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Die SandAchse Franken wächst weiter

15 Jahre SandAchse: Evaluierung, neue Broschüre, neue Kerngebiete

Foto: BN, Von links: Tom Konopka (BN-Regionalreferent), Wolfgang Dötsch (GF BN-Kreisgruppe Nbg-Stadt), Sibylle Tschunko (GF LPV Mfr), S. Ozman (LPV Nürnberg), Richard Mergner (BN Landesbeauftragter), Renate Schumann (OG Nürnberger Süden), Artur Lampmann (OG Nürnberger Süden), Dr. Otto Heimbucher (Vorsitzender BN-Kreisgruppe Nürnberg-Stadt), Petr Mlnarik (LPV Nürnberg)

22.06.2016

Im Rahmen eines Ortstermins in Nürnberg-Kornburg präsentierten Vertreter des Landschaftspflegeverbandes Mittelfranken und des BUND Naturschutz die Ergebnisse eines Nachhaltigkeits-Checks, der soeben abgeschlossen wurde. Die Verbände wollten herausfinden, ob nach Auslaufen der Fördergelder 2007 die Anstrengungen zum Schutz und Erhalt von Heiden, Trockenrasen und Flechtenkiefernwäldern aus eigener Kraft weiter fortgeführt wurden. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die SandAchse Franken wächst weiter.

"Wir sind sehr froh über das hohe Engagement der Kommunen und Landkreise im Bereich der fränkischen Sandachse, die auch nach Ende der Förderung mit dem Schutz und dem Erhalt der Sandlebensräume weitergemacht haben. Insbesondere den Unteren Naturschutzbehörden und den lokalen Landschaftspflegeverbänden gebührt unser Dank für die jahrelange Pflege. Natürlich gilt das auch für unsere Aktiven in den Kreis- und Ortsgruppen und viele Partner aus Behörden und Wirtschaft", so Richard Mergner, BN-Landesbeauftragter.

"Wir sind zwar noch nicht über den Berg, was die Rettung aller bestehenden Sandbiotope betrifft, weil der Flächenverbrauch für Siedlungen und Straßen ungebrochen weitergeht, aber wir sind deutlich weiter als zu Beginn des Projektes im Jahr 2000, als Sandtrockenrasen noch als Ödland galten. Weitere Anstrengungen zum Schutz der Sandlebensräume sowie intensive Bemühungen zur Einschränkungen des Flächenverbrauches sind deshalb unbedingt notwendig, um Arten, wie der Blauflügeligen Ödlandschrecke, dem Wappentier der SandAchse, auch langfristig ein Überleben in unserer Region zu sichern", so Mergner.

"Zusammen mit den lokalen Landschaftspflegeverbänden, den Behörden und Naturschutzgruppen pflegen wir derzeit etwa 400 Hektar Sandbiotope. Das ist eine ganze Menge und sorgt für den Erhalt der wertvollsten Flächen. Es ist notwendig, weil der Stickstoffeintrag aus Abgasen und Kunstdünger aus benachbarten Flächen zur Überdüngung der wertvollen Magerrasen führt", so Sibylle Tschunko, Geschäftsführerin des Landschaftspflegeverbandes Mittelfranken.

"Damit die Erfolge verstetigt werden können brauchen wir zusätzliche Flächen. Außerdem sollte eine Fördermöglichkeit für die freiwilligen Maßnahmen der Partner auf ihren Flächen geschaffen werden, z.B. im Rahmen der Umsetzung der Bayerischen Biodiversitätsstrategie. Für die nötige Beratung bei der Planung öffentlicher Grünflächen, von Ausgleichsmaßnahmen und von Landwirten hinsichtlich der gezielten Anwendung von Agrarumweltmaßnahmen sollte zeitnah eine Koordinationsstelle angestrebt werden", so Tschunko. Noch 2016 soll ein entsprechender Förderantrag gestellt werden.

Die Naturschutzverbände konnten seit 2000 etliche durch Bebauung, Straßenbau oder Sandabbau gefährdete Sandlebensräume retten, darunter Teile des Kerngebietes Erlanger Exerzierplatz, die Sandäcker bei Buckenhof und Sandkiefernwälder bei Reichenschwand. Seit 2007 sind z.B. Teile der ehemaligen Militärflächen im Hauptsmoorwald bei Bamberg staatlicherseits unter Schutz gestellt worden, Sandkiefernwälder des Reichswaldes bei Feucht wurden vor Bebauung gerettet. Derzeit kämpft der BN gegen eine geplante Gewerbegebietsausweisung am ehemaligen Schießplatz und der ehemaligen Muna Bamberg.

Zwischen 2000 und 2007 wurden Grundstücke mit fast 50 Hektar Flächenumfang, 2007 bis 2014 weitere 25 Grundstücke mit 10,57 ha Fläche zur Sicherung wertvoller Sandlebensräume z.T. mit finanzieller Einzelförderung durch den bayerischen Naturschutzfonds angekauft. Seit 2007 konnten neue Kerngebiete entwickelt oder ausgeweitet werden: Darunter die herrlichen Sandtrockenrasen und Sandäcker am Wasserwerk-West in Erlangen. In Nürnberg entwickelt sich der Marienbergpark durch die seit Ende der 1990er Jahre angepasste Pflege zu einer großen Sandgrasnelkenheide in der Stadt.

In Kornburg konnte der BUND Naturschutz mittlerweile fünf Hektar Sandäcker aufkaufen und zu Magerrasen umwandeln. Eine Fläche wurde dem BN sogar geschenkt.

"Dass wir nun schon im zweiten Jahr eine Brut der sehr seltenen Heidelerche auf unseren Pflegeflächen haben, spornt uns unglaublich an. Und wenn wir weiter Spenden bekommen, kaufen wir die nächste Fläche zur Ergänzung dieses neuen Sandachse-Kerngebietes.", so Dr. Otto Heimbucher, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Nürnberg-Stadt.

Auch die Pflegemaßnahmen gingen nach 2007 weiter: Im Jahr 2014 wurden im Projektgebiet Landschaftspflegemaßnahmen auf mindestens 399 ha größtenteils von Landschaftspflegeverbänden durchgeführt. Magerrasen werden mit Schafen oder Wildpferden beweidet oder gemäht, aufkommendes Gehölz wird zurückgeschnitten, gelegentlich wird auch mal der stickstoffreiche Oberboden abgeschoben und an Landwirte für ihre anderen Äcker verteilt. Weitere 114 ha Sandflächen wurden seit 2007 über Kompensationsmaßnahmen geschaffen. Durch Ansaat mit der autochthonen Saatgutmischung "SandAchse Franken" der Rieger-Hofmann GmbH konnten so neue Sandmagerrasen auf sandigen Äckern angelegt werden.

Die Voraussetzungen für die zunehmende Planung von Ausgleichsmaßnahmen auf Sandflächen wurden erst mit dem SandAchse-Projekt geschaffen. Maßgeblich dafür war die Beratung von Planungsbüros, z.B. mit Hilfe der Arbeitsmappe "Naturnahe Grünflächen auf Sand". So konnte der anhaltende Schwund der Sandlebensräume v.a. durch Bebauung zumindest teilweise kompensiert werden.

Auch Firmen und Behörden helfen beim Erhalt und der Schaffung von Sandlebensräumen: Die Airport Nürnberg GmbH entwickelt Sandbiotope rund um den Flugplatz wie Heiden, Sandmagerrasen und artenreiche Wiesen auf ca. 41 ha, zusätzlich wurden ca. 44 ha neue Sandbiotope durch Abschieben von Oberboden oder Entbuschungen im Rahmen des eigenen Ökokontos angelegt. Die Autobahndirektion Nordbayern schaffte Sandmagerrasen im Rahmen von Ausgleichsmaßnahmen, gezielte Pflege von Böschungen in Sanddünen östlich von Nürnberg sowie von Begleitflächen zwischen Autobahnkreuz Nürnberg Süd und Anschlussstelle Schwabach. Die Deutsche Bahn stellte Grundstücke zum Aufbau eines Biotopverbundes entlang der Schienenwege durch Neuanlage von Sandbiotopen auf rund 3 ha Bahnbegleitflächen (Böschungen, Gleisdreiecke) zur Verfügung und unterstützt Artenschutzprojekte wie die Rettung des Nürnberger Sandtraganten. Die Deutsche Telekom Bamberg pflegt auf dem Betriebsgelände rund 2 ha Sandmagerrasen und der Servicebetrieb Öffentlicher Raum (SÖR) in Nürnberg schaffte umfangreiche Sandmagerrasen auf straßenbegleitenden Grünflächen.

Insgesamt haben seit dem Jahr 2000 48 Partner aus Wirtschaft und Behörden Sandlebensräume auf ihren eigenen Flächen erhalten und neu geschaffen und sind auch heute noch dabei.

Spitzenreiter bei der Medienberichterstattung war im Landkreis Erlangen-Höchstadt der Landschaftspflegeverband Mittelfranken mit der Gebietsbetreuung für das Kerngebiet der SandAchse und NSG Tennenloher Forst mit dem Przewalski-Wildpferdeprojekt.

Im Bereich Umweltbildung wurden seit dem Jahr 2007 54 neue Infotafeln aufgestellt, 656 Führungen bzw. Exkursionen durchgeführt und 54 mal Ausstellungen gezeigt. Die im geförderten Projektzeitraum erstellte Wanderausstellung "SandAchse Franken" wurde von 2007 bis 2014 insgesamt 33 mal in der Region und z.T. überregional präsentiert. Die geschätzte Teilnehmerzahl der Führungen und Exkursionen von insgesamt ca. 10.000 Teilnehmern zeigt das Interesse der Öffentlichkeit an den SandAchse-Themen.

Den größten Publikumserfolg erzielte die im Projekt SandAchse aktive Stadt Bamberg: Über eine Million BesucherInnen kamen im Jahr 2012 zur Landesgartenschau in Bamberg und wurden mit dem Sandthema vertraut gemacht. Eine ehemalige Industriebrache war hier zum sandigen Landschaftspark umgewandelt worden.

Zahlreiche Wandertipps konnten mit finanzieller Unterstützung des Verkehrsverbundes Großraum Nürnberg (VGN) und in Kooperation mit den unteren Naturschutzbehörden für das Gebiet der SandAchse ausgearbeitet werden. Sie führen zu den schönsten Sandheiden, Sandsteinfelsen und Flechtenkiefernwäldern der Region. Und überall steht für müde Wanderer der öffentliche Nahverkehr zur Rückfahrt bereit.

Auf dem "Fränkischen Dünenweg" können Wanderer die außergewöhnliche Dünenlandschaft sowie reizvolle Dörfer, Schlösser, Burgen und Wälder im Süden des Nürnberger Landes erleben. Aufgeteilt ist der gut 90 km lange Wanderweg in fünf Etappen, die jeweils auch gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind.

Für Radler stehen u.a. sieben Radtouren-Vorschläge zu Sandlebensräumen zwischen Bamberg und Weißenburg auf der Homepage der Sand-Achse bereit. Der vom Projekt "Flussparadies Franken" konzipierte Regnitz-Radweg führt von Bamberg bis Nürnberg ebenfalls durch das Gebiet der SandAchse.

Zwischen 2000 und 2007 wurde das Projekt SandAchse Franken als eines der großen Naturschutzprojekte in Bayern finanziell gefördert durch die Stiftung Bayerischer Naturschutzfonds aus Zweckerlösen der GlücksSpirale. Insgesamt 2,4 Mio. Euro Fördermittel wurden in dieser Zeit für den Erhalt wertvoller Sandlebensräume durch Pacht und Erwerb ausgegeben, ergänzt durch Eigenmittel der Projektpartner. Flächen wurden damit gepflegt, neue Biotope geschaffen und SchülerInnen mit dem Lebensraum vertraut gemacht.

Seit 2007 müssen zwar kleinere Brötchen gebacken werden, aber die lassen sich auch sehen. Insgesamt wurden bis 2014 weitere 400.000 Euro von den Projektpartnern und dem Bayerischen Naturschutzfonds für Ankauf und Sand-Projekte im Gebiet der SandAchse aufgebracht.

Weiterführende Informationen unter www.sandachse.de.

Für Rückfragen:

Tom Konopka, BN-Regionalreferent für Mittel- und Oberfranken, Tel. 0911 / 81878-24

Sibylle Tschunko, Geschäftsführerin Landschaftspflegeverband Mittelfranken, Tel. 0981 / 4653 3531

Die neue Broschüre "SandAchse Franken - Sandlebensräume zwischen Weißenburg und Bamberg (2015)" kann unter https://www.bund-naturschutz.de/natur-und-landschaft/sandachse-franken.html als pdf-Datei heruntergeladen werden.