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Bund Naturschutz fordert die Einrichtung eines Verkehrsverbundes Oberfranken

Regionaler Planungsverband soll tätig werden

17.01.2002

Bei einem Treffen aller oberfränkischen Kreisgruppen in Bayreuth fordert der Bund Naturschutz eine konzertierte Aktion der Städte und Gemeinden zur Schaffung eines großen oberfränkischen Verkehrsverbundes. Anlass für das Gespräch ist die Sitzung des Regionalen Planungsverbandes Oberfranken-Ost am 21.01.02 in Kulmbach, bei der über einen entsprechenden Antrag des BN beraten werden soll. Mit der Initiative will der Bund Naturschutz der oberfränkischen Bevölkerung ebenso attraktive Bedingungen bei Bus und Bahn wie in vielen anderen Regionen Bayerns ermöglichen.Hintergrund ist die schlechte Situation bei Bus und Bahn in Nord-ostbayern. Wer zum Beispiel von einer kleinen Ortschaft bei Bamberg in eine kleine Ortschaft bei Hof fahren möchte und dabei nicht das Auto benutzen will oder kann, muss sich zumindest auf eine ganztägige Reise mit kilometerlangen Fußmärschen einstellen oder große Strecken mit dem Taxi zurücklegen. Es ist bislang nicht gelungen, stündlich vertaktete ÖPNV-Verbindungen zwischen den Oberzentren Bamberg, Bayreuth und Hof im Schienenverkehr einzurichten. Es gelang bisher nicht einmal, größere Verkehrsverbünde zu etablieren, geschweige denn, den Nahverkehr über Landkreisgrenzen hinweg attraktiv zu verknüpfen. Die Kehrseite besteht in der Zunahme des Straßenverkehrs und immer neuen Straßenbauvorhaben, mit denen Oberfranken seit Jahren überzogen wird. Der Bund Naturschutz schlägt die Einrichtung eines "Öffentlichen Oberfränkischen Verkehrsverbundes" ("ÖOV") vor, der alle Landkreise, Städte und Gemeinden Oberfrankens unter Berücksichtigung ihrer Verkehrsverflechtungen umfasst. Er kann und soll ergänzt werden durch Gebiete außerhalb Oberfrankens, die verkehrlich mit oberfränkischen Gebieten in engem Austausch stehen. Ähnliche Verbünde existieren bereits in Mittelfranken (VGN) oder in Bundesländern wie Rheinland-Pfalz oder Sachsen. Der regionale Planungsverband Oberfranken-Ost soll die Initiative ergreifen, mit benachbarten Planungsregionen Kontakt aufnehmen und entsprechende Planungen in Auftrag geben.Dafür soll unter der Trägerschaft der Landkreise Bayreuth, Hof, Kulmbach und Wunsiedel sowie der Kreisfreien Städte Bayreuth und Hof ein "Zweckverband ÖPNV Oberfranken" gegründet werden. Dieser Zweckverband hat die Aufgabe, im Auftrag der genannten Gebietskörperschaften den gesamten ÖPNV zu koordinieren, den Fahrplan im zukünftigen Verkehrsverbund zu erstellen, die einzelnen Strecken auszuschreiben und die Linien zu bestellen. Teilnehmer dieses ÖOV sollen sowohl die Deutsche Bahn AG als auch alle künftigen Bahnlinienbetreiber, alle städtischen Verkehrsbetriebe und alle Konzessionsnehmer der Buslinien in Oberfranken sein.Der BN schlägt vor, einheitliche Zonentarife und Umsteigemöglichkeiten von einem Verkehrsträger zum anderen im gesamten Gebiet des ÖOV zu schaffen. Umwelttages-, Wochen- und Jahreskarten zu vergleichbar günstigen Preisen wie in bayerischen und weiteren bundesdeutschen Ballungsgebieten wären nötig. Die Schaffung von Mitnahmemöglichkeiten für Familienangehörige (v.a. Kinder) und die Übertragbarkeit von Wochen- und Monatskarten, wie erfolgreich z.B. mit der "Mobi-Card" im Verkehrsverbund Großraum Nürnberg praktiziert, wären weitere wichtige Bestandteile eines zukunftsfähigen ÖPNV-Konzeptes.Als ersten Schritt schlägt der Bund Naturschutz die Schaffung einer ÖOV-Umwelttageskarte zum Preis zwischen 5,- und 10,- € im gesamten Gebiet des Regierungsbezirks Oberfranken vor. Die Fahrkarte berechtigt, wie in anderen Verkehrsverbünden, die Benutzung aller öffentlichen Verkehrsmittel in Oberfranken für die Dauer von 24 Stunden. Sie schüfe wegen ihres günstigen Preises eine echte Alternative zur Benutzung des PKW innerhalb Oberfrankens, wäre ein geringfügiger Ausgleich für das schlechte Angebot im Bereich des Öffentlichen Personennahverkehrs in Oberfranken und von der gesamten Bevölkerung zu nutzen.Im Vergleich zu den Ballungsräumen in Bayern und im gesamten Bundesgebiet muss der Bund Naturschutz feststellen, dass die Bürgerinnen und Bürger Oberfrankens in einer Art und Weise benachteiligt werden, die der Bayerischen Verfassung, welche die Herstellung gleicher Lebenschancen für alle Bürgerinnen und Bürger in allen Teilen des Freistaates zur Aufgabe macht, widerspricht. Als Beispiele seien die Verkehrsverbünde Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN; Fläche des Verbundgebietes: ca. 6.500 qkm; Einwohner: ca. 1,6 Millionen; Tageskarte: 12,20 €), Münchner Verkehrs-Verbund (MVV; Fläche des Verbundgebietes: ca. 5.500 qkm; Einwohner: ca. 2,4 Millionen; Tageskarte: 12,80 €), Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG; Fläche des Verbundgebietes: ca. 3.200 qkm; Einwohner: ca. 3,8 Millionen; Tageskarte: 6,30 €) und das Egronet genannt.gez.Prof. Dr. Hubert Weiger, LandesbeauftragterUdo Benker-Wienands, Vorsitzender der Kreisgruppe HofFred Terporten-Löhner, Vorsitzender der Kreisgruppe WunsiedelHelmut Korn, Vorsitzender der Kreisgruppe BayreuthWolfgang Martin, Vorsitzender der Kreisgruppe KulmbachUwe Längenfelder, Vorsitzender der Kreisgruppe KronachRita Poser, Vorsitzende der Kreisgruppe CoburgAnton Reinhardt, Vorsitzender der Kreisgruppe LichtenfelsLudwig Trautmann-Popp, Vorsitzender der Kreisgruppe BambergHeinrich Kattenbeck, Vorsitzender der Kreisgruppe ForchheimTom Konopka, Regionalreferent für Mittel- und Oberfranken