben. Seitdem ist es ein lebendiges Symbol für die Wiedervereinigung Deutschlands.

Ein Symbol, dessen historische Bedeutung und Naturreichtum vor allem kurz nach der Wende nicht immer erkannt und wertgeschätzt wurde. So kommt es, dass insgesamt 13 % der Fläche des einzigartigen nationalen Biotopverbunds durch intensiv genutztes Grünland, Ackerbau und Straßen in ihrer Funktion stark beeinträchtigt sind. Die Lücken sind so groß wie 3000 Fußballfelder. Von der Bundesregierung fordert Weiger deswegen ein nationales Förderprogramm "Lückenschluss Grünes Band" mit rund 30 Millionen Euro für den Ankauf noch zu sichernder Flächen für den Naturschutz. "Die Welt schaut auf Deutschland. Als wirtschaftlich erfolgreiches Land und als ein Land, das in vielen Bereichen des Umweltschutzes immer noch als Vorbild gilt, haben wir die Chance, stärkste globale Impulse zu setzen. Wenn uns die Etablierung einer Grünen Infrastruktur gelingt, die diesen Namen verdient, dann werden andere Länder den Mut finden, in dieselbe Richtung zu gehen. Das Grüne Band nimmt durch seinen hohen symbolischen Wert hier eine zentrale Schlüsselrolle ein", so Weiger.

Eine neue BUND-Broschüre zu "Das Grüne Band - Dauereinsatz für eine Vision" erläutert auf 65 Seiten mit Bildern und vielen Hintergrundinformationen die Entwicklung des Grünen Bands durch Deutschland und Europa. Sie erhalten die Broschüre vom BUND-Projektbüro Grünes Band, E-Mail: gruenesband@bund-naturschutz.de bzw. im Internet zum Download unter: bund.net/pdf/gruenes_band_jubilaeumsbroschuere.

Für Rückfragen:

Dr. Liana Geidezis, Leiterin BUND-Projekt Grünes Band, Tel. 0911-575294-0, mobil am 21. Dezember: 0171-5331853, E-Mail: gruenesband@bund-naturschutz.de