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BUND Naturschutz fordert von Julia Klöckner eine verbindliche Fleischkennzeichnung und eine bessere Verteilung der Agrarfördermilliarden zum Erhalt einer bäuerlichen Landwirtschaft

Bundeslandwirtschaftsministerin in Kulmbach: Weg von agrarkapitalistischen Strukturen hin zu umweltverträglich wirtschaftenden bäuerlichen Betrieben

20.08.2020

Anlässlich des Besuchs im Institut für Sicherheit und Qualität bei Fleisch beim staatlichen Max Rubner-Institut fordert der BUND Naturschutz (BN) von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner eine verpflichtende Haltungskennzeichnung für Fleisch. „Das von Klöckner in die Wege geleitete freiwillige Tierwohllabel für Schweinfleisch ist völlig unzureichend, um den Verbraucher*innen zu mehr Durchblick an der Fleisch-und Wursttheke zu verhelfen,“ so Richard Mergner, BN Landesvorsitzender. „Menschenrechtswidrige Arbeitsbedingungen, Regenwaldvernichtung durch importiertes Gen-Sojafutter und artgerechte Tierhaltung bleiben im Dunkeln“, so Mergner weiter.

Zu den Forderungen des BN an Julia Klöckner gehören auch ein Bekenntnis der Bundeslandwirtschaftsministerin zur Ablehnung der Gentechnik im Essen, zum Stopp des geplanten Handelsabkommens mit Südamerika „Mercosur“ und ein klares Eintreten zu Gunsten bäuerlicher Betriebe bei den laufenden Verhandlungen um die künftige gemeinsame Agrarpolitik (GAP).

Verpflichtende Haltungskennzeichnung

„Ob Fleisch und Wurst von einem Schwein stammt, das auf Vollspalten über dem Gülleablauf gehalten wurde oder das einen abgedeckten Lagerplatz, eventuell sogar mit Stroheinstreu hatte, sollte endlich verpflichtend gekennzeichnet werden“, so Marion Ruppaner, BN Agrarreferentin, und weiter: „Was bei den Eiern möglich war muss es künftig auch bei Fleisch aller landwirtschaftlichen Nutztiere geben. Durch die Einführung einer verbindlichen Haltungskennzeichnung bei Eiern („Kauf kein Ei mit der 3“) haben die europäischen Verbraucher*innen die Käfighaltung von Legehennen durch ihr Einkaufsverhalten vom Markt zurückgedrängt.“

Keine Gentechnik in Futter und Lebensmitteln

„Die Risiken der „neuen Gentechnik“, die von Klöckner beworben wird, sind ähnlich denen, die bereits seit dreißig Jahren diskutiert und von der großen Mehrheit aller BundesbürgerInnen abgelehnt werden“, so Richard Mergner, BN Landesvorsitzender.“ „Deswegen muss die Bundeslandwirtschaftsministerin, ebenso wie die bayerische Staatsregierung ein klares Bekenntnis zur Regulierung der neuen Gentechnikverfahren gemäß dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) abgeben“, fordert Mergner. Der EuGH hat in seinem Urteil vom Juli 2018 festgestellt, dass auch die neuen Verfahren dem Gentechnikrecht unterliegen.

Unlautere Handelspraktiken einschränken und Mercosur Abkommen ablehnen

„Überfällig ist auch, dass Klöckner endlich die EU-Richtlinie über unlautere Handelspraktiken in der Lebensmittelkette[1] umsetzt, und die desaströse Billigpreispolitik im Lebensmittelhandel einschränkt“,so Mergner.

Und keinesfalls dürfe das Handelsabkommen mit den Mercosurstaaten von Deutschland unterzeichnet werden, denn dadurch drohen insbesondere bei Rindfleisch, aber auch bei Geflügelfleisch und Zucker erhebliche Wettbewerbsverzerrungen und Marktverwerfungen zu Lasten der Bauernfamilien. Die europäische Überschussproduktion von Fleisch und Milch hat ihre Ursache auch in der Billigeinfuhr von meist gentechnisch verändertem Soja und anderen Futtermitteln nach Europa. Schon heute führen der Soja-Anbau und die großen Rinderherden beispielsweise in Brasilien zu massiver Abholzung des Regenwaldes, Landkonflikten und zu einer Verschärfung der Klimakrise.

Agrarsubventionen umschichten

Von Ministerpräsident Markus Söder fordert der BN Vorsitzende ein entschiedeneres Vorgehen gegen Agrarkapitalismus und mehr Einflussnahme im Bundeskabinett: „Wenn Ministerin Klöckner Ende August ihre EU Agrarministerkolleg*innen zu einem informellen Treffen nach Koblenz einlädt, dann muss die CSU vorher als Koalitionspartner im Bundeskabinett klarmachen, dass es ein „weiter so“ mit der Förderung für landwirtschaftliche Industriebetriebe mit den größten Flächen nicht länger geben darf.

Der BN fordert, dass in Rahmen der neuen Förderperiode der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), die pauschalen Flächenprämien schrittweise reduziert und in der darauffolgenden Förderperiode vollständig abgeschafft werden.

Für Rückfragen:

Marion Ruppaner, BN Agrarreferentin, 0911 81 87 8 – 20,
Mail: marion.ruppaner@bund-naturschutz.de

[1]ec.europa.eu/info/food-farming-fisheries/key-policies/common-agricultural-policy/market-measures/agri-food-supply-chain/unfair-trading-practices_de